Woran glaubt man, wenn man nichts glaubt?

gestellt von Gast am 8. November 2011

Hallooo! Vor einiger Zeit hatten wir eine Diskussion. Anwesend waren ein Moslem, eine Christin, und zwei Jugendliche ohne Bekenntnis. Die Jugendliche hatte gesagt, dass Sie weder an Gott glaubt noch wissenschaftsgläubig ist. Auch der Ethikunterricht in der Schule spricht sie nicht an. Sie glaubt auch nicht an sich selber oder an sonstige Autoritätspersonen. Gibt es für diese Konstellation bereits eine Bezeichnung?
 

Lieber Gast,

als ich Ihre Beschreibung las, war meine spontane Antwort auf Ihre Frage: Ja, dafür gibt es eine Bezeichnung: Pubertät. Heranwachsende stellen Autoritäten in Frage, seien dies die Wissenschaft, die Eltern, die gesellschaftlichen Werte oder Gott.

Ich will der Jugendlichen, die Sie beschreiben, aber nicht unterstellen, sie würde lediglich ihrem Alter gemäß denken. Sicherlich hat sie sich viele Gedanken gemacht und ist durchaus ernst zu nehmen in ihrer Ablehnung aller Autorität. Wollte man solch eine Haltung mit einem Wort beschreiben, so fiele mir am ehesten „Zynismus“ ein. Das wiederum ist ein ausgesprochen harter Ausdruck. Ein Zyniker will verletzen. Das möchte ich der Jugendlichen nicht unterstellen.

Um noch auf die Frage in der Überschrift Ihres Beitrages einzugehen „Woran glaubt man, wenn man nichts glaubt?“: Hier Martin Luthers Auslegung zum ersten Gebot aus seinem Großen Katechismus:

Luther wrote:

Das erste Gebot
Du sollst nicht andere Götter haben
Das ist: du sollst mich allein für deinen Gott halten. Was ist das gesagt, und wie versteht mans? Was heißt, einen Gott haben, oder was ist Gott? Antwort: ein Gott heißt das, dazu man sich versehen soll alles Guten und Zuflucht haben in allen Nöten; also dass einen Gott haben nichts anders ist, denn ihm von Herzen trauen und glauben; wie ich oft gesagt habe, dass allein das Trauen und Glauben des Herzens beide macht, Gott und Abgott. Ist der Glaube und Vertrauen recht, so ist auch dein Gott recht; und wiederum, wo das Vertrauen falsch und unrecht ist., da ist auch der rechte Gott nicht. Denn die zwei gehören zu Haufe, Glaube und Gott. Worauf du nun (sage ich) dein Herz hängst und verlässest, das ist eigentlich dein Gott.

Ganzer Text hier: http://www.ekd.de/bekenntnisse/grosser_katechismus_1.html

Ob es wohl irgendetwas bei der Jugendlichen gibt, worauf sie „ihr Herz hängt“ und „sich verlässet“?

Herzliche Grüße
Frank Muchlinsky

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