Abendgebete mit Kindern

gestellt von Christine Kronbeck am 30. Mai 2017

Sehr geehrter Herr Muchlinsky,

nach einer längeren "Pause" habe ich bei meiner Tochter (8 Jahre) wieder eine Bereitschaft dafür festgestellt, abends gemeinsam ein Gebet zu sprechen. Die Kindergebete, die wir kennen, sind ihr zu "babysch" und ich weiß außer "Müde bin ich, geh zur Ruh" keines, das passen könnte. Können Sie mir bitte einen Tipp geben, wo man (vielleicht auch auf evangelisch.de) Gebetstexte finden kann? Ganz herzlichen Dank und auch herzlichen Dank für Ihre wunderbaren Texte zu den "7 Wochen ohne"!

Mit freundlichen Grüßen

Christine Kronbeck

Liebe Frau Kronbeck,

 

ich kann gut nachvollziehen, dass sich Ihre Tochter mit acht Jahren zu alt fühlt für Abendgebete, die vor allem für kleine Kinder formuliert wurden. Schließlich will jeder Mensch ernst genommen werden auch im eigenen Glauben. Nun stellt sich zunächst eine grundlegende Frage: Möchten Sie gerne weiterhin zusammen Gebete sprechen, die bereits vorformuliert sind? Oder möchten Sie lieber gemeinsam Gebetsanliegen selbst formulieren? Beides hat seine Vorteile:

 

Gebete, die bereits formuliert sind, haben den Vorteil, dass man sie in der Regel häufig wiederholt. So wird das Ritual des gemeinsamen Abendgebetes betont. Außerdem entlastet es davon, sich ständig neue Formulierungen auszudenken. Wenn man dann noch ein Gebet auswählt, das schon alt ist, kann man sicher sein, dass es schon viele andere Menschen vor einem selbst gebetet haben. Nehmen Sie zum Beispiel das Vaterunser. Es wird seit Jahrtausenden von Menschen in allen Situationen des Lebens gebetet. Wer es betet, stimmt sozusagen ein in eine große Tradition. Das gibt viel Halt. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Sie mit Ihrer Tochter am Abend das Vaterunser, also "das" Gebet der Christenheit schlechthin beten. Sie könnten mit ihr darüber reden, wie viele andere Menschen das wohl in genau diesem Moment auch tun.

 

Ein weiteres Gebet mit ähnlicher Kraft und großer Tradition ist Psalm 23. Dieses Gebet ist noch älter und eignet sich schon darum gut für den Abend, weil es ein großes Vertrauen ausdrückt. Gerade am Abend wünschen wir uns, dass wir behütet bleiben. Darum könnte auch Psalm 23 eine schöne Möglichkeit für ein Abendgebet sein, das man zunächst liest und dann nach und nach auswendig lernt. Eine kleine Liste mit Abendgebeten haben wir als Bildergalerie bei evangelisch.de zusammengestellt. Die Gebete dort sind für ganz unterschiedliche Altersstufen geeignet.

 

Auf der anderen Seite ist es schön, Gebete frei zu formulieren und so mit Gott sozusagen ins Gespräch zu kommen. Mit kleinen Kindern macht man es häufig so, dass nach einem formulierten Gebet wie "Müde bin ich, geh zur Ruh', schließe beide Augen zu. Vater, lass die Augen dein über meinem Bette sein" noch eine Aufzählung derer anhängt, die Gott ebenfalls beschützen soll. "Lieber Gott, beschütze …", und dann folgt eine Liste, die je nach Erschöpfungsgrad des Kindes oder des Elternteils mal länger und mal kürzer ausfällt. Für ältere Kinder kann man alternativ gemeinsam danach suchen, wofür man an diesem Abend besonders dankbar ist und wofür man gern bitten möchte. Am besten stellt man dem Kind die Fragen zunächst "formlos": "Wofür bist Du besonders dankbar heute?" "Und worum möchtest Du Gott bitten?" Auf diese Weise vermeiden Sie, dass das Kind meint, es müsse gleich "druckreif" beten. Leider haben viele erwachsene Menschen das Gefühl, ihr Gebet müsse irgendwelchen Ansprüchen genügen. Das können Sie für Ihr Kind vermeiden, indem Sie es auffordern, einfach kurz zu erzählen, was es beschäftigt. Mit der Zeit können Sie solch ein freies Gebet auch formelhafter werden lassen, indem Sie gemeinsam die Anfangsworte sprechen: "Gott, ich danke dir heute besonders dafür …" und "Gott, ich bitte dich heute besonders …" Wie bei allen religiösen Handlungen wird auch das Beten am Abend geübt und dadurch flüssiger.

 

Mir gefallen vor allem Gebete, die sowohl etwas Formuliertes haben, als auch die Möglichkeit, selbst etwas zu formulieren. Ich schlage Ihnen darum vor, ein "fertiges" Gebet auszusuchen, das Ihnen geeignet erscheint (Es muss ja nicht für alle Zeit dasselbe bleiben), und anschließend in einen freien Teil überzuleiten. Wenn Sie noch weitere Anregungen für fertig formulierte Gebete brauchen, können Sie auch auf den Seiten der Evangelischen Kirche in Bayern nachschauen. Dort finden Sie auch noch weitere Fragen, die für ein freies Gebet hilfreich sind.

 

Zum Schluss schreibe ich hier noch ein Gebet auf, das ich formuliert habe, weil es mir und Menschen, die ich kenne, manchmal so geht, dass wir keine rechte Ruhe finden können:

Gott, ach, dass ich ruhig schlafe!
Müde bin ich zu genüge,
Zähle Sorgen mehr als Schafe,
Dreh mich mehr, als dass ich liege.

Gott, gib Ruhe meiner Seele!
Dass ich Frieden finden mag.
Denn in Deine Hand befehle
Ich mich jede Nacht und Tag.

(Frank Muchlinsky 2017)

 

Ich grüße herzlich!

Ihr Frank Muchlinsky

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