Prälaturen in Württemberg und Demografischer Wandel

gestellt von Gast am 12. Februar 2012

Regionalbischof verkündigt sinkende Geburtenzahlen

Bei uns im schwäbischen Württemberg wird ein Regionalbischof eingesetzt. Der Regionalbischof heißt Harald Stumpf. Er nennt sich auch Prälat. Sein Regierungsbezirk nennt sich Prälatur. Ich selber wohne in einem sogenannten Kirchenbezirk, gleich ein paar Kilometer in der Nähe. Ist nun Prälatur und Kirchenbezirk das gleiche?

Ein Prälat ist meines Wissens ein kirchlicher Amtsträger der katholischen Kirche, gemäß dem katholischen Kirchenrecht. Ist das evangelische Kirchenrecht identisch? Ökumenisch?

Was wird aus unserem Landesbischof July, wenn nun jede Region einen eigenen Bischof erhält? Wird er abgesägt?

Als große Herausforderung sieht der Regionalbischof Harald Stumpf die demographische Entwicklung in Deutschland. Drastische, sinkende Geburtenzahlen führten auf lange Sicht auch zu weniger Kirchenmitgliedern. Darauf müsse die Kirche reagieren, indem sie ihre Strukturen anpasse.
Bischof Stumpf, 1958 in Meckenbeuren im Bodenseekreis geboren, ist verheiratet und Vater von vier Kindern.
Also, mal ehrlich! Von sinkenden Geburtenzahlen kann beim Regionalbischof nun grade nicht gesprochen werden. Auch in meinem eigenen Umfeld sind Familien mit mehreren Kindern. Die wenigsten Familien haben lediglich
1,5 Kinder. Selbst meine eigenen 4 erwachsenen Kinder möchten auf jeden Fall mehrere Kindern bekommen.

Auch wird innerhalb Baden-Württembergs eine Kinderkrippe nach der anderen gebaut und eröffnet und ein Kindergarten nach dem anderen vergrößert. Irgendwas kann mit dieser demographischen Statistik nicht stimmen!

Beabsichtigt die Landeskirche lediglich Strukturveränderungen und begründet dies mit fehlendem Nachwuchs?
Oder geht es mit der Bevölkerung innerhalb Deutschlands tatsächlich dem Ende zu? Wann genau, werden die Württemberger aussterben? Gibt es bereits Zahlen, vielleicht eine Hochrechnung?

Meine Fragen sind ernst gemeint! 

Lieber Gast,

Harald Stumpf wird heute, am 12. Februar, in sein Amt als Prälat der Prälatur Heilbronn eingeführt. Die Württembergische Landeskirche hat vier Prälaturen. Hier die Struktur und die Aufgaben des Prälaten im Einzelnen:

elk-wue.de wrote:

Die Landeskirche hat vier Prälaturen

In jeder Prälatur gibt es einen Vertreter des Landesbischofs

Die Landeskirche ist in vier Prälaturen, auch Sprengel genannt, unterteilt. Ein Sprengel wird von einer Prälatin oder einem Prälaten geleitet. Sie kümmern sich um die Dekaninnen und Dekane sowie die Pfarrerinnen und Pfarrer.
Die vier Prälaturen Heilbronn, Reutlingen, Stuttgart und Ulm sind die Dienstbereiche der Prälatin und des Prälaten, jeweils bezeichnet durch den Dienstsitz.

Die Aufgabe der Prälatin oder des Prälaten besteht in der Visitation der Dekanatämter und Kirchenbezirke, der Seelsorge unter den Pfarrerinnen und Pfarrern und der Mitwirkung bei der Wiederbesetzung der Gemeindepfarrstellen. Sie nehmen mit Stimmrecht an den Sitzungen des Kollegiums des Oberkirchenrats. (Quelle: Seiten der Evagelischen Landeskirche in Württemberg. Link: http://www.elk-wue.de/landeskirche/praelaturen/)

Folgendes ist in Bezug auf Ihre Fragen also festzuhalten:

  • Eine Prälatur (oder Sprengel ist nicht das gleiche wie ein Kirchenbezirk, sondern eine Prälatur teilt sich in mehrere Kirchenbezirke auf.
  • Prälaten gibt es auch in der katholischen Kirche (so wie eben auch Bischöfe und Pfarrer). Deswegen ist das Kirchenrecht dennoch ein anderes.
  • Landesbischof July erhält keine Konkurrenz, sondern einen neuen Vertreter. Die Prälaturen gibt es schon lange, und die Prälaten sind „nur“ Regionalbischöfe. Ihr Bereich ist eben nicht die ganze Landeskirche, sonder ihr Sprengel (ihre Prälatur).

Was Ihre Frage zur demografischen Entwicklung in Baden-Württemberg angeht, so haben Sie insofern Recht, als dass die Bevölkerung Ihres Land – anders als im Bundesdurchschnitt – wächst. Der sogenannte demografische Wandel meint jedoch nicht, dass eine Bevölkerung vom Aussterben bedroht ist, sondern es geht darum, dass im laufe der nächsten Jahrzehnte der Anteil der älteren Bevölkerung im Vergleich zur jüngeren drastisch ansteigen wird. Das wird auch in Ihrem Bundesland geschehen. Hier eine entsprechende Statistik:

Quote:

2.1 Gesamtbevölkerung und deren
Altersstruktur
Die Bevölkerungsentwicklung ist in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahrzehnten dynamischer verlaufen als in den meisten anderen Regionen Deutschlands. Seit der Gründung des Landes im Jahre 1952 hat sich die Einwohnerzahl um gut vier Millionen oder knapp zwei Drittel erhöht, sodass heute rund 10,75 Millionen Menschen im Südwesten leben. Baden-Württemberg hatte damit den mit Abstand höchsten Bevölkerungszuwachs aller Bundesländer. Hessen und Bayern folgen mit einem Plus von 40 % bzw. 38 %.

Der jüngsten Bevölkerungsvorausrechnung des Statistischen Landesamtes für Baden-Württemberg liegen folgende Annahmen zugrunde:

  •  Die Geburtenrate bleibt mit etwa 135 Kindern je 100 Frauen in Zukunft so niedrig wie sie heute ist.
  •  Die Lebenserwartung steigt ähnlich an wie in den letzten 30 Jahren, sodass diese im Jahr 2050 bei etwa 84 Jahre für Männer und etwas über 88 Jahre für Frauen liegen könnte; dies wären bei den Männern rund sechs Jahre mehr als heute, bei den Frauen immerhin gut fünf Jahre mehr.
  • Der Zuwanderungsgewinn bis 2050 liegt bei 17 000 Menschen pro Jahr.

Unter diesen Bedingungen würde die Einwohnerzahl des Landes bis 2011 noch leicht auf rund 10,77 Millionen Menschen ansteigen, danach jedoch zurückgehen. Im Jahr 2050 hätte das Land dann nur noch knapp 9,7 Millionen Einwohner, also eine Million weniger als heute und damit ebenso viele wie 1990. Diese rückläufige Entwicklung ergibt sich daraus, dass künftig aller Voraussicht nach aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung Jahr für Jahr mehr Menschen sterben als Kinder geboren werden und die angenommenen Wanderungsgewinne nur noch kurze Zeit das Minus in der Bilanz aus Geburten und Sterbefällen ausgleichen können.

Die entscheidende Aussage betrifft nicht so sehr die Bevölkerungszahl insgesamt, sondern die gravierenden Verschiebungen im Altersaufbau. Zwar wird aller Voraussicht nach der Südwesten auch weiterhin – nicht zuletzt aufgrund seiner wohl auch künftig relativ günstigen Arbeitsmarktsituation – eine für Zuwanderungen attraktive Region bleiben, sodass deshalb erst ab dem Jahr 2012 mit einem zunächst moderaten Bevölkerungsrückgang zu rechnen sein wird. Dennoch wird der Südwesten sicherlich einen ähnlichen Alterungsprozess erleben, wie viele andere westdeutsche Regionen auch.

Ende 2000 gab es in Baden-Württemberg die historische Zäsur, dass hier erstmals mehr ältere Menschen lebten als unter 20-Jährige. Bereits heute liegt der Anteil der unter 20-Jährigen nur noch bei 21 %, der Anteil des Erwerbspersonenpotenzials, das heißt der Bevölkerung im Alter von 20 bis unter 60 Jahren, bei 55 % und der Anteil der 60-Jährigen und Älteren bei 24 %. Bis 2050 würde der Bevölkerungsanteil der unter 20-Jährigen auf 15 % sinken, der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter auf 47 % zurückgehen und der Anteil der 60 Jahre und älteren auf 39 % ansteigen. Darunter befände sich ein Anteil von 7 % an Hochbetagten, d.h. Menschen im Alter
von 85 und mehr Jahren. 40 % dieser Menschen sind heute pflegebedürftig. Wir erleben einen Alterungsprozess nicht etwa nur deshalb, weil die Zahl der älteren Menschen so stark zunehmen wird, sondern weil uns die Kinder fehlen.

(Aus: Der demografische Wandel in Baden-Württemberg - Herausforderungen und Chancen. Hg. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg. Hier der Link zu der gesamten Statistik im PDF-Format: http://www.statistik-bw.de/Veroeffentl/803309005.pdf)

Mit freundlichen Grüßen
Frank Muchlinsky

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