Glauben und Zweifeln

gestellt von Birgit K. am 27. August 2015

Guten Tag,

aus beruflichen Gründen wurde ich mit einem Kricheneintritt konfrontiert. Dies kam für mich bislang überhaupt nicht in Frage, da ich es als dikriminierend erachte, wenn Menschen nur aufgrund einer verbindlichen Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft eine Stelle bei einem kirchlichen Träger bekommen können. Ich stehe persönlich hinter den christlichen Werten und engagiere mich auch privat für andere.

Als Kind konnte ich erleben, wie meine Mutter in ihrer freiwiligen Tätigkeit in einer Diakonie bis zum Zusammenbruch ausgebeutet wurde und habe viele sogenannte Christen als absolut unchristlich erlebt - sich eben nicht engagierend und jeden nicht-Christen ablehnend. Dadurch habe ich eine große Abneigung gegen die Kirche als Institution entwickelt und wurde auch nie an den christlichen Glauben herangeführt.

 

Durch ein Gespräch mit einer Freundin, die bereits länger in einer christlichen Einrichtung arbeitet, bin ich aber nun nachdenklich geworden. Sie erlebt die Kirche nicht als ausschließend, sondern beschreibt, wie sich ihr Arbeitgeber intensiv für die Schwachen und Bedürftigen einsetzt, ohne damit zu hofieren und es sich als Glaubensgemeinschaft - als ausschließlicher "Heilsbringer" - auf die Fahnen zu schreiben. Sie beschreibt es als unendlich beglückend, unter Gelichgesinnten zu arbeiten, die sich nicht dem gesellschaftlichen Wertesystem - leiste was, dann bist Du was - unterstellen, sondern der Mitmenschlichkeit. Sie kümmern sich um Christen wie Nichtchristen gleichermaßen. Das finde ich wunderbar.

 

Nun muss ich also doch darüber nachdenken, Kirche anders zu sehen als bislang und mich mit dem Christlichen Glauben auseinanderzusetzen. Wie könnte so etwas angebahnt werden? Ich möchte nicht mit für mich bislang nebulösen und eher sektenartig klingenden Glaubensbekenntnissen - die irgendwie doch wieder etwas ausschließendes haben - überfallen werden, sondern mich Stück für Stück damit beschäftigen.

 

Ein Eintritt in die Kirche beinhaltet ja zudem eine Taufe - muss ich da ein allgemeingültiges Glaubensbekenntnis abgeben, oder bleiben Zweifel an einzelnen Punkten erlaubt? Ich hoffe, Sie nehmen mir meine Offenheit nicht übel. Der Auslöser ist natürlich der Job - aber er hat mich neugierig gemacht auf einen Glauben an das Gute und verbindende aller Menschen.

 

Mit freundlichen Grüßen, Birgit

Danke für Deine Offenheit, liebe Birgit!

Und es freut mich natürlich, dass Du Kirche/Diakonie positiver erlebst als früher. Ja, Du, schau Dir alles gut an und bewege es in Deinem Herzen. Aber, weißt Du: Menschen können natürlich auch enttäuschen - auch wir Christinnen und Christen. Es gibt Menschen, die vom Himmel sprechen und deren Taten zum Himmel schreien. Aber Gott selbst - der ist GUT. Gott ist die Liebe. Und die Kirche verkündigt die Liebe Gottes über die Jahrhunderte. Und das gelang und gelingt, mal mehr, mal weniger gut, mal gar nicht. Weil Menschen eben Menschen sind. Aber Gott ist Gott.

Ich möchte Dich ermutigen: Rede mit Gott, bete. Und, ja, rede mit Menschen, die an ihn glauben und schau Dir alles gut an.

Ich würde Dir auch empfehlen, vor Ort Kontakt mit der Gemeinde aufzunehmen, mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer da ....

Gute Begegnungen wünsche ich Dir! und dass Du Gott in allem suchst - und findest.

Herzlich, Deine Sabine

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Kommentare

Liebe Birgit,
ja! Zweifel sind erlaubt. Vor allem an sogenannten "Glaubensaussagen". Denn Glaube meint nach evangelischem Verständnis weniger ein Für-wahr-Halten bestimmter Aussagen (über Gott und die Welt), sondern viel mehr und viel eher ein Vertrauen auf Gott, ein Rechnen damit, daß er zu uns steht und möchte, daß unser Leben gelingt. In Jesus Christus begegnet uns Gott so. Wer sich darauf verlassen möchte, gehört zu seiner Kirche.
Dieses Vertrauen macht uns noch nicht automatisch zu besseren Menschen. Das hat Ihre Mutter vielleicht schmerzlich erfahren müssen. Aber unter denen, die darauf bauen, finden sich so viele faszinierende Menschen, daß es sich lohnt dazuzugehören.
Äußeres Zeichen ist die Taufe. Vielleicht sind Sie ja schon getauft, wenn Ihre Mutter bei der Diakonie arbeitete. Dann brauchen Sie nicht mehr neu getauft zu werden, denn die Taufe gilt weiter, auch wenn wir zwischenzeitlich austreten oder die Kirche wechseln.

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