Theologiestudium trotz Untreue?

gestellt von Marie Lena am 11. Mai 2015

Hallo
Ich habe eine Frage. Ich bin 18 Jahre alt und möchte nach meinem Abitur gerne Pfarrerin werden. Hierbei hab ich jedoch moralische Bedenken. Ich habe während einer Beziehung dreimal meinen damaligen Freund betrogen, was jedoch auch an persönlichen Problemen lag auch wenn es das niemals rechtfertigt. Ich habe mit ihm immer offen geredet und er hat mir auch verziehen. Die Frage die ich mir stelle ist ob auch Gott sowas verzeuhen kann. Ich bereue es nämlich zutiefst und kenne auch die Passage im Johannesevangelium zum Ehebruch, jedoch mache ich mir aufgrund meiner beruflichen Wahl Gedanken daruber und bitte um Rat.
MfG

Liebe Marie Lena,

Das Wichtigste gleich zu Beginn: Ja, Sie können mit Ihren moralischen Bedenken durchaus Theologie studieren und auch Pfarrerin werden. Und nun das Allerwichtigste, wenn Sie so wollen: Eine der wichtigsten theologischen Aussagen ist diese, dass Gott uns Menschen alles, wirklich alles verzeihen kann – selbst solche Taten, die kein Mensch uns verzeihen würde. Sie haben Ihre Untreue mit Ihrem ehemaligen Freund besprochen, und er war in der Lage, Ihnen das zu vergeben. Das verdient Anerkennung für Sie beide: Für Sie, weil Sie sich Ihrer Tat geschämt haben und daraus die Konsequenz zogen, sie zu erzählen. Und für Ihren ehemaligen Freund natürlich auch, weil er bereit war zu verzeihen. Sie selbst haben damit getan, was Gott von uns verlangt: Wisse, was Du falsch gemacht hast, bitte um Verzeihung und tu es nicht wieder.

Gott verlangt von keinem Menschen, dass er keine Fehler macht – ganz bestimmt auch nicht von Pfarrerinnen oder Pfarrern. Gott hätte nicht in Jesus Christus Mensch werden müssen, wenn die Menschen dazu in der Lage wären, ohne Fehler zu leben. Ich hoffe, dass Sie diese fundamentale theologische Aussage in Ihrem Studium durchdringen werden und Ihre eigene Formulierung dafür finden werden. Studieren Sie! Begeben Sie sich auf den Weg, Pfarrerin zu werden! Machen Sie sich auf diesem Weg auch immer wieder klar, dass Sie als Pfarrerin kein Bisschen weniger Mensch sein werden, als Sie es jetzt sind. Sie haben die gleichen Schwächen wie alle. Gut ist, wenn Sie von diesen Schwächen wissen und in der Lage sind, aufrichtig um Verzeihung zu bitten. Die kommt – zumindest von Gott – garantiert.

Alles Gute!

Frank Muchlinsky

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