"Links-schwule Werbung" der evangelischen Kirche?

gestellt von Horst Weihmann am 3. August 2015

Wir sind auf einer Seite der evangelischen Kirche,
aber es wird viel links-schwule Werbung gemacht, wie
sie die grüne Partei vertritt.
Warum ist das so, vertreten Sie diese Partei?
Als evangelischer Christ bekenne ich mich zu Christus.

Sehr geehrter Herr Weihmann,

 

Ich bin mir aufgrund des Tons Ihrer Frage nicht sicher, ob Sie tatsächlich eine Antwort von mir haben möchten, oder ob Sie eher Ihrem Unmut Luft machen möchten. Ich möchte davon ausgehen, dass Sie tatsächlich lesen, was ich Ihnen schreibe, also antworte ich Ihnen.

Der Umgang mit Menschen, die andere Menschen des gleichen Geschlechts lieben, bedarf derselben Behutsamkeit, wie der Umgang mit allen anderen Menschen, die sich – wodurch auch immer – von der Mehrheit unterscheiden. Das kann man gesamtgesellschaftlich fordern, erst Recht sollte es für uns Christinnen und Christen gelten. Es ist weder ein Privileg noch ein Fehler bestimmter Parteien oder Bewegungen, sich für die Rechte gleichgeschlechtlich liebender Menschen einzusetzen.

 

Ich bitte Sie darum, dass Sie vorsichtiger mit Ihren Worten sind. Wir machen weder "Werbung", noch ist unsere Haltung eine "links-schwule". Wie Sie bekennen uns zu Jesus Christus, der die vollkommen bedingungslose Liebe ist. Sich zu Christus zu bekennen, heißt für uns, dass wir die Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen über alle anderen Gebote stellen. An der Liebe muss sich jedes andere Gebot messen lassen. Gleichgeschlechtlich liebende Menschen auszuschließen widerspricht unserem Verständnis nach dem höchsten Gebot, das Gott uns gegeben und durch Jesus Christus bekräftigt hat.

 

Ich grüße freundlich.

Frank Muchlinsky

Kommentare

Äh? Mann und Frau sollen sich vermehren. Etwas anderes wird von Gott nicht erwartet! Gott möchte nicht, dass die komplette Menschheit ausstirbt.

WARUM, um Himmels Willen, muss es spezielle Lieder in unseren Gottesdiensten geben, in denen sich auch Homosexuelle (oder von sonstigen Fakultäten) sich mit ihrer speziellen Lebenserfahrung und ihrem Glauben wiederfinden? Ich meine, ein Kirchenlied ist doch ein Lied, dessen Text einen christlich-religiösen Inhalt hat und keinen andersartigen, privaten Inhalt. Ich meine, ein Schwindler, ein Fremdgeher, ein Einbrecher, ein Krimineller, eine biedere Hausfrau oder ein Schweinehund würden doch auch nicht über Ihre Lebenserfahrung singen wollen, im Gemeindegottesdienst, ähem! Ich persönlich möchte auch kein Lied von einem Steuerhinterzieher singen. Weder in der Kirche noch im Gemeindehaus.

Es ist mir völlig fremd, dass bei einem Tauf- oder Konfirmationsgottesdienst oder direkt nach dem Abendmahl derartige Lieder passen könnten!

Ich meine, Sexualität oder sonstige Wolllust, ist pure Privatsache! Ebenso ist es unpassend wenn ein Schweinehund seine Lebenserfahrungen vorsingen möchte. Gier und Sinneslust gehört nicht an die große Glocke gehängt. Ich persönlich möchte z. B. keine Lieder in der Kirche singen, wo spezielle Lebenserfahrungen von Steuerhinterziehern breitgesungen werden.

Die berechtigte Frage, die sich anschlösse, wäre m. E. die Frage, ob auf evangelisch.de einem Christen, der praktizierte Homosexualität als Sünde ansieht, abgesprochen wird, nach dem Doppelgebot der Liebe zu leben und handeln, auf das sich Herr Muchlinsky bezieht. Ich sehe mich selbst als Sünder.

Lieber Jochen,

Na, das will ich doch hoffen, dass Sie sich als Sünder ansehen. wink Dass wir Menschen allesamt Sünder sind, die der Gnade Gottes bedürfen, ist eine der wichtigsten Aussagen unseres Glaubens. Und, ja: Wer die Liebe zweier Menschen Sünde nennt, handelt meiner Meinung nach nicht nach dem Gebot der Nächstenliebe, weil er ein anderes Gebot für höher erachtet.

Meine genaue Frage war aber: Ein Christ, der praktizierte Homosexualität als Sünde ansieht, wird ihm auf evangelisch.de in Abrede gestellt, nach dem Gebot der Nächstenliebe zu handeln? Prakitizierte Homosexualität ist nicht identisch "mit Liebe zweier Menschen". Daher beantwortet Ihre Antwort nicht meine Frage.

Hm, ich dachte eigentlich, dass ich deutlich war: Ja, wer Homosexualität für Sünde hält, stellt damit das biblische Verbot homosexueller Handlungen über das Doppelgebot der Liebe.

Wenn das aber so wäre, wie hätten Sie der Ehebrecherin (Joh. 8,1-11) geantwortet? Jesus antwortete: "Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!" In einem Büchlein mit Predigten von Benedikt VI. ("Laß euch mit Gott versöhnen") wird Augustinus zitiert mit ".. daß der Herr in seiner Antwort das Gesetz respektiert und seine Güte nicht aufgibt". Weshalb sollte diese Antwort Jesu für den Christen heute plötzlich verwerflich sein?
Benedikt schreibt hierzu: "Die Haltung Jesu wird so zu einem Vorbild für jede Gemeinde, die gerufen ist, aus der Liebe und der Vergebung das schlagende Herz ihres Lebens zu machen".

Moin Gast,

erstens ist Jesus derjenige, der das Gebot der Steinigung aus dem AT an dieser Stelle aufhebt, also auch hier Menschenfreundlichkeit über rigide Gebote stellt. (Wo Augustinus da "Respekt für das Gesetz" hernimmt, sehe ich nicht so ganz.)

Zweitens gilt diese Antwort für heterosexuelle ebenso wie für homosexuelle Ehebrecher. Warum sollte sie heute also verwerflich sein? Sie bezieht sich ja nicht auf Homosexualität, sondern auf das emotional belastende, unmoralische Aufbrechen des gegenseitigen Vertrauensverhältnisses in einer Beziehung - mithin "Ehebruch".

Besten Gruß,
Hanno Terbuyken

Mich hätte schon interessiert, wie evangelisch.de der Ehebrecherin geantwortet hätte. Mein Anliegen ist zu erfahren inwieweit es in einer liberalisierten Glaubenswelt toleriert wird, überhaupt noch von Sünde zu sprechen. Der erste Hinweis von Herrn Muchlinsky (mit dem zwinkernden smiley) sagt: JA. Aber da ging es darum, dass ich mich selbst als Sünder erkenne. Ich trete also damit niemandem zu nahe, höchstens mir selbst. Der zweite Hinweis von Herrn Muchlinsky sagt: NEIN. Dort geht es um die allgemeine Sündhaftigkeit einer Tat am Beispiel Homosexualität, noch nicht mal dass damit eine Person konkret als Sünder benannt wird. Man präjudiziert dass diejenigen, die die Sünde ansprechen, sich nicht aus barmherziger Liebe vor die Sünder stellen würden, so wie sich Jesus vor die Ehebrecherin stellt. Gleichzeitig werden aktuell Pfarrer wie Herr Weigel oder Herr Latzel öffentlich geschmäht und beschimpft und ausgelacht, weil sie dieses Wort in den Mund nehmen. Und es wird sogar die (juristische) Verurteilung in den Raum gestellt. Daher denke ich, dass meine Frage nach der Tolerierung des Begriffes Sünde in der liberalen Glaubenswelt schon eine gewisse Berechtigung hat. Ein Blick in den Bekenntnisteil des evangelischen Gesangbuchs hilft hier ja leider nur bedingt weiter. Für die Hartnäckigkeit möchte ich mich im voraus entschuldigen.

Augustinus schreibt jedenfalls weiter: "Der Herr verurteilt die Sünde, nicht den Sünder. Hätte er nämlich die Sünde geduldet, hätte er gesagt: Auch ich verurteile dich nicht, geh, lebe, wie du willst. (...) Aber er sagte: Geh und sündige nicht mehr" (In Iohannis evangelium tractatus 33,6).

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