Dürfen Evangelische künstlich verhüten?

gestellt von Ulrich Benz am 28. Oktober 2014

Hallo,

uns interessiert die Haltung der evangelischen Kirche zur künstlichen Verhütung.

Wir sind Katholiken und kämpfen mit diesem Thema.

Viele Grüße, Ulrich Benz

Liebes Ehepaar Benz,

wir in der evangelischen Kirche verstehen uns ja als "Kirche der Freiheit"  - frei, weil die Freiheit eines Christenmenschen nach Martin Luther für uns einfach das Lebensgefühl ist.

Bei den Fragen der Individualethik macht die evangelische Kirche keine Vorschriften, wobei sie zur ethischen Urteilsbildung beitragen möchte. Denn, anders als die römisch-katholische Kirche haben wir kein Lehramt, ein Papst, der sagt, was richtig und was falsch. Das eigene Gewissen ist im Protestantismus sehr wichtig.

Verhütung und Sexualität fallen nach evangelischer Sicht in die Verantwortung der einzelnen Christin und des einzelnen Christen. Sexualität ist nach Auffassung der evangelischen Kirche nicht nur auf Fortpflanzung ausgerichtet. Sie ist ein möglicher Ausdruck von Liebe, engster körperlicher Zuneigung und Nähe. Künstliche Verhütung wird ausdrücklich bejaht. Dennoch gibt es in den Einzelfragen der Sexualethik eine große Spannbreite unterschiedlicher Auffassungen.

In der "Denkschrift zu Fragen der Sexualethik" der EKD aus dem Jahr 1981 wird zum Thema "Empfängnisregelung" ausgeführt: "Nach christlichem Verständnis sind Zeugungsfähigkeit und Fruchtbarkeit von Mann und Frau eine Gabe Gottes, die es bewusst verantwortlich zu verwalten gilt. Jeder Vollzug der Geschlechtergemeinschaft ist unlösbar mit der Verantwortung für werdendes Leben verbunden."  Die Anwendung von empfängnisverhütenden Mitteln kann nur mit dem "andauernd freien Einverständnis" beider Partner erfolgen. In jedem Fall setze Empfängnisverhütung eine sachverständige Beratung voraus. Alle Verhütungsverfahren, die werdendes Leben antasten oder einen Schwangerschaftsabbruch bedingen könnten, werden abgelehnt.

Sie können hier gerne mehr dazu lesen.

Ich wünsche Ihnen als Ehepaar alles Liebe  - und gute Entscheidung.

Herzlich,

Ihre Sabine Löw

Kommentare

Also wenn auch nach kirchlicher Meinung Verhütung praktiziert werden darf (Gott sein Dank!), dann sollte es ja wohl nach der Entscheidung der Frau gehen auf welchem Wege sie dies praktizieren will. Wo liegt denn der Unterschied, ob man mit dem täglichen Temperaturmessen und komplizierter Tabelle und mit einem vermutlich recht großen Risiko, v.a. bei unregelmäsigem Zyklus, mal mit der Unfruchtbarkeitsberechnung daneben liegt, verhüten will oder einfach und sicher mit Kondom? Ich persönlich habe keine Lust dazu täglich meine Temperatur zu messen und mich evtl. durch Zyklusschwankungen zu täuschen. Worin liegt das Problem auch in der Ehe Kondome zu verwenden?

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