Gewissensfrage: Kircheneintritt ohne zu glauben?

gestellt von Gast am 8. Juli 2011

Vor einigen Jahren bin ich (hauptsächlich aus finanziellen Gründen) aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Persönlich halte ich die christlichen Werte für wichtig, glaube aber nicht wirklich an einen persönlichen Gott. Jesus ist für mich eher ein guter Mensch, der uns ein Vorbild ist. Ich habe nun einen Job angeboten bekommen. Dafür muss ich aber in der Kirche sein. Darf ich offen sagen, dass ich Zweifel an einem persönlichen Gott habe, wenn ich eintreten will? Kann ich eintreten, wenn ich an der Kirche nur die Werte gut finde? Oder muss ich konsequenterweise auf den Job verzichten, um ehrlich zu bleiben? Über eine schnelle Antwort würde ich mich freuen, da ich mich schnell entscheiden muss.

Lieber Gast,
das ist in der Tat eine Gewissensfrage, die Sie da stellen. Und wie das bei Gewissenfragen so ist, entscheiden letztlich Sie selbst darüber, was Sie tun. Ich kann Ihnen aber Folgendes sagen: Die Kirche versteht sich als die Gemeinschaft der Menschen, die an den Gott glauben, der sich in der Bibel und in Jesus Christus offenbart hat. In diese Gemeinschaft wird man durch die Taufe aufgenommen. Als Sie also getauft wurden, wurden Sie Mitglied der Gemeinschaft. Als Sie austraten, haben Sie "offiziell" gesagt, dass Sie dieser Glaubensgemeinschaft nicht mehr angehören möchten.
Die christlichen Werte, die Sie ansprechen, gründen sich auf den Glauben. Man kann sie für gut und richtig halten, doch bedenken Sie: ein solcher Wert ist zum Beispiel auch, Gott zu lieben.
Nun ist die Kirche aber nicht nur diese Glaubensgemeinschaft, sondern sie ist auch eine Organisation, eine Arbeitgeberin. Wer in dieser Organisation mitarbeiten will, muss Mitglied sein. Das haben Sie ja schon erfahren. Wichtig ist für Sie nun vielleicht das Folgende: Eine "Gewissensprüfung" gibt es nicht, wenn Sie wieder in die Kirche eintreten wollen. Sie sind ja getauft, und das gilt ein Leben lang. Und: Natürlich dürfen Sie zweifeln. Der Zweifel gehört zum Glauben dazu!
Damit sind wir wieder bei Ihnen und Ihrem Gewissen: Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie sich selbst und der Kirche etwas vormachen, wenn Sie wieder eintreten, dann sollten Sie es sich überlegen, ob das der richtige Schritt ist. Wenn Sie meinen, dass Sie durchaus offen sind dafür, in einer Gemeinschaft zu arbeiten, für die der Glaube eine wichtige Sache ist, können Sie den Schritt tun.
Ich hoffe, ich konnte hnen helfen, auch wenn ich - nun ja, das ist eben gut evangelisch - Sie wieder auf Ihr Gewissen zurückverweise.
Herzlich,

Frank Muchlinsky.

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