Flugzeugabsturz in den Französischen Alpen

gestellt von Susanne am 27. März 2015

Hallo Frau Buettner, der Flugzeugabsturz am Dienstag in den Französischen Alpen ist allein schon eine schlimme Katastrophe. Seit gestern (Donnerstag) hat diese Katastrophe an Schrecken noch eine viel größere Dimension angenommen. Der Co-Pilot des Flugzeuges soll dieses willentlich zum Absturz gebracht haben. Die Nachrichten aller Medien berichten fast ausschließlich über diese unfaßbare Katastrophe, bei der 150 Menschen, darunter auch viele Deutsche, den Tod fanden. Auch hier, auf evangelisch.de, wird darüber berichtet. Nun habe ich eine Nachricht, hier auf der Seite von evangelisch.de gelesen, in der die Bildzeitung zu Wort kommt. Zitat: "Wir haben es mit einem Mann aus der Mitte unserer Gesellschaft zu tun, der als Figur des Grauens, als bisher größter deutscher Verbrecher des (jungen) 21. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen wird", erklärte "Bild" auf der Facebook-Seite der Zeitung. Meine Gedanken und gleichzeitig auch meine Frage dazu ist: Kann man einen Menschen, der so etwas tut als "Figur des Grauens, als größten deutschen Verbrecher des jungen 21. Jahrhunderts" bezeichnen? Natürlich hat der Co-Pilot der Maschine, etwas sehr, sehr schlimmes und aus menschlicher Sicht unbegreifliches getan, was er niemals hätte tun dürfen. Aber in meinen Augen ist ein Mensch, der zu so etwas fähig ist, schwer krank. Und die Spekulationen darüber, dass der Co-Pilot krank war, scheinen sich ja auch weiter zu verdichten. Für mich sieht das ganze Geschehen aus, wie eine Verzweiflungstat eines Menschen, der einfach nicht mehr so weiterleben wollte. Sind Medien, im Zitat oben eine Zeitung, dazu berechtigt einen solchen Menschen als "Figur des Grauens, als größten deutschen Verbrecher des jungen 21. Jahrhunderts" zu bezeichnen? Ich möchte hier keine kontroverse Diskussion auslösen, aber ich möchte eine Antwort, aus christlicher Sicht, zu meinen Gedanken und Fragen zu diesem Thema, von Ihnen. Vielleicht hat ja auch die Bibel Antworten dazu? Ich weiß es nicht! Herzliche Grüße Susanne

Liebe Susanne,

mir fallen zu Ihrer Frage zwei Geschichten ein:

Die Geschichte von der Ehebrecherin (Joh 8,1-11) und die Geschichte der Versuchung Jesu in der Wüste (Mt 4,1-11).

"Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein" sagt Jesus zu denen, die die Ehebrecherin steinigen wollen. Darauf lässt die Gruppe die erhobenen Arme sinken und die Steine auf den Bodn fallen. In sofern würde ich aus christlicher Sicht sagen, wir sollten zurückhaltend mit Urteilen über andere sein und zurückhaltend damit, andere an den Pranger zu stellen.

Die andere Geschichte erzählt davon, dass Jesus dem Teufel begegnet, der ihn in Versuchung führt, sich ihm zu unterwerfen. Ich weiß nicht, ob es wirklich einen Teufel gibt, aber als Christin denke ich, dass es die Macht der Sünde und der Versuchung gibt. Die menschlichen Abgründe, das, wozu Menschen fähig sind, sind erschreckend. Insofern ist der Schritt nicht weit, Menschen, die etwas Schreckliches getan haben als "Teufel" zu bezeichnen. Es zeigt die Ohnmacht, die Menschen angesichts solcher Ereignisse empfinden. Es zeigt den Versuch, solche Ereignisse irgendwie einzuordnen, eine Erklärung zu finden.

Bei beiden Geschichten gilt aber meiner Meinung nach ein Grundsatz: Menschen sprechen nicht das letzte Urteil über andere. Das letzte Urteil spricht Gott. Er allein sieht den ganzen Menschen. Er hat die Macht, das Böse zu besiegen. Ich persönlich glaube ganz fest daran, dass bei Gott keine ewige Verdammnis ist, sondern unendliche Gnade. Etwas von dieser Gnade wird deutlich, wenn ich mir vor Augen führe, wie Jesus zu den Menschen gegangen ist, unter denen auch solche waren, die von den anderen als Sünder bezeichnet wurden. Jesus ist diesen Menschen mit offenen Armen begegnet.

Mir hilft es, darauf zu vertrauen, dass, selbst wenn ich kein Mitleid für Täter empfinden kann, Gott schon wissen wird, wie er mit ihnen umgeht und mit dem, was sie getan haben.

Ihre Irmela Büttner

Kommentare

Wenn ein Flugzeug mit 150 Menschen abstürzt, spricht man von einer Katastrophe.
Wenn in einem Jahr etwa 300 Kinder überfahren werden, steht davon nichts in den Medien. Wir wissen, das ca. 180000 Ehen in einem Jahr geschieden werden, wie viele nicht registrierte Partnerschaften auseinander gehen, sind nicht bekannt.
Viele Menschen haben Schulden, leben von Hartz IV, 15000 Menschen infizieren sich nach Krankenhausaufenthalten durch Keime und sterben , Herzinfarkte und
Schlaganfälle finden täglich zu Hunderten statt, alle 3 Minuten ein Wohnungseinbruch, alle 15 Minuten ein Suizid, dazu Verkehrsunfälle, Mord und Totschlag, Vergewaltigungen, Betrug und Verrat, Intrigen und Mobbing.
Sind das nicht auch Katastrophen?????

Hallo Frau Büttner,

danke für Ihre Antwort, die mich zum Weiterdenken animiert hat. Sie schreiben von der unendlichen Gnade, die Gott schenkt, und davon, dass Jesus etwas von dieser Gnade zeigt, indem er mit Menschen in Kontakt kommt, die kein besonders gutes Ansehen bei ihren Mitmenschen hatten.

Können wir Menschen nicht auch etwas gnädiger untereinander sein? In Johannes 13 lesen wir von der Fußwaschung. Dort sagt Jesus:

Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe. (Johannes 13,14-15)

Sind wir Menschen nicht aufgefordert, dies auch, in Bezug auf die Gnade, die Jesus uns vorgelebt hat, zu tun? Könnte Jesus nicht auch gesagt haben: "Ich habe euch Gnade vorgelebt. Seid nun auch ihr gnädig untereinander."?

In zwei Nachrichten, die ich hier auf der Seite von evangelisch. de gelesen habe, kommt ein Stück Gnade rüber:

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagt, dass auch die Familie des Co-Piloten unser Mitgefühl braucht. (03.04.2015)

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sagt, dass auch für den Co-Piloten der Germanwrings-Maschine gebetet werden soll. (04.04.2015)

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