Eucharistiefeier

gestellt von Susanne am 20. Juni 2012

Bei katholischen Fernsehgottesdiensten fällt mir immer wieder auf, dass die Gemeindemitglieder bei der Eucharistiefeier nur das Brot (die Hostie) empfangen, nicht aber den Kelch. Warum? Hat dies etwas mit der Wandlung zu tun, in der das Brot (die Hostie) zum Leib Christi und der Wein zum Blut Christi werden? Jesus ist das Opferlamm, das sein Blut für unsere Sünden vergossen hat. Spielt darum hier das Verbot von Blutgenuss aus dem 3. Buch Mose eine Rolle?

Quote:

Und wer vom Haus Israel oder von den Fremdlingen unter euch irgendwelches Blut ißt, gegen den will ich mein Antlitz kehren und will ihn aus seinem Volk ausrotten. Denn des Leibes Leben ist im Blut, und ich habe es euch für den Altar gegeben, daß ihr damit entsühnt werdet. Denn das Blut ist die Entsühnung, weil das Leben in ihm ist. Darum habe ich den Israeliten gesagt:

Keiner unter euch soll Blut essen, auch kein Fremdling, der unter euch wohnt. 3. Mose 17,10-12

Liebe Susanne,

die sogenannte „Kelchkommunion“, also das Reichen des Kelches zur Eucharistie, wurde im Laufe der Geschichte der römisch-katholischen Kirche unterschiedlich gehandhabt. Sie haben Recht mit Ihrer Vermutung, dass das mit der Wandlung zu tun hat, denn nach römischem Verständnis verwandelt sich der Wein tatsächlich in das Blut Christi. Das führte zum einen zu einer Scheu, den Wein zu trinken, zum anderen muss man mit dem gewandelten Wein besonders vorsichtig umgehen, denn es ist ja nun das Blut des Herren. Es darf nichts verschüttet werden, weggegossen oder ähnlich entweiht.

Im Mittelalter wurde das Trinken aus dem Kelch zu einem sehr sichtbaren Privileg der Priester. Dagegen begehrten im beginnenden 15. Jahrhundert zum Beispiel die Hussiten auf, die forderten, auch für die Laien müsse es die Kommunion „in beiderlei Gestalt“, also aus Brot und Kelch geben. Das wiederum führte dazu, dass die katholische Kirche auf dem Konzil von Konstanz 1415 ein offizielles Kelchverbot für Laien erließ. Die Reformation machte wiederum das Recht aller Gläubigen auf den Kelch zu ihrem Anliegen.

Heute ist die Kelchkommunion in der römisch-katholischen Kirche wieder erlaubt und wird auch empfohlen. Allerdings gibt es weiterhin beide Formen der Eucharistie.

Mit dem Text aus dem 3. Buch Mose, den Sie zitieren, hat die Frage nach der Kelchkommunion allerdings nichts zu tun, da die Christinnen und Christen sich nicht an die Speisevorschriften halten, die das Alte Testament dem Volk Israel vorschreibt.

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

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