Katholisches Abendmahlsverständnis - ist das noch zeitgemäß?

gestellt von Dirk am 25. Februar 2016


Liebe Frau Löw, ich, Protestant, nahm heute seit langem wieder einmal an einem Gottesdienst teil. Bei uns (Militär) wird oft ein ökumenischer Gottesdienst gehalten. Ein katholischer Priester feierte das Abendmahl und ermutigte alle Christen teilzunehmen. Nach einer anfänglichen Meldung habe ich mich doch entschieden, nicht zu empfangen. Für den zweiten katholischen Geistlichen war es wie eine Erlösung. Er kennt mich und weiß somit, dass ich kein Katholik bin. Dieser Gottesdienst war gespalten. Er zeigte allen die Unterschiede zwischen unseren Konfessionen auf. Ich frage mich: Ist das noch zeitgemäß? Warum schauen wir mehr auf die 30 Jahre Krieg aus dem Mittelalter als auf das Wunder des Abendmahles? Die Welt gerät in Teilen aus den Fugen und wir zwingen uns selbst zu unterscheiden. Ich glaube, dass das nicht das Ziel von Jesus war und ist. Gibt es aus Ihrer Sicht keine einfache Möglichkeit Trennungen rasch zu überwinden?

Lieber Dirk,

da sprechen Sie ein großes Thema der Ökumene an. In der evangelischen Kirche sind römisch-katholische Christ/innen wie alle Getauften herzlich zum Abendmahl eingeladen, weil Christus selbst uns dazu einlädt. Das ist unser Verständnis. So wie Sie,wage ich zu sagen, empfinden nahezu alle evangelische Christ/innen und wir fragen uns und damit die römisch-katholische Kirche:  Ist das noch zeitgemäß? Warum schauen wir mehr auf die 30 Jahre Krieg aus dem Mittelalter als auf das Wunder des Abendmahles? Die Welt gerät in Teilen aus den Fugen und wir zwingen uns selbst zu unterscheiden. Ich glaube, dass das nicht das Ziel von Jesus war und ist.

Der röm-katholische Kollege, der Priester der Sie eingeladen hat zum Abendmahl, hat ein weites Herz und teilt persönlich offenbar dieses Verständnis von uns. Seine römisch-katholische Kirchenleitung sieht dies aber anders. Wir als evangelische Kirche sind in ihren Augen keine "richtige" Kirche.

 Die geltende lehramtliche Position der römisch- katholischen Kirche ist , dass Pfarrerinnen (die sowieso- gibt es ja in der röm. Kirche gar nicht - Frauen im Amt) und Pfarrer der evangelischen Kirchen u.a. wegen der Unterbrechung der durch bischöfliche Handauflegung weitervermittelten Kette der sogenannten »Apostolischen Sukzession « nicht gültig geweiht sind und daher auch die Sakramente nicht gültig spenden können. Allerdings bemühen sich verschiedene Bischofskonferenzen gegenwärtig, vor allem im Blick auf die konfessionsverbindenden Ehen den Spielraum, den ihnen das Direktorium eröffnet, näher zu bestimmen und so weit als möglich auszuschöpfen.

Sie als Protestant, Wir als Evangelische, dürfen nach römischem Verständis nur im Ausnahmefall bei einer kath. Eucharistie teilhaben (Nr. 131; vgl. CIC 844 § 4):  "Der evangelische Christ ist erstens gehindert, »einen Spender der eigenen Kirche oder kirchlichen Gemeinschaft aufzusuchen«, er erbittet zweitens von sich aus diese Sakramente, er bekundet drittens den katholischen Glauben bezüglich dieser Sakramente und ist viertens in rechter Weise vorbereitet."

Die lehramtliche und kirchenrechtliche Lage von Seiten der römisch-katholischen Kirche ist von deren Seite aus klar: Das oben erwähnte »Direktorium« hat nochmals betont, daß »die katholische Kirche im allgemeinen den Zutritt zur eucharistischen Gemeinschaft (...) einzig jenen Gläubigen, die mit ihr in der Einheit des Glaubens, des Gottesdienstes und des kirchlichen Lebens stehen«, gewährt (Nr. 129).

Wie gesagt, wir in der evangelischen Kirche laden im Namen Jesus Christi auch Katholik/innen zum Abendmahl ein.

Festgehalten ist diese »eucharistische Gastfreundschaft« oder »Gastbereitschaft « der evangelischen Kirchen u.a. in einer »Pastoraltheologischen Handreichung« der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche aus dem Jahre 1975, der sich die Arnoldshainer Konferenz im Jahr 1976 angeschlossen hat.

Hier eine Handreichung zum Abendmahl in unserer evangelischen Kirche:

https://www.ekd.de/download/abendmahl.pdf

Dieser Link hier ist vielleicht auch noch interessant für Sie zu lesen:  "Die evangelisch/römisch-katholische Ökumene in Deutschland" :  https://www.ekd.de/international/berichte/2000/oekumene_reader2000_22.html

Wie diese Trennung überwinden? - , fragen Sie, lieber Dirk,  - ich denke, indem wir evangelische Christ/innen diese offene Wunde immer wieder thematisieren und unseren Schmerz gegenüber der römischen-katholischen Kirche artikulieren.

Sie haben hier einen Beitrag dazu geleistet. 

Gottes Segen für Sie, bleiben Sie mutig!

Herzlich, Ihre Sabine Löw

Kommentare

Viele gläubige Katholiken haben damit kein Problem, wenn ein Protestant zur Eucharistiefeier geht und die Hostie empfängt. Warum auch, Jesus war es egal, mit wem er gefeiert hatte.

Die katholische Kirche sollte sich auf ihre Wurzeln besinnen und alle getauften Christen zur Kommunion zulassen. Das wäre eine echte Besinnung auf das Evangelium.

Ich würde gerne mal wissen, auf welche Bibelstelle sich die katholiken beziehen, wenn sie andersgläubige, homosexuelle und wiederverheitatete geschiedene vom Abendmahl ausschließt. Vielleicht weißt das ja jemand. :-)

Viele Grüße

Alexis

Und mich würde mal interessieren, warum sich Menschen mit der Deutung ihrer verschiedenen Illusionen und Fiktionen beschäftigen, statt ihre Energie in Themen zu stecken, die der Menschheit dienen und keinen erdachten Göttern.

Meine Meinung: Wenn die evangelische Kirche die katholische fragt, ob die Art und Weise des symbolisch vollzogenen Menschenopfer-Ritus zeitgemäß ist oder nicht, dann ist das eigentliche Problem nicht die unterschiedliche Sichtweise über bestimmte Details, sondern das rituelle Menschenopfer an sich. Deshalb thematisiere ich immer wieder die Kluft zwischen religiöser Fiktion und realer Wirklichkeit und leiste so (ganz ohne göttlichen Segen, aber im Namen der realen Wirklichkeit) einen Beitrag zur Überwindung religiöser Indoktrination.

Ich bin Katholik, gehe im evangelischen Gottesdienst zum Abendmahl, mit dem selben Verständnis wie im katholischen Gottesdienst.
Vor Weihnachten hat Papst Franziskus die evangelische Gemeinde in Rom besucht. Die wurde auch thematisiert. Der Papst sagte, die Frage, ob katholische Christen am evangelischen Abendmahl teilhaben dürfen und umgekehrt soll jeder persönlich mit Gott und sich selbst ausmachen. Dies machen einige Christen und auch ich, seit Jahren so. Denn im Teilen des Brotes und des Kelches wird Jesus lebendig gegenwärtig. Und Jesus fragt nicht, in welcher Kirche man getauft wurde, und an welche Kirche die Kirchensteuer bezahlt wird. Er möchte die Menschen, die seine Jünger sein wollen, stärken und ihnne nahe sein.

*r

Mt14,29
Es ist der Herr der und sowohl im Abenmahl als auch in der Eucharistie und Kommunion begegnet. Wenn er ruft: "Komm!", dann kommen wir.
Joh6,35
Im Brot begegnen wir Jesus, dem wahren Brot.
Apg4, 31+32
<<Und als sie gebetet hatten, erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren; und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimut.
Die Gütergemeinschaft der ersten Christen
Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.>>

Fazit es gibt den einen Geist, der uns Eins macht!
Nicht römisch oder evangelisch oder orthodox oder protestantisch oder sontwas, sondern Eins. Eine Kriche in einem Geist.
Paulus schreibt das schon so schön:
<<Ich meine aber dies, dass unter euch der eine sagt: Ich gehöre zu Paulus, der andere: Ich zu Apollos, der Dritte: Ich zu Kephas, der Vierte: Ich zu Christus. >> (Kor1,12)
Wenn ich jetz mal richtig ketzerisch sein darf: Ich gehöre zu Leo X, ich zu Martin, ich zu Heinrich, ich zu Richard oder Franziskus oder gehören wir nicht alle zu Christus?
Ich freue mich schon heute auf die Einheit der Christen die bald kommen wird!
Im Geist sind wir schon irgendwie Eins, aber unsere Köpfe sind noch zu voreingenommen, stolz und vielleicht durch zu viel(e) Thelogie(n) verstopft, dass der Heilige Geist wirken kann.

Lasst uns beten für den Heiligen Geist, der uns Christen zusammenführt, eins werden lässt und wirklich die Kriche, den mystischen und wahren Leib Christi und das Wort in uns Fleisch werden lässt.

Kleiner Hinweis: Die Reformation (16. Jh.) und erst recht der Dreißigjährige Krieg (17. Jh.) fanden keineswegs im Mittelalter (bis 15. Jh.) statt, sondern in der Frühen Neuzeit. Renaissance und Reformation sind im Gegenteil geradezu die Bewegungen, mit denen das Ende des Mittelalters festgemacht wird.

Das mit der Apostolischen Sukzession stimmt nur zum Teil. Die lutherischen Kirchen in Deutschland haben sich diese wieder geholt!
Im 16. Jahrhundert konnten Länder und Menschen in Dtl evangelisch werden. Die Bischöfe, die dabei übertraten verloren ihre Funktion. So kam es, dass die junge evangelische Kirche einer Führung beraubt war. In dieser Notsituation befürwortete Luther, dass die Landesherren als weltliche "Notbischöfe" fungierten, damit die Ordnung innerhalb der Kirche gewahrt blieb. Diese "Notbischöfe" waren jedoch nicht geweiht/gesegnet/eingesetzt durch die Kirche. Somit war die Kette der ununterbrochenen Handauflegung von den Aposteln über die kirchlichen Bischöfe unterbrochen. Ursprünglich war das Amt der Notbischöfe nur vorübergehend geplant. Aber die Landesherren gaben diese Macht nicht mehr her. 1918 (mit Ende des 1. Weltkrieges) endete das Fürstentum in Deutschland. Die Kirche mußte sich "unabhängi" vom Staat organisieren. Während die reformierten Kirchen die Präsidialform wählten, setzten die Lutheraner wieder Bischöfe ein. Diese standen nun nicht mehr in der Apostolischen Sukzession, weil ja die die Kette der Handauflegung über 300 Jahre unterbrochen war.
Anders war die Reformationsgeschichte in Schweden. Dort trat die gesamte Kirche (zwangsweise) über und wurde zur lutherischen Staatskirche. Die Bischöfe (mit apostolischer Sukzession) im Amt blieben. (Eine Tatsache, die anscheinend Rom auch akzeptiert. Denn wo feiert der Papst das ökumenische Christusfest 1517?)
Seit den 70er Jahren haben die lutherischen Landeskirchen sich durch schwedische (Bischofs)Gäste die Sukzession "wieder geholt": Schwedische Bischöfe legen bei der Installation (Einsegnung) ihre Hand über den neuen Bischof.
Randbemerkung: Als Folge warfen die Reformierten den
Lutheranern "katholisches Gehabe" vor. Seit dem bayrischen Bischof Hanselmann war wieder der Begriff "Altbischof" im Gebrauch. Zutiefst unevangelisch, denn laut Kirchenverfassung ist der Bischof (nur) ein "Pfarrer im kirchenleitendem Amt". Nach seiner Amtszeit ist er wieder "einfacher" Pfarrer. Der bayrische Landesbischof Johannes Friedrichs ging da für Bayern revolutionäre Wege: Nach seiner Amtszeit und vor seinem Ruhestand versah er den Dienst als Gemeindepfarrer in einer kleinen fränkischen Gemeinde. Das "stellte die kirchlichen Funktionsträger vor Herausforderungen".

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