Himmel & Hölle: Würde uns Gott von geliebten Menschen trennen?

gestellt von Svenja am 26. Juli 2017

Lieber Herr Bezold, in den letzten Tagen habe ich zunehmend Angst vor dem Tod bzw. sehe die Darstellung des christlichen Gottes durch viele Menschen als beängstigend. Viele reden davon, dass Christen in den Himmel kommen und die anderen sterben müssen (oder sogar in die Hölle kommen, da sie sich ja nicht für Gott entschieden haben), andere sagen, dass über alle geurteilt wird (und wenn man gut genug war lebt man weiter), nur wenige glauben an Allversöhnung (dass Gott am Ende allen vergibt - eine für mich tolle Vorstellung, aber gibt's dafür Belege in der Bibel? Befürchte, dass das nur Wunschdenken ist). Je mehr ich mich informiere, desto verwirrter und hilfloser bin ich, insbesondere, da ich viele Menschen in meiner Umgebung habe, die ich sehr liebe und die aber nicht glauben (überzeugte Atheisten z.B.). Ich wünsche mir so sehr, mit diesen geliebten Menschen in der Ewigkeit in Gottes Frieden vereint sein zu können, und eine Zeit lang gelang es mir auch, darauf und auf Gottes grenzenlose Liebe zu vertrauen. Jetzt, da ich insbesondere online immer wieder lese, dass Ungläubigen der Himmel verwehrt wird bzw. dass eh alles für alle ungewiss ist, habe ich einfach nur Angst, in erster Linie um meine Lieben, die ich nicht verlieren möchte, und auch ein klein wenig um mich. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir antworten. Liebe Grüße Svenja

Liebe Svenja,

ich kann gut verstehen, dass Sie Angst vor dem Tod haben und nach Antworten suchen! Die Frage nach dem Tod geht uns alle an und beschäftigt viele Menschen. Ich finde es wichtig und zugleich mutig, dass Sie sich mit dem Tod beschäftigen und sich informieren. Um mit der Vorstellung des Todes fertig zu werden, müssen wir darüber reden. Das Problem ist, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens seine ganz eigene Vorstellung vom Tod und vom Leben nach dem Tod entwickelt. Je mehr Menschen man also nach dem Tod fragt, desto mehr vermeintliche Antworten erhält man. Glauben Sie also nicht alles, was man Ihnen erzählt und was Sie online lesen, sondern hören Sie auf Ihr Herz!

 

Die Bibel bietet eine ziemlich vielfältige Sammlung zu dieser Frage und kennt ganz verschiedene Bilder von dem, was nach dem Tod passiert. "Belege" bietet sie nicht. Manche Texte klingen optimistischer, andere können uns eher Angst machen. Deshalb muss man die Bibel auslegen. In meiner Auslegung ist die Bibel durchgehend von einer sehr hoffnungsvollen Grundbotschaft geprägt: Gott kümmert sich um jeden Menschen. Er hat sie als sein Ebenbild geschaffen und lässt keinen Menschen fallen. Auch nicht im Tod. Als einzigartiges Zeichen hat Gott Jesus von den Toten auferweckt. Die Liebe Gottes zu jedem Menschen ist größer als der Tod. Das ist die Hoffnung, die den christlichen Glauben ausmacht. Gott will den Menschen als sein Gegenüber und hält diese Beziehung auf ewig aufrecht. Besonders deutlich macht das Paulus in seinem Brief an die römische Gemeinde, die sicherlich auch Antworten auf die Frage nach dem Tod gesucht hat:

„Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ (Röm 8,38f.)

 

Paulus ist sich sicher. Für ihn ist sein eigener Tod wegen der Auferstehung Jesu Christi der größte Gewinn, weil Gott den Tod ein für alle Mal überwunden hat (1Kor 15,55) und er bei Gott sein wird.

 

Im Laufe der Geschichte haben sich ganz verschiedene Varianten dieser Hoffnung entwickelt. Die Hölle ist für mich persönlich ein eher unpassendes Bild. Wie Sie selbst merken, macht diese Vorstellung Angst und lässt den Gedanken zu, dass vermeintliche "Sünder" auf ewig von Gott/uns getrennt sind. Ich halte es an dieser Stelle ganz mit Martin Luther, der für sich erkannt hat, dass alle Menschen vor Gott zugleich Sünder und Gerechte sind. Wir alle machen Fehler und leben unser Leben in der Spannung von Schuld und Vergebung. Niemand hat sich den Himmel oder die Hölle verdient. Das irdische wie das ewige Leben geschieht allein aus Gnade, das ist für mich eine befreiende, evangelische Position. Ich glaube außerdem nicht, dass wir als Menschen beurteilen können, wer "richtig", "falsch" oder nicht glaubt. Wie Gott das Ganze sieht, weiß ich natürlich nicht. Ich hoffe aber darauf, dass die Liebe, die ich in diesem Leben z.B. mit meiner Familie erlebe, ein kleines Anzeichen dafür ist, wie die ewige göttliche Liebe aussieht. Ich hoffe auch darauf, dass das ewige Leben ein Leben in Gemeinschaft ist. Mit Gott und mit "der Gemeinschaft der Heiligen". Wie diese aussieht, lege ich vertrauensvoll in seine Hände.

 

Gott weiß um unsere Sorgen. Als Mensch ist er uns in Jesus begegnet und ist selbst gestorben. Da er selbst Todesangst erlitten hat, weiß er, was Angst vor dem Tod bedeutet. Gerade deshalb können wir uns aufgehoben fühlen bei ihm. Im Leben wie im Sterben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie mit Ihren eigenen Zweifeln und Vorstellungen an diese Hoffnung anknüpfen können.

 

Herzliche Grüße

Helge Bezold

 

p.s. Hier gibt es noch ein spannendes Gespräch von Frank Muchlinsky und Claudius Grigat zum Thema "Jüngstes Gericht" zum Weiterdenken und Nachhören.

Fragen zum Thema

Kommentare

Liebe Svenja,

Ich kann gut verstehen, dass Herr Bezold auf Deine Frage mit versöhnlichen Worten antwortet. Und die Bibel ist tatsächlich voll von hoffnungsvollen, tröstenden Beschreibungen der Liebe Gottes.

Ich würde gerne ergänzen, dass Jesus Christus, der menschgewordene Gott, zu uns gekommen ist, eben weil wir Menschen mit diesem Liebenden Gott in einem gewissen Konflikt stehen: es scheint uns einfach nicht zu gelingen, Seinen Geboten wirklich zu folgen. Und wenn Gott nicht nur gut, sondern auch gerecht ist, dann kann Er das nicht einfach übersehen. Und ganz ehrlich: das möchte ich auch nicht! Es gibt so viel himmelschreiende Ungerechtigkeit, von der ich mir wünsche, dass sie eines Tages in Gerechtigkeit korrigiert wird.

Also was nun? Die Antwort ist eben Jesus Christus. Wie Herr Bezold auch schon schrieb, ist uns in Ihm die größte Hoffnung überhaupt geschenkt. Warum das? Weil Er die gerechte Strafe selbst auf Sich genommen hat! Die Strafe lag auf Ihm, damit wir Frieden haben!

Wichtig ist aber auch, dass die Bibel uns klarmacht, dass diese Gnade nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt wird. du hast ja selbst geschrieben, dass Du der Allvrersöhnungslehre nicht recht trauen magst. Gande kann doch nur annehmen, wer auch um seine Bedürftigkeit weiß. Mit anderen Worten: wer seine Knie beugt und Jesus bittet, seine Sünden zu tragen, der darf sich an der lebendigen Hoffnung freuen!

Ich wünsche Sir dazu den nötigen Mut und die Ehrlichkeit, in Gottes offene Arme zu laufen!

Lieben Gruß, Phil

Lieber Herr Bezold,

besten Dank für Ihre nette Antwort.
Sie hat mir sehr geholfen.

Und nun an Dich, Phil:

Auch dir lieben Dank. Aber nur weil jemand einfach nicht glaubt, dass es Gott gibt, lehnt er ihn oder sein Geschenk ewigen Lebens ja nicht ab?! Er glaubt nicht an dessen Existenz, das hat nichts mit weniger Bedürftigkeit zu tun. Neulich sprach ich mit einem Atheisten, der sagte "Klar wäre ewiges Leben toll!". Also ist das Argument, dass Atheisten Jesu Geschenk gezielt ablehnen, einfach nicht haltbar, sie lehnen es nicht ab, nein, sie glauben nur nicht daran dass es real ist.

Ein weiterer Denkanstoß - wer glaubt denn "richtig"? Der, der es von sich behauptet? Der, der 3x am Tag betet? Jeder zweifelt mal, auch der gläubigste Pfarrer, und umgekehrt verspüren auch die überzeugtesten Atheisten doch eine gewisse Sehnsucht. Die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, die vermutlich JEDER Mensch in sich trägt. Eine Sehnsucht, von der ich denke, dass sie von Gott gestillt werden kann, und wenn Gott alle Menschen liebt, warum sollte er sein Geschenk des ewigen Lebens dann einem Menschen vorenthalten, der sich eigentlich nach genau dieser Liebe und Geborgenheit sehnt, aber nun mal nicht gläubig ist?! Kein Mensch kann WISSEN dass es Gott gibt oder nicht, wir können nur vermuten und glauben, wir ALLE.

Das sind primär die Gedanken einer Religionspädagogin, mit der ich neulich sprach, nur sekundär meine eigenen. Ich fand sie befreiend und auch irgendwie naheliegender als das sture Urteil von "Christen" über "Nichtchristen". Gottes Liebe steht im Mittelpunkt, zumindest hoffe ich das aus tiefstem Herzen.

Zu deiner Gerechtigkeit: Du forderst Vergeltung. Ist das im Sinne von Jesus oder viel mehr etwas menschliches? Jesus hat NIE vergolten, er hat vergeben, bedingungslos. Bedeutet Vergeltung, eine Einteilung in gut und böse, wirklich Gerechtigkeit?! Macht es die Welt besser? Für mich bedeutet die wahre Erlösung, dass das Böse aufhört zu existieren (und nein, nicht ein Mensch im einzelnen ist das Böse, sondern ein kleines Stück böses liegt in der ganzen Welt und leider auch in jedem von uns, schätze ist), dass man einander in den Arm nimmt und Gott all unsere Tränen abwischt. Dazu braucht es für mich persönlich keine Differenzierung, bei der ich selbst über andere gestellt werde, weil ich den "besseren Glauben" hatte. Ich kann nicht wissen, nur hoffen, aber das sind meine Gedanken. Wenn du mir dazu deine Ansicht schreiben magst, gerne.

Grüße! Svenja

Lieber Herr Bezold,

ich bins nochmal. Habe mir eben das Interview angehört, das sie verlinkt hatten unter ihrer Antwort. Was da gesagt wird - toll. Dass jeder Mensch geliebt ist, aber eine "Läuterung" durchlaufen wird, die ihm selbst weh tut, ihn aber auch zu einem besseren Wesen macht und damit auch befreit. Es hat mich aufgebaut, danke vielmals! Auch weil im Interview meines Verständnisses nach der MENSCH betrachtet wurde, nicht nur der "Christ".

Liebe Grüße, Svenja

„Denn es ist besser, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen werde.“ Matt 5 (29)
„Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.“ Matt 7 (19)
„Die aber, für die das Reich bestimmt war, werden hinausgeworfen in die äußerste Finsternis; dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.“ Matt 8 (12)
„...fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.“ Matt 10 (28)
„Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt.“ Matt 13 (41-42)
„Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!“ Matt 25 (41)
„Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.“ Matt 25 (46)
„Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.“
Lukas 3 (17)

Diese rohe Botschaft
vielen Menschen Not schafft.

Es steht geschrieben:Johannes 6
…45Es steht geschrieben in den Propheten: "Sie werden alle von Gott gelehrt sein." Wer es nun hört vom Vater und lernt es, der kommt zu mir. 46Nicht daß jemand den Vater habe gesehen, außer dem, der vom Vater ist; der hat den Vater gesehen. 47Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben.…

Niemand kann dir sagen wie Gott wirklich ist, denn es ist noch niemand zurück auf die Erde gekommen und hat berichtet. Unser Gott ist ein Gott der Liebe und Vergebung und er wird auch niemand "wegwerfen" der nach seinen gesetzen gelebt hat aber durch "Unwissen" an einen Götzen geglaubt hat. Vor dem Tod brauchst du keine Angst haben denn du kannst auch nicht sagen wie du deine Geburt erlebt hast und wann es dir bewußt wurde das du existierst. Der Tod ist so wie Einschlafen nur das du auf dieser Welt nicht mehr wach wirst. Wenn du schlafen gehst, kannst du nicht am nächsten Tag sagen wann genau du eingeschlafen bist. Wenn du dein Leben hinter dir hast und die Schmerzen und Wehwehchen zur Last werden, kann es passieren das du dir sogar wünschst tod zu sein. Wenn du dein Leben nach Gottes gesetzen gelebt hast, brauchst du vor dem Tod keine Angst haben. Gott hat den Menschen unzulänglich geschaffen und es wäre vermessen von Gott den Menschen zu bestrafen für etwas was Gott in den Menschen "eingebaut" hat. Schon Jesus musste feststellen ""Wacht und betet, damit Ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach." (Mt 26,41)". Wichtig ist dass das was im Leben falsch gelaufen ist aufrichtig bereut wird. Vor Gott brauchst du keine Angst haben. Lukas 23
…42Und er sprach zu Jesu: HERR, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! 43Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Jesus hat sogar einem Verbrecher vergeben wel er eingesehen hat dass er Böses getan hat und aufrichtig bereut hat. Man kann auch nicht sagen ob der Verbrecher ein Atheist war oder ein Katholik, Evangele oder Zeuge Jehovas. Der Glaube an Gott aus tiefen Herzen ist entscheidend und nicht ob du jeden Sonntag in der Kirche warst.
Liebe Grüße Christoph.

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