Freundschaft mit Muslimen

gestellt von Andre am 7. August 2017

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Hallo Ich bin seit der Schulzeit, also seit etwa 8 Jahren, mit einem albanischem Muslim befreundet. Wir machen zusammen Sport, gehen zusammen feiern. Wie steht die evangelische Kirche zu dem Thema, Freundschaft zwischen protestantischem Christen und Muslim? Katholen sehen dies offenbar nicht so gerne. Aber muss ich Katholen Glauben schenken? Wäre es in Ordnung, mit ihm auf eine Reise nach Jerusalem zu gehen? Die Stadt ist schließlich für Christen, wie auch für Muslims eine Reise wert.

Lieber Andre,

 

wie schön, von einer solchen langen Freundschaft zu hören! Gerade in Zeiten vieler Konflikte zwischen Religionen ist eine christlich-islamische Freundschaft der lebende Beweis dafür, wie ganz selbstverständlich die Freundschaft mit NichtchristInnen zu einem evangelischen Leben dazugehört.

 

Die Evangelische Kirche in Deutschland bekennt, dass alle Menschen – ganz gleich welcher Religion, Herkunft oder Geschlecht – Geschöpfe und Ebenbilder Gottes sind. Es gibt keinen Grund, nicht mit NichtchristInnen befreundet zu sein. Es gibt aber gute Gründe dafür! Im gegenseitigen Austausch kann man viel voneinander lernen. Außerdem kann man so üben, seinen Glauben zu reflektieren, zu bezeugen und zu üben, auch verschiedener Meinung zu sein. Dieser respektvolle Umgang und lebendige Austausch miteinander ist eine wichtige Fähigkeit und festigt den eigenen Glauben. Das sieht die katholische Kirche – für einen gelingenden Dialog ist es angebracht, sie „Katholiken“ zu nennen – grundlegend genauso.

 

Natürlich gibt es immer wieder Menschen, die den eigenen Lebensentwürfen skeptisch oder ablehnend gegenüberstehen. Vermutlich treibt sie die Angst, man könnte etwas von seinem Christsein aufgeben. Ich persönlich glaube, dass das Gegenteil der Fall ist. Im Umgang und Gespräch zwischen Religionen (erst recht in einer so langen und intensiven Freundschaft!) lernt man besonders viel über den anderen und festigt den eigenen. Einer meiner Lehrer sagt immer: „Nur wer selbst feststeht, kann andere (Menschen und Meinungen) stehen lassen.“ Das bedeutet, dass man seinen christlichen Glauben überzeugt bekennen kann, ohne zu meinen, die/den Andere/n von der eigenen Wahrheit mit Zwang überzeugen zu müssen.

 

Eine Reise nach Jerusalem wäre ein ganz wunderbares Zeichen dafür! Die Heilige Stadt der Jüdinnen und Juden, Muslima und Muslime und Christinnen und Christen ist ein spannender und faszinierender Ort, sowieso eine Reise wert ist und in diesem Fall eine besonders schöne Idee ist, um weiter von- und miteinander zu lernen. 

 

Einen kurzen Bericht zur EKD-Stellungnahme zu diesem Thema mit weiteren Informationen gibt es hier auf unserer Seite. 

 

Alles gute für Ihre Freundschaft und herzliche Grüße

Helge Bezold

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