Taufe im Garten

gestellt von Svenja Morsch-Schiefer am 20. Juli 2017
Tauffest

Foto: epd-bild/Jens Schulze

Tauffest in der evangelischen Kirchengemeinde Beber, einem Stadtteil von Bad Münder in Niedersachsen. Bei dem Freiluftgottesdienst wurden 30 Täuflinge im Pfarrgarten getauft.

Wir würden gerne in unserem Garten taufen lassen. Wo finde ich einen Pfarrer/in, die das macht? Die Pfarrer/in verweigern das hier in der Gemeinde.

Liebe Frau Morsch-Schiefer,

vielen Dank für Ihre Frage. Schön, dass Sie ihr Kind taufen lassen möchten!

 

Die Taufe ist dem Verständnis der evangelischen Kirche eine öffentliche Veranstaltung, da die Taufe die Aufnahme in die christliche Kirche ist. Diese wird vor Ort durch die Gemeinde vertreten, die sich freut, ihre neuen Mitglieder kennenzulernen. Nur in Ausnahmefällen erlauben die einzelnen Kirchen vor Ort eine Taufe außerhalb des regulären Gottesdienstes. Immer wieder gibt es aber die Möglichkeit, die Taufe in kleinem Rahmen in der Kirche abzuhalten. Außerdem gibt es vermehrt auch open air-Taufgottesdienste, wie Sie z.B. in diesem Artikel nachlesen können. Dass die Taufe privat, z.B. in ihrem Garten, von einer Pfarrerin/einem Pfarrer der Landeskirchen abgehalten wird, wäre sehr ungewöhnlich. Es gibt daher kein Verzeichnis oÄ. von PfarrerInnen, die eine solche abhalten würden.

 

Ich hoffe, Sie finden einen Rahmen (z.B. einen Gottesdienst im kleinen Rahmen oder einen Gottesdienst an einem See), um die Taufe nach Ihren Vorstellungen zu feiern.

 

Herzliche Grüße

Helge Bezold

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Warum machen wir es diesen kirchendistanzierten Menschen, die aber immerhin eine Taufe für ihre Kinder wünschen, den Kontakt zur Kirche so schwer?
Sind unsere Gottesdienste wirklich alle für diese Menschen geeignet? Was wäre, wenn sich viel mehr Pfarrerinnen und Pfarrer auf solche Wünsche einließen? Was wäre, wenn Gemeindeglieder mit kämen und diese Familien erleben ließen, wie wichtig der Gemeinde diese Familien sind? Nicht nur formal, sondern an wirklichem persönlichen Kontakt interessiert. Wo kommt dieser Kontakt ehrlicherweise in den Taufgottesdiensten in unseren Kirchen vor, wenn niemand außer der Pfarrperson aus dem Taufgespräch die Tauffamilie kennt und diese nach dem Gottesdienst wieder zu ihrer Feier verschwindet...

Wir werden bald einen immensen Traditionsabbruch in unseren Kirchen erleben und erleben ihn jetzt schon. Und wenn wir diese Menschen in unseren Kirchen nicht halten, werden diese Feiern zunehmend mit Freien Theologen außerhalb unserer Kirchen stattfinden und ganz ohne unsere Kirchen.

Müssen wir nicht versuchen, diese verheerende Entwicklung möglichst zugewandt aufzuhalten?

Ich widerspreche Ihnen, Herr Kehren.
Ich lebe in der EKHN, im Grenzgebiet zur EKKW. Die EKHN drängt in ihrer Lebensordnung auf Taufen im Sonntagsgottesdienst, während es in der EKKW schon sehr lange Tradition ist, dass die Familien unter der Woche in einem Privatgottesdienst taufen, wenn sie mögen auch in ihrem Haus. Ich kann nicht beobachten, dass die kurhessischen Familien dadurch kirchenverbundener sind, als die hessen-nassauischen, die in der Kirche taufen müssen. Was ich aber beobachten kann, ist, dass die Wünsche bzgl. der Privatgottesdienste immer bizarrer werden. Manche Familien betreiben einen immensen Aufwand, bestellen Sängerinnen und Chöre, schmücken die Kirche aufwändig, lassen das Ganze professionell filmen etc. Ein kurhessischer Kollege erzählte mir, dass eine Familie sich sogar für jedes Kind eigenen Taufschalen getöpfert habe, weil sie wollten, dass ihre Kinder diese als Andenken behalten.
Als Pfarrerin weigere ich mich, solchen Narzissmus auch noch zu unterstützen. Auch deshalb, weil ich Eltern habe, die es sich nicht mal leisten können, ein Mittagessen für die Familie auszurichten und dann dazu tendieren, aus Armut auf die Taufe ihrer Kinder zu verzichten. Nur weil sie bei diesem Bohey nicht mitmachen können und sich schämen. Natürlich kann man dann die Taufe dieser Kinder unter schlichtesten Bedingungen in der Einraumwohnung der Eltern vollziehen, wo's ja keiner mitbekommt, wie ärmlich es zugeht. Wir bieten den Familien lieber die Taufe beim Gemeindefest an, wo wir, - weil wir uns über das neue "Geschwisterchen" so sehr freuen, - die Familie kostenlos bewirten. Auch von den wohlhabenderen Tauffamilien wird das gerne genutzt.

Die Taufe ist nicht nur etwas Individuelles, dass ICH Christ werde, die Kirche/Gott was für MICH tut, MICH feiert, sondern ist die Aufnahme in die christliche Gemeinde. Ich gehe auf in einer Gemeinschaft, darf auch wildfremde Bruder und Schwester nennen, sollte mich aber auch bemühen, wenigstens punktuell diese fremden Schwestern und Brüder an meinem Leben teilhaben zu lassen.

Allerdings kann ich Ihnen dabei zustimmen, dass viele Gemeinden sich bei Taufen Chancen entgehen lassen. Ich war selbst sehr enttäuscht, als mein Patenkind in einer hessen-nassauischen Gemeinde mit 5000 Seelen und vielen jungen Familien getauft wurde. Der erste Sonntag im Monat ist dort immer "Taufsonntag". Es fanden 5 Taufen statt, beim älteren Bruder waren es angeblich 8. Fließband-Taufen quasi... Außer den Tauffamilien war niemand da.
Als ich dem Kollegen meine Verwunderung darüber mitteilte, meinte er nur: "Naja, die kennen das halt alles schon auswendig!" Er spulte tatsächlich jeden dieser Taufgottesdienste nach immer gleichem Muster runter, mit denselben Liedern und Texten, predigte immer über eines der Taufsymbole, mal das Taufkleid, mal die Taube, das Wasser etc., - 6 unterschiedliche Predigten reihum, ziemlich lieblose noch dazu. Als ich ihn auch danach fragte, bekam ich zur Antwort: "Den Eltern ist das doch egal!" Joah, in dem Fall würde ich mal sagen, wie ich in den Wald rufe...

So soll es natürlich nicht laufen! In meiner Gemeinde läuft das auch anders. Wir haben keine festen Taufsonntage, sondern machen in einem Jahresplan deutlich, welche Sonntage sich für Taufen eignen und welche nicht, versuchen den Kasus auch für die Familie verständlich und "inklusiv" gestalten.

Das was Sie sich wünschen ist aber personell schon gar nicht zu leisten. Oder soll ein Pfarrer wie ich, die zwei Sonntagsgottesdienste in Gemeinde X und Y ausfallen lassen, weil Familie Müller da im Garten tauft und nachmittags das Seniorencafé, weil ich da eine Taufe im Heißluftballon zelebrieren muss? Für solche Extrawünsche haben wir bei uns auf dem Land gar nicht mehr das Personal, auch wenn ich nur noch 12 Taufen im Jahr habe. Die paar Prädikanten die wir noch haben, reichen kaum aus, um die Urlaubszeiten und die Gottesdienste an Feiertagen abzudecken. Und selbst dort, wo man noch gut aufgestellt ist, kann man nicht was anfangen, was man in 5 Jahren wieder einstampfen müsste, weil es gar nicht mehr leistbar ist.
Die Taufe freier Theologen wird nicht anerkannt. Freikirchen vertreten i.d.R. Erwachsenentaufen. Konkurrenz müssen wir an dieser Stelle also wohl eher nicht fürchten.

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