Sind die Zeugen Jehovas eine Sekte?

gestellt von Lisa am 28. April 2014

Guten Abend Herr Muchlinsky,

ich suche schon lange nach einer Antwort aber so wirklich find ich keine klaren Aussagen. Meine Frage ist wie die Ansichten/ Positionen der evangelischen und Katholischen Kirche sind zu dem Thema ob die Zeugen Jehovas eine Sekte sind oder nicht? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Liebe Lisa,

 

Die Zeugen Jehovas sind nach der Definition der evangelischen Kirche eine Sekte. Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) definiert eine Sekte folgendermaßen: Sekte ist die Bezeichnung der Kirche bzw. der Mutterreligion für … Abspaltungen, die das eigene Selbstverständnis im dezidierten Gegenüber zu ihr entwickelt haben. Sekten stehen in Lehre und Praxis einer Religion gegenüber, von der sie sich getrennt haben. (Was ist eine Sekte, Kompakt-Infos der EZW)

Das bedeutet: Nur wo es eine Mutterreligion gibt, kann es eine Sekte geben, also eine Gruppierung, die von der Religion abtrennt.

 

Das haben die Zeugen Jehovas deutlich getan. Wären sie eine eigene Kirche – im Gegensatz zur Sekte – würden Sie sich nicht als die einzig legitime christliche Bewegung verstehen. Sie grenzen sich gegenüber den christlichen Kirchen sowohl durch ihre Lehre als auch durch ihre Glaubenspraxis deutlich ab. Wenn Sie gern Näheres erfahren möchten, schauen Sie auch hier gern in die entsprechende Kompaktinfo der EZW.

 

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

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Kommentare

In 2. Timotheus 3:1-5 lesen die Zeugen Jehovas folgenden Text: Nämlich, dass "in den letzten Tagen" kritische Zeiten da sein werden, mit denen man schwer fertig wird. Paulus schildert die Menschen unter anderem wie folgt:

eigenliebig

geldliebend

den Eltern ungehorsam

nicht loyal

ohne natürliche Zuneigung

ohne Selbstbeherrschung

brutal

lieben Vergnügungen mehr als Gott

haben eine Form der Gottergebenheit, erweisen sich aber hinsichtlich deren Kraft als falsch.

Die Zeugen Jehovas verehren weder das Kreuz noch andere christliche Symbole. Jesus wird nicht als der allmächtige Gott anerkannt. Die Lehre der Dreieinigkeit wird abgelehnt.

Eine relativ kleine Anzahl von Menschen, nämlich 144 000, werden nach ihrem Tod im Himmel leben und dort zusammen mit Jesus regieren.

In der Bibel ist schon die Rede von Sekten.
Leider wird es bis heute missbräuchlich verwendet. Die ersten Christen mussten sich auch als Sekte beschimpfen lassen. "Doch gebe ich vor dir dies zu, daß ich gemäß dem Weg, den sie eine ‚Sekte‘ nennen, dem Gott meiner Vorväter in dieser Weise heiligen Dienst darbringe." Also urteilt selbst wer oder was eine Sekte ist.
Aus Sicht der Katholischen Kirche sind die Protestanten eine Sekte wie man 2007 auf WELT nachlesen konnte. Die Frage ist eigentlich vom welchen Standpunkt man eine Sekte ist.

Zeugen Jehovas sind eine Sondergemeinschaft, die sich nicht mit anderen Religionen oder Konfessionen vermischen.

In dieser "Sekte" sind Familienkonflikte vorprogrammiert, insbesondere wenn ein Elternteil oder Kinder die Gruppe verlassen haben oder wollen, dann müssen die Sektenanhänger mit ihren ausgetretenen Angehörigen den Kontakt abbrechen.

Kindern wird der Zugang zu Ausbildung und ärztlicher Versorgung verwehrt und die Menschenrechte werden verletzt durch gruppeninterne gerichtsähnliche Verhandlungen. Zudem wird die Meinungsfreiheit und auch die Bewegungsfreiheit radikal eingeschränkt. Wirtschaftliche Ausbeutung der Mitglieder kommt noch hinzu. Tag und Nacht müssen sie von Tür zu Tür wandern und aus der Bibel vorlesen und Werbung machen, oder sie müssen mitten in der Stadt stumm und stundenlang herumstehen und ihren Wachturm anpreisen. Der Anführer wird verehrt und es entsteht ein Personenkult um diese Figur, ähnlich wie beim Bhagwan.

Eine Religionsgemeinschaft ist für Sie eine Sekte, wenn sie sich als einzig wahren Glauben versteht?
Mal andersherum: Welchen Sinn macht es, einer Religionsgemeinschaft anzugehören, wenn man NICHT davon überzeugt ist, dass sie die richtige ist? Gar keinen!
Eine Religionsgemeinschaft ist nichts, wo man sich mit Gleichgesinnten trifft, einige nette Stunden verlebt und dann wieder nach Hause geht. Da kann man auch irgendeinem Verein beitreten. Wenn man denkt, dass es keine Rolle spielt, welcher Religion man angehört, kann man gleich zu Hause bleiben. Dann spart man sich - bei den Evangelischen der Katholiken - die Kirchensteuer.
Die Aussage einer EVANGELISCHEN Mitschülerin "Evangelisch ist immerhin besser als katholisch" fand ich sehr unbefriedigend. Denn offensichtlich zweifelte sie daran, dass sie die beste Religion gefunden hatte. Ich bin da anspruchsvoller. Ich möchte das Beste suchen, was der Wahrheit am Nächsten kommt und mich nicht mit dem Mittelmaß begnügen. Meine Meinung.
Ich kenne viele Evanglische und Katholiken, die gar an die Lehren ihrer Kirchen glauben. Viele zweifeln sogar, dass es einen Gott gibt.
Religion ist zu einem großen Selbstbedienungsbüffett geworden, von dem sich jeder das aussucht, was ihm gefällt. Alles, was anstrengend wäre oder als einschränkend angesehen wird, wird ignoriert. So kann man sich eine Wohlfühl-Religion zusammenstellen, in der jeder machen kann, was er will, Gott am Ende alles vergibt, und alle nachher in den Himmel kommen. Aber ein Christ ist man nicht nur sonntags oder an Feiertagen, sondern ein ganzes Leben lang, jeden Tag, 24 Stunden.

Des Weiteren: Ausbildung ist sehr wichtig. Fast alle Zeugen Jehovas, die ich kenne, haben eine Ausbildung, viele haben sogar studiert.
Keinem Zeugen Jehovas wird ärztliche Versorgung verwehrt. Nein, sie lehnen nur Bluttransfusionen ab, weil Blut der Bibel gemäß heilig ist und dem Körper in keiner Form zugeführt werden kann. Aber Bluttransfusionen beinhalten auch Risiken und es gibt vernünftige Alternativen dazu.
Es gibt keine Kirchensteuer und wieviel jemand spendet, wird nicht bekannt gemacht.
Es gibt keine Verehrung von "Anführern" oder einen Personenkult.
Verehrt wird nur Gott, und geehrt Jesus als Mittler zwischen Gott und Mensch und als Erlöser der Menschheit.
Niemand wird dazu gezwungen, "Werbung" machen. Das würde auch gar nicht funktionieren. Man hat sich freiwillig dazu entschieden, diesen Weg zu gehen und steht voll dahinter. Wenn man nicht will, dann lässt man es, ganz einfach.

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