Abendmahl empfangen "zum Gericht"?

gestellt von Simon Jakob am 12. April 2013

Guten Tag, Herr Pastor Muchlinsky,

 

ich beschäftige mich mit dem Abendmahl, den verschiedenen Formen in den unterschiedlichen Konfessionen und deren vielfältigen und interessanten Interpretationen des Abendmahls und seiner Bedeutung.

Nun stoße ich immer wieder auf eine Stelle in der Leuenberger Konkordie, die mich ein wenig ratlos macht. Dort heißt es:

 

"Im Abendmahl schenkt sich der auferstandene Jesus Christus in seinem für alle dahingegebenen Leib und Blut durch sein verheißendes Wort mit Brot und Wein. So gibt er sich selbst vorbehaltlos allen, die Brot und Wein empfangen; der Glaube empfängt das Mahl zum Heil, der Unglaube zum Gericht." Ich frage mich nun immer wieder, was man sich denn unter "...der Unglaube zum Gericht" vorzustellen hat, weckt dies doch bei mir oft die Befürchtung, man müsse, um guten Gewissens am Abendmahl teilnehmen zu können, besonders gestärkt im Glauben oder sonstwie spirituell sehr vorbereitet sein. (Was dann andererseits mit dem Wort "vorbehaltlos" für mich nicht unter einen Hut zu bringen wäre.)

 

Wie würden Sie dies Stelle bewerten? Bedarf es zum Empfang des Abendmahles einer bestimmten Haltung, einer bestimmten Lebensart, oder genügt nicht vielmehr die Hoffnung, durch das Abendmahl in Glaube und Zuversicht gestärkt zu werden durch das göttliche Erbarmen?

 

Ich danke Ihnen bereits jetzt und sende beste Grüße an Sie aus dem Süden

Simon Jakob

Lieber Herr Jakob,

 

Die Idee hinter der Formulierung, die Sie zitieren, ist folgende: Das Abendmahl bildet die körperliche Teilhabe an der Vergebung ab und drückt sie aus. Man muss sich also seiner Vergebungsbedürftigkeit bewusst sein und die Vergebung eigentlich auch schon erfahren haben. Darum gehört vor das Abendmahl nach lutherischem Verständnis eigentlich ein Sündenbekenntnis.

Wenn man also nicht glaubt, dass man die Vergebung braucht, dann bleibt die Vergenung im Abendmahl eben auch aus. Das ist damit gemeint, wenn es heißt, "Der Unglaube empfängt (das Mahl) zum Gericht." Man wird nicht bestraft, aber die Erlösung findet eben auch nicht statt, wenn man das Abendmahl sozusagen "mal eben so" zu sich nimmt. Nun gibt es die Beichte aber nicht mehr regelhaft. Was es für den erwachsenen Christen braucht, ist dass er weiß, dass er die Sündenvergebung braucht.

 

Um konkret auf Ihre Frage zu antworten: Ja, es braucht in der Tat eine gewisse Grundhaltung beim Empfang des Abendmahls, und diejenige, die Sie beschreiben ("Genügt nicht vielmehr die Hoffnung, durch das Abendmahl in Glaube und Zuversicht gestärkt zu werden durch das göttliche Erbarmen?"), ist meines Erachtens genau die Haltung, die damit gemeint ist: Ich soll mich auf das göttliche Erbarmen verlassen (man möge ergänzen: "Weil ich es eben nötig habe.")

 

Ich grüße Sie herzlich!

Ihr Frank Muchlinsky

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