Scheidung und erneute Heirat

gestellt von Paulinchen am 15. Juli 2011

Hallo,

ich bin seit 2 Jahren nach einer wirklich schrecklichen Ehe geschieden und habe nun einen neuen Mann in meinem Leben, welcher ebenfalls geschieden ist.

Nun steht in der Bibel :

Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seinem Weibe und freit eine andere, der bricht die Ehe an ihr; (Lukas 16.18) (1. Korinther 7.10-11) 12 und so sich ein Weib scheidet von ihrem Manne und freit einen anderen, die bricht ihre Ehe.

Verlangt Gott also wirklich, dass man (frau) entweder lebenslänglich in einer unglücklichen Ehe steckenbleibt, oder wenn man das nicht will, so doch den Rest des Lebens alleine verbringen muss ?

Und wie ist es, wenn man erst nach der Scheidung zu Gott gefunden hat (wie ich z.B.) ? Gilt das nicht als Neuanfang eines Wiedergeborenen und kann ich nicht quasi bei Null anfangen ? Wie muss ich das verstehen ?

Liebe "Paulinchen",

das evangelische Verständnis der Ehe sagt, dass die Ehe zwar ein Bund fürs Leben ist, allerdings nicht unter allen Umständen erhalten werden muss. Schon sehr früh machten sich ChristInnen Gedanken über die Unauflöslichkeit der Ehe. Das sieht man zum Beispiel in der Parallelstelle des Matthäus zu dem Lukastext, den Sie zitieren. Bei Mt 5,32 steht bereits eine Ausnahme: "Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, der macht, daß sie die Ehe bricht; und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe."

Die Ehe ist in Deutschland seit langer Zeit keine kirchenrechtliche, sondern vielmehr eine zivilrechtliche Angelegenheit, ein "weltlich Ding", wie Luther sagt. Die katholische Kirche versteht die Ehe weiterhin als ein unauflösliches Sakrament, doch die evangelische Kirche sagt: Wenn der Staat Ehen schließt, kann er sie auch scheiden. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) schreibt dazu:

 

EKD wrote:

"Die Scheidung einer Ehe ist ein Notbehelf, ein letzter Ausweg, wenn die Gemeinsamkeit zwischen zwei Menschen unbehebbar zerstört ist. Sie ist in einem solchen Falle auch nach christlichem Verständnis zu akzeptieren, weil kein Mensch auf sein Versagen und Verschulden festzulegen ist, jede und jeder eine Chance zu einem neuen Anfang haben soll. Vielleicht ist der Entschluß zur Auflösung einer Ehe ein notwendiger Schritt aus Selbstachtung. Und zu dieser Selbstachtung gehört auch die Annahme des Scheiterns. Die Aufrechterhaltung eines sinnentleerten Zwanges, einer bloßen Fassade kann nicht im Sinne eines evangelischen Eheverständnisses liegen."
(Gottes Gabe und persönliche Verantwortung. Zur ethischen Orientierung für das Zusammenleben in Ehe und Familie 1997. Den gesamten Text finden Sie hier.)

Sie schreiben, dass Ihre Ehe "schrecklich" war. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott will, dass wir in einer Ehe steckenbleiben müssen, die uns Leid zufügt. Rechtlich ist Ihre Ehe geschieden. Nun bleibt aber noch Ihre Gewissensfrage. Sie haben Recht: Es gibt Bibelstellen, die sind eindeutig gegen eine neue Ehe. Es gibt ebenso gute Gründe, darauf zu vetrauen, dass Gott uns immer wieder die Chance zum Neuanfang schenken will.

Die Tatsache, dass Sie, wie Sie schreiben, "erst nach der Scheidung zu Gott gefunden" haben, spielt dabei nach meiner Meinung keine Rolle. Die Chance zum Neuanfang gilt allen.

Mit freundlichen Grüßen,

Frank Muchlinsky

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