Können zwei katholische Frauen evangelisch heiraten?

gestellt von Conny am 12. Mai 2016

Hallo Herr Muchlinsky,

Ich habe folgende Frage: Und zwar ob 2 katholische Frauen evangelisch (z.B. in Berlin) heiraten können? Meistens wird darauf verwiesen, dass mind. 1 Partner evangelisch sein sollte, aber ich finde den Wunsch, kirchlich heiraten zu können, einen unpassend Grund zu konvertieren, wenn man sonst in seiner Konfession bleiben möchte. Und die naheliegende Reaktion, dann soll man doch katholisch heiraten, schließt sich ja aus.
Würde die evangelische Kirche da "Asyl" anbieten?

Vielen Dank schon für die Antwort!
Conny

Liebe Conny,

den Wunsch, die eigene Partnerschaft in einer Trauung unter Gottes Segen zu stellen, verstehe ich vollkommen. Darum sollte auch jedes Paar die Möglichkeit haben, in seiner Kirche solch eine Trauung zu feiern. Wenn eine Kirche ihren Mitgliedern die Trauung verweigert, weil sie der Meinung ist, diese Form von Zusammenleben sei nicht für eine Ehe geeignet, dann kann man sich als betroffener Mensch durchaus die Frage stellen, ob das die richtige Kirche für einen ist.

Ich bin also – anders als Sie – der Meinung, dass der Wunsch als lesbisches Paar zu heiraten, durchaus einen Grund darstellen kann, die Konfession zu wechseln. Sicherlich ist das kein Schritt, den man leichtfertig tut, aber wenn es um Fragen geht, die das eigene Leben so unmittelbar betreffen, wie in diesem Fall, dann kann die Hochzeit tatsächlich ein Anlass sein. Es geht ja nicht nur um ein Fest, sondern es geht um eine grundsätzliche Haltung der beiden Kirchen zu einer Lebensweise.

Die von Ihnen genannte Regel, dass mindestens ein Teil des Traupaares in der evangelischen Kirche sein muss, gilt unabhängig davon, welchen Geschlechts die beiden sind. Wir gewähren insofern kein "Kurzzeit-Asyl", aber wer bleiben will, darf gerne kommen.

Wenn es Ihnen allerdings wichtiger ist, in der römisch-katholischen Kirche zu bleiben, empfehle ich Ihnen, dass Sie sich an das Netzwerk katholischer Lesben (NkaL) oder an die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft Homosexuelle und Kirche (HuK) wenden. Dort kümmert man sich um die Gleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Paare in der Kirche.

Herzlichen Gruß!

Frank Muchlinsky

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Kommentare

Diese Antwort hat mir sehr gut gefallen. Großes Lob an Sie, Herr Muchlinsky. Leider vermisse ich ganz häufig ein so selbstbewusstes Auftreten unserer Kirche gegenüber den rückschrittliche Positionen (ich kann es leider nicht diplomatischer formulieren), der katholischen Kirche. Meiner Meinung nach ist es die große historische Aufgabe des Protestantismus, den christlichen Glauben in die Moderne zu tragen. Als Ausgangspunkt der Aufklärung in Europa und der Welt, steht es uns gut zu Gesicht unser humanistisches Fundament zu betonen und zu entwickeln. Die katholische Kirche hat sich vor 500 Jahren tragischer Weise klar gegen den Fortschritt gestellt um an den eingeschliffenen Strukturen und Machtansprüchen fest zu halten.
Mir fehlen immer wieder die Worte, wenn ich sehen muss, mit welcher masochistischen Attitüde katholische Christen die gesellschaftlichen Unzulänglichkeiten und Anachronismen ihrer Kirche benennen und darunter leiden, ohne den naheliegenden Blick hinüber in die evangelische Kirche zu wagen.
Dabei ist Reformation doch kein Selbstzweck. Ich würde mir wünschen, dass alle Christen (ja, sicherlich auch wir Protestanten) immer wieder den Mut und die Kraft finden die Tradition kritisch zu hinterfragen und das Wertvolle vom Balast zu trennen um auch in den kommenden 500 oder 2000 Jahren den Kern dessen, was unseren Glauben ausmacht, zu bekennen.
Willkommen in der Gegenwart, liebe Kirche!

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