War Jesus ein Muslim?

gestellt von David am 19. Juni 2015

Viele Muslime glauben, dass Jesus ein Muslim war, weil er wie einer gebetet haben soll. Ist das wahr? Auch glauben die Muslime, dass Jesus nicht am Kreuz gestorben ist. Dabei steht es in den Evangelien so geschrieben. Außerdem haben Mohammed und seine Jünger 500 Jahre und ca. 500km entfernt gelebt. Somit sind die Beweise der Evangelien, welche doch kurz nach Christus' Tod geschrieben wurden, viel nahelegender. Mit freundlichen Grüßen

Lieber Schreiber,

Mohammed, der Begründer des Islams und damit  sozusagen erster Muslim, ist zwischen 547 bis 552 n. Chr. geboren. Da fällt etwas auf: NACH Christus. Also war Jesus Christus selbst kein Muslim.

Gleichwohl kommt Jesus im Koran vor. Dort ist er einer der Propheten.

Die sog. monotheistischen Religionen: Judentum, Christentum und Islam sind miteinander verwandt. Sie alle glauben, dass es  e i n e n  Gott gibt.

Von daher kann ich mir auch vorstellen, dass sich Muslime mit Jesus verbunden fühlen.

So wie wir auch mit dem Judentum verbunden sind. Der Jude Martin Buber sagte einmal: "der Glaube Jesu eint uns - der Glaube an Jesus trennt uns." Das ist der Unterschied: Für uns Christinnen und Christen ist Jesus der Sohn Gottes, der Messias.

Ja, in den Evangelien steht geschrieben, dass Jesus am Kreuz gestorben ist. Das ist der Glaube von uns als Kirche. Auch, dass Jesus an Ostern auferstanden ist. Dieser Glaube teilen Muslime und Jüdinnen und Juden mit uns nicht.

Wie meinten das die Muslime, die mit Ihnen sprachen, dass Jesus wie ein Muslim gebetet hat?

Von fünf Tagesgebeten wissen wir bei ihm nichts. Auch nicht, ob er dazu kniete, wie es heute Muslime tun. Ganz sicher betete er aber nicht in Richtung Mekka. Was wir auch wissen, ist,  dass Jesus oft gebetet hat und dass er Gott Abba nannte (Vater). Und er gab uns ein großes Gebet, das kennen Sie: "Vater Unser im Himmel, geheiligt werde dein Name..." .

Vielleicht fühlen sich darin Ihre muslimischen Freunde mit Jesus verbunden, weil er betete und mit Gott sprach?

Ja, Mekka und Jerusalem sind nicht so weit voneinander entfernt, wie Jerusalem und Berlin. Das ist wohl wahr. Die Quellen unserer Heiligen Schriften sind nicht in Mitteleuropa.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihre Sabine Löw

Kommentare

Dass Jesus am Kreuz gestorben ist, dies ist doch mit Zahlen belegt. Die Zahlen sind zwar sehr ungenau, aber es gibt sie. Im Anhang meiner Lutherbibel befinden sich Zeittafeln mit vielen Zahlen, woraus das hervorgeht.

Eine zusätzliche Stütze des Glaubens kann auch ein Besuch der Grabeskirche in Jerusalem sein. Die Paganisierung der Kreuzigungsstädte durch die Römer und die lange Tradition, die mit diesem Ort verbunden ist, sind ein Hinweis auf die Historizität der Kreuzigung, die selbst solche Menschen gelten lassen, die zwar nicht an Christus glauben, jedoch rationalen Argumenten noch zugänglich sind. Und gerade wenn es um Zahlen geht unternehmen die Evangelisten einiges, um Ort und Zeit des Wirkens Jesu festzuhalten. Wohl ein sehr wesentlicher Unterschied zu islamischen Schriften. Die Frage der Historizität und das Jahr der Kreuzigung ist wie ich finde auch eine Frage der Glaubwürdigkeit der Kirchen. Wir bereiten uns jetzt seit Jahren auf das Reformationsjubiläum vor. Werden wir 2000 Jahre Christentum auch feiern und wie? Denn dieses Jubiliäum ist doch erstens viel wichtiger und zweitens eint es alle Christen.

Mattäus 26:39

Und ging hin ein wenig, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch von mir; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!

Fiel zu Angesicht und betete. Wie ihr wisst beten die Muslime genau so.

Es ist nichts Ungewöhnliches, sich beim Beten vor Gott bis auf die Erde zu verneigen. Das gibt es in vielen Religionen. Auch im Christentum gibt es die sogenannte "Prostratio", bei der sich der Beter ganz vor Gott auf dem Boden austreckt. Hier ein Link zu weiteren Gebetshaltungen, wie sie der Mönch und Ordensgründer Dominikus praktizierte.
 

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