Work-Life-Balance

gestellt von Gästin am 18. Oktober 2012

Ist das nun in kirchlichen Einrichtungen eine neue individuelle Zielsetzung? Bei unserer Personalversammlung wurde mit diesem englischen Begriff die Versammlung eröffnet. Will Kirche neue amerikanische Schwerpunkte setzen? Angeblich will ein großer Teil der Erwerbstätigen viel Zeit mit den eigenen Kindern verbringen anstatt zu nachtschlafender Zeit um 6.45 Uhr den kirchlichen Dienst anzutreten. Angeblich haben viele sich die Aufgabe gestellt, pflegebedürftige Angehörige zu betreuen und zu pflegen. Für andere Personen steht etwa der Ausgleich zum Beruf durch Freizeit und Sport im Vordergrund, oder der Einsatz im sozialen, kulturellen oder politischen Bereich.

 

Soll der Slogan "Work-life-Balance" darauf hinweisen, dass es nun die Möglichkeit für eine Sabbaticalzeit gibt, also eine längere berufliche Auszeit? Oder will man die kirchlichen Mitarbeiter ermuntern eine Arbeitszeitverringerung zu Ende des Berufslebens anzustreben? Oder soll sich der Mitarbeiter mehr Zeit für die eigene Pflege der Gesundheit gönnen und einfach mal sagen "Ich bin dann mal weg“? Was passiert, wenn man dann irgendwann mal wiederkommt und der Arbeitsplatz ist weg? Dann wurde noch auf die World Health organization hingewiesen und auf den legendären Satz: Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity. Hauptfrage: Ist die Kirche auf dem Gesundheitstrip? Oder geht`s nur darum, wie man zu Lasten des Mitarbeiters sparen kann?

Liebe Gästin,

 

lassen Sie mich mit einem anderen (Werbe-)Slogan beginnen: „Wer hat’s erfunden?“ Nein, in diesem Fall nicht die Schweizer, sondern Gott höchstpersönlich und seine Kirche im Gefolge: Die „Work-Life-Balance“! Nehmen wir uns dieses englische Wortdings einmal vor uns übersetzen es wörtlich. Dann kommt so etwas heraus wie „Arbeit-Leben-Gleichgewicht“. Etwas freier (und ein wenig schöner) formuliert: Gleichgewicht von Arbeit und Leben.

 

Die Welt war laut des biblischen Schöpfungsberichts kaum fertig, der Mensch noch frisch und eigentlich vollständig arbeitsfähig, als Gott auch schon sagte: „Vorsicht! Arbeitet Euch nicht tot!“ Und er schuf den Sabbat, den einen Tag in der Woche, an dem selbst Gott es sich gönnte, mal auszuruhen. So ist die Welt gemeint: Arbeit tut Not – aber sie ist nicht das ganze Leben.

 

Was ich an der „Work-life-Balance“ nicht mag, ist, dass sie so tut, als wären Arbeit und Leben Gegensätze, die man gegeneinander aufwiegen könnte. Wer so arbeitet, dass er sich dabei nicht lebendig fühlt, ist sehr zu bedauern. Vielmehr gehört die Arbeit, wie erwähnt, in das Leben hinein. Was ich aber mag an diesem Begriff, ist dass er knackig und englisch genug ist, dass viele Leute ins Nachdenken darüber kommen können, in wiefern ihr Leben zu sehr von der Arbeit bestimmt ist.

 

Ob die Antwort sein muss, dass man ein „Sabbatical“ nimmt (meistens übrigens mit der Garantie, dass man dabei seinen Job behält), oder dass man morgens mit seinen Kindern frühstücken will, weiß ich nicht. Die Antwort der EKD ist die Kampagne für einen freien Sonntag.

 

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

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