Gemälde in der Kirche

gestellt von Gast am 2. Oktober 2011

Guten Morgen,

in einer Kirche habe ich Ölgemälde von einem malenden Pfarrer gesehen. Dieser sagt von sich selber, dass er ein Auftragsmaler sei. Dabei sei der Fantasie für das in Auftrag gegebene Gemälde keine Grenzen gesetzt. Jetzt hängen in der Kirche biblische Ölgemälde, jedoch sind nicht nur Adam und Eva oder Jesus zu sehen, sondern auch Inhalte aus der Nazi-Zeit samt KZ-Häftlingen auf ihrem Todesmarsch durch die Dörfer und Stacheldrahtzaun.... Vermischung von biblischen Inhalten mit der neueren deutschen Geschichte.

Sind in der Kirche derartige Fantasie Ölgemälde zulässig? Bislang dachte ich immer, dass dieser Ort nur dem dreieinigen Gott gehört. Soweit ich weiß, gibt es doch genügend Mahnorte und Gedenkorte für die Opfer aus der Nazi-Zeit.
 

Lieber Gast,
 
in der darstellenden Kunst ist die Verknüpfung biblischer Szenen mit Szenen aus der Gegenwart (oder der jüngeren Vergangenheit) eine uralte Tradition. Sie sind Interpretationen der biblischen Inhalte. Seien es Miniaturenmalereien an mittelalterlichen Bibelhandschriften, seien es Ölgemälde mit Bezügen auf die Nazizeit – immer geht es darum, wie in einer Predigt, deutlich zu machen, dass die Bibel nicht einfach ein heiliges, altes Buch ist, sondern ein Buch, dass mit unserem heutigen Leben zu tun hat.
 
Die Darstellungen, die Sie beschreiben, nehmen die Kirche nicht etwas Gott weg. Auch verwandelt sie die Kirche nicht in einen Gedenkort für die Opfer der Nazizeit. Vielmehr wollen Sie eine Interpretation des Wortes Gottes sein. Wie in einer Predigt muss man dieser Interpretation nicht zustimmen; man kann anderer Meinung sein. Man darf sich sogar darüber ärgern. Aber „zulässig“ sind solche Interpretationen allemal. Sie sind sogar gewünscht.
 
Mit freundlichen Grüßen
Frank Muchlinsky

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