Martin Luther und der Reformationstag

gestellt von Gast am 9. November 2011

Am Reformationstag war ich in der "Churchnight" einer Nachbargemeinde. Ein großes Martin Luther Bild wurde an den Kirchturm projeziert. Umso erstaunter war ich dann, dass die Besonderheit dieses Tages mit keinem Wort erwähnt wurde. Das Thema des Reformationstages ist weniger das Gedächtnis des Thesenanschlags als vielmehr "die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders allein durch den Glauben", die für Luther Auslöser und Kern der Reformationsbewegung war.

Meine Frage lautet: Kann auf die Kernaussage des Reformationstages in der evangelischen Kirche verzichtet werden?

Die zweite Frage lautet: In den angrenzenden ev. Kirchengemeinden wurde Gottesdienst zum Reformationsfest gefeiert und eine Reformationsfeier. Ist nun das Reformationsfest inhaltlich das gleiche wie das Reformationsfest und die Churchnight am Reformationstag?

Dritte Frage: Eine Bekannte hatte mir erzählt, dass sie am 31. Oktober einen Gottesdienst besucht hatte, da wurde "Martin Luther" mit keinem Wort erwähnt. Gehört dieser Etikettenschwindel zur Freiheit eines Christenmenschen?

Lieber Gast,
Sie stellen drei Fragen zum Reformationstag und zu Martin Luther. Ich habe allerdings den Eindruck, dass diese zum Teil auch nur rhetorische Fragen sind. Erlauben Sie mir daher diese Antworten bzw. Anmerkungen:
 
1. Was ist die Kernaussage der Reformation? Theologisch spricht man von der Rechtfertigungslehre bzw. der Rechtfertigung des Gottlosen. Diese wird häufig auch mit den reformatorischen Exklusivpartikeln Solus Christus (allein Christus), sola gratia (allein aus Gnaden) und sola fide (allein durch den Glauben) erläutert. So verstanden geht es bei der Kernaussage der Reformation um das Evangelium von Jesus Christus. Das Evangelium soll aber nicht nur am Reformatiuonstag, sondern in jedem Gottesdienst verkündigt und gepredigt werden.
 
2. "Churchnight" ist ein Veranstaltungskonzept des Evangelisches Jugendwerks in Württemberg für den Reformationstag.

Churchnight wrote:

ChurchNight übersetzt Luthers Reformthesen seit 2006 „hell.wach.evangelisch.“ in die heutige Zeit. Am 31.10. soll die Wiederentdeckung der biblischen Botschaft gefeiert werden. Was Luther vor fast 500 Jahren elektrisierte, berührt Menschen auch heute. Ob Jugendgottesdienst mit Thesenanschlag oder eine reformatorische Kürbiskochshow – bei einer ChurchNight verbindet sich Fantasie mit einem elementaren Glaubenszeugnis. Ein Thema steht jeweils im Mittelpunkt der jährlichen Kampagne. Dazu passend werden Ideen und Aktionen entwickelt, die in der Regel kostenlos zur Verfügung stehen. Die ChurchNight-Kampagne selbst versteht sich als ein Veranstaltungsnetzwerk. Veranstalter profitieren von den Erfahrungen anderer, sind Teil einer gemeinsamen Bewegung und werden vom ChurchNight-Büro bei der Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung unterstützt.
 
Quelle: http://www.churchnight.de/selbermachen/was-ist-churchnight/ziele/
 

Die Churchnight ist - so verstehe ich es - eine Möglichkeit, den Reformationstag zu feiern, der Schwerrpunkt liegt dabei auf einer jugendgemäßen Gestaltung.
 
3. Bei dieser Frage werten Sie stark. Am Reformationstag geht es vor allem um die Verkündigung des Evangeliums, nicht um die Gedenkfeier eines Menschenn. Martin Luther selbst hatte ein lässiges Verhältnis zur Erwähung seines Namens, wie dieses Zitat zeigt:
 

MartinLuther wrote:

Wie käme denn ich armer stinkender Madensack dazu, dass man die Kinder Christi mit meinem heillosen Namen nennen sollte?

 
Persönlich finde ich es schwierig, in Deutschland am Reformationstag Martin Luther nicht zu erwähnen. Allerdings gebe ich zu, dass es in anderen Ländern Reformatoren gegeben hat, die für die dortige Kirchengeschichte wichtiger waren als Martin Luther und der Thesenanschlag, so z.B. in der Schweiz das Zürcher Wurstessen und die Reformatoren Zwingli und Calvin.
 
Ralf Peter Reimann
- für evangelisch.de -

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Kommentare

MartinLuther wrote: Wie käme denn ich armer stinkender Madensack dazu, dass man die Kinder Christi mit meinem heillosen Namen nennen sollte?

Leider gibt es viel zu viele Oberhirten, die das nicht so sehen wie Martin Luther.

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