Himmelfahrt ein großes Fest?

gestellt von Susanne am 3. März 2015

Hallo Herr Muchlinsky,

ich bin der Zeit ein wenig voraus geeilt und habe mir, mitten in der Fastenzeit, das "AHA - Das soll die Himmelfahrt" angehört. Dort heißt es, dass Himmelfahrt nicht das ganz große Fest ist, sondern das Kleine zwischen den beiden Großen (Ostern und Pfingsten). Es stimmt, Ostern und Pfingsten sind die beiden ganz großen Feste. Aber wird Himmelfahrt nicht auch, zu einem großen Fest, wenn man bedenkt, dass Jesus zunächst in den Himmel auffahren musste, ehe er den Heiligen Geist zu uns Menschen hinunter schicken konnte? Ohne Himmelfahrt kein Pfingsten? Ich bin gespannt, was Sie mir in Ihrer Antwort dazu sagen werden.

Herzliche Grüße Susanne

Liebe Susanne,

Sie haben durchaus Recht. Himmelfahrt muss schon sein. Es braucht diesen Übergang, diesen Moment, ab dem der auferstandene Jesus nicht mehr lediglich bei seinen Jüngerinnen und Jüngern ist, sondern wieder bei Gott. Es ist ja sogar Teil unseres apostolischen Glaubensbekenntnisses: "Gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters." Es ist nur so, dass wir diesen Tag eben auch eher als Übergang feiern. Das große "Heilswerk" besteht für uns ja eher in Tod und Auferstehung Jesu und im Geschenk des Heiligen Geistes, bis Jesus wiederkommt. Nichtsdestotrotz: Himmelfahrt ist ein echtes Kirchenfest, und immerhin ist der Tag bis heute ein gesetzlicher Feiertag, auch wenn er wenig kirchlich "genutzt" wird, sondern eher für Vatertagsausflüge. Macht Ihnen meine Antwort Himmelfahrt groß genug? Ich hoffe es und grüße herzlich!

Frank Muchlinsky

Kommentare

Das große "Heilswerk" besteht für uns ja eher in Tod und Auferstehung Jesu. Aus diesem Grunde ist für uns "Evangelische" und für alle christlichen Konfessionen noch immer der "Karfreitag" der allerhöchste Tag im Kirchenjahr darstellt, und in der Gesamtheit mit Gründonnerstag und Ostersonntag, das allerhöchste christliche Fest darstellt.

Leider ist es so, dass viele evangelische Gemeinden das Kirchenjahr als Adiaphora sehen, also zu den Dingen, die man so oder so handhaben kann. Viele Gemeinden halten sich gar nicht mehr an das Kirchenjahr, deshalb wird dort Ostern eher zur Nebensache mitsamt dem Himmelfahrtstag und dem Heiligen Geist. Das ist ja grade das Problem!

Unter dem Wort "Adiaphora" konnte ich mir nichts vorstellen. Das hat mich dazu bewogen mein "schlaues" Lexikon zu befragen. "Adiaphora" ist ein griechischer Begriff und bedeutet übersetzt "Gleichgültiges" ist dort zu lesen. "Gleichgültig" würde ich wiederum mit "Es ist egal" in einen Topf werfen.

Das viele evangelische Gemeinden das Kirchenjahr als etwas gleichgültiges betrachten, kann ich nicht nachvollziehen.

Mit dem 1. Advent beginnt in jedem Jahr ein Neues Kirchenjahr. Die Adventszeit und Weihnachten wird in der Kirche mit besonderen Gottesdiensten gefeiert u.s.w.

In der Passionszeit gibt´s neben den sonntäglichen Gottesdiensten auch Passionsandachten. Die Osterfeierlichkeiten fangen am Gründonnerstag Abend mit Abendmahlsgottesdiensten an. Dann Karfreitagsgottesdienst, Gottesdienst in der Osternacht, Gottesdienst am Ostermorgen, Gottesdienst am Himmelfahrtstag, Gottesdienst zu Pfingsten u.s.w.

Ich kann da keine Gleichgültigkeit, gegenüber dem Kirchenjahr erkennen. Mit Interesse gucke ich mir die Infos in den Schaukästen von evangelischen Gemeinden an. Bisher konnte ich nirgendwo eine Gleichgültigkeit gegenüber dem Kirchenjahr erkennen.

Woran, lieber Gast, machen Sie die Gleichgültigkeit vieler evangelischer Gemeinden, was das Kirchenjahr angeht, fest?

Hallo Herr Muchlinsky,

danke für Ihre Antwort zu meiner "Himmelfahrtsfrage". Ja, Sie haben mit Ihren Zeilen Himmelfahrt die Größe zukommen lassen, die für diesen Tag angemessen ist. Momente des Übergangs von einem Ort zu einem Anderen sind wichtig und können ein großes Fest sein.

Einen Vers habe ich dazu in der Bibel gefunden. Dort spricht Jesus, im Kreis der Jünger, seine Himmelfahrt an und gibt diesem Ereignis einen Stellenwert. Er sagt: Es ist gut für euch............

Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. (Joh. 16,7)

Himmelfahrt ist wie eine Brücke von Tod (Karfreitag) und Auferstehung (Ostern) zum Kommen des Heiligen Geistes (Pfingsten). So würde ich Ihre Antwort interpretieren.

Ein wenig musste ich lächeln, als mir der Gedanke kam - Himmelfahrt, ein "Brückentag".

Was mich sehr stört, ist die Tatsache, dass Menschen Himmelfahrt zum Vatertag machen, um mit viel Bier und lautem Getöse ins Grüne zu fahren. Ich gönne den Vätern ihren Vatertag. Die Mütter haben ja auch den Muttertag. Aber warum muss dies gerade an Himmelfahrt sein? Muttertag ist immer an einem "normalen" Sonntag. Warum können die Väter ihren Vatertagsausflug nicht auch auf einen "normalen" Sonntag legen?

Aus der Sicht Jesu ist Himmelfahrt vielleicht der Vatertag, weil er zu seinem Vater zurück gegangen ist. So gesehen ist Himmelfahrt auch Vatertag.

Herzliche Grüße
Susanne

Super-Klasse! Danke für den Link. Das ist wirklich unheimlich nett geschrieben.

Ich habe mir noch einmal das "Himmelfahrts-AHA" angehört. Und weil dort so viel von "Himmel" die Rede ist, habe ich in den Sach- und Worterklärungen meiner Lutherbibel unter dem Stichwort "Himmel" unter anderem folgendes gelesen:

Zitat: "Eine charakteristische und für uns befremdliche Vorstellung entfaltet der Epheserbrief: Der Raum zwischen Himmel und Erde ist demnach von dämonischen Mächten beherrscht, die Gott und den Menschen feindlich sind. Christus hat bei seiner Himmelfahrt diese Mächte besiegt und gefangen genommen. (Eph. 4,8-10 und Eph. 6,12)"

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