Marginalie 2. Sonntag nach Trinitatis

gestellt von Cord Kracke am 25. Juni 2017

Sehr geehrter Muchlinsky,

ich habe eine Anschlussfrage an Ihre Antwort an Alexis vom 2.5.2017.
Heute im Gottesdienst hatte ich mich nach der Perikopenordnung der Nordkirche auf Mt 22, 1-14 als Predigt eingestellt. Gepredigt wurde dagegen abweichend (aber gut und schön) über Offenbarung 22, 12-17, weil dies die Marginalie des heutigen Sonntags sei (Stichworte: A und O, Baum des Lebens, Wasser des Lebens umsonst). Laut liturg. Kalender der Nordkirche ist aber 1 Joh 3, 13-18 die Marginalie. Gibt es denn noch andere Marginalien?

Es geht mir nicht um Formalismus. Mich beschleicht nur seit Längerem das Gefühl, dass in meiner Gemeinde Bibeltexte übergangen werden, wenn diese kritisch und fordernd sind (hier 1 Joh) oder vom Zorngericht Gottes sprechen (hier Mt).

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen
Cord

Lieber Cord,

es gibt durchaus noch andere Marginalreihen in anderen Landeskirchen. Woher Ihr Pastor die Perikope Offb 22,12-17 hat, weiß ich nicht. Bitte fragen Sie ihn direkt, aus welcher Marginalreihe er den Text hat. Der 2. Sonntag nach Trinitatis steht ja unter der Überschrift "Die große Einladung". Da passt die Stelle aus der Offenbarung ja sehr gut. Und ehrlich gesagt, halte ich die Stelle auch nicht für weniger herausfordernd als die Matthäusperikope: "Draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Mörder und die Götzendiener und alle, die die Lüge lieben und tun." (Offb 22,15) Das ist schon starker Tobak, oder?

Wie gesagt, fragen Sie Ihren Pastor. Ich nehme mal an, dass er sich über Ihr Interesse freuen wird.

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

Kommentare

Vielen Dank für die Antwort, Herr Muchlinsky!
Tatsächlich ist auch Offb 22, 15 nicht ohne. Aber es ist hier nur 1 Vers zu denen, die am Ende NICHT dazu gehören. Er konnte daher leicht bei der Predigt unter den Tisch fallen gelassen werden. So konnte auch die schwierige Aufgabe umgangen werden, auszulegen, wer z.B. mit "Hunde", "Zauberern" und "Götzendienern" in der heutigen Zeit gemeint sein könnte.
Ganz anders dagegen bei Mt 22. Hier gibt im Grunde nur 1 oder 2 Verse (9+10), die angeben, wer schließlich am Festmahl teilnimmt. Die anderen Verse befassen sich direkt oder indirekt mit den vielen, die aus konkreten Gründen doch NICHT am Fest teilnehmen, obwohl sie ursprünglich eingeladen waren.
Meine Pastorin fand mein Interesse übrigens wunderbar und hat mir netterweise Predigten über Mt 22, 1-14 empfohlen. Offb 22, 12-17 hätte als Marginalie des betreffenden Sonntags bis zur Revision 2001 in der regulären Perikopenordnung der ev.-luth. Kirche in Oldenburg gestanden.
Mit freundlichen Grüßen
Cord

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