Muss eine Ehe vor Gott öffentlich sein?

gestellt von Stefan Krycki am 16. August 2017

Sehr geehrter Herr Pfarrer Muchlinsky!

Ich frage mich persönlich, ob die Ehe vor Gott von einem Geistlichen geschlossen werden MUSS. Eine Ehe ist ein auflöslicher Bund - vor Gott! ( da bedarf es auch meiner Meinung nach keiner staatlichen Bestätigung (Standesamt) ) man schwört dem Partner ewige Treue und verspricht dies von beiden Seiten auch Gott.

Wieso muss Es öffentlich sein? Ein Vergleichsbeispiel ist die Sündenvergebung. In einem Gottesdienst segnet der Pastor die Gemeinde und spricht in Namen des Heiligen Geistes die Sündenvergebung aus. Aber ist es nicht auch so, dass dies sowie auch der Treueschwur auch in einem (lauten) Gebet vor Gott anerkannt werden kann? Ich meine, wenn beide Partner gläubig sind, also den Heiligen Geist und die direkte Verbindung zu Jesus haben, dann können doch auch beide sich direkt an den Herrn persönlich wenden und sich im Gebet die Sünden vergeben lassen bzw. einander die Treue vor Gott schwören.

Was ist ihre Meinung?
Ich danke Ihnen im Voraus und bin sehr gespannt.

Lieber Herr Krycki,

 

herzlichen Dank für Ihre interessante Frage! Für meine Antwort sollte ich ein paar Dinge klarstellen:

Ihre Definition von Ehe ist eine sehr persönliche und keine allgemeingültige. In Deutschland ist die Ehe eine rechtlich geregelte Form des Zusammenlebens. Das Bürgerliche Gesetzbuch (Buch 4, Abschnitt 1) regelt die Einzelheiten einer Ehe ausgesprochen genau.

De evangelische Kirche übernimmt diese Definition der Ehe. Auch nach evangelisch-kirchlichem Verständnis ist die Ehe ein Vertrag, der durch die Gesetzgebung geregelt wird, und den man auf dem Standesamt schließt.

 

Die Ehe ist auch kein Schwur, den man sich gegenseitig (und Gott gegenüber) leistet. In der katholischen Kirche gibt es zwar die Vorstellung von der Ehe als Sakrament, das sich die Eheleute gegenseitig spenden, aber selbst in dieser Vorstellung ist das Eheversprechen eben genau das: Ein versprechen und kein Schwur.

 

Dann: Der christliche Glaube ist keine reine Privatangelegenheit. Wichtige Dinge geschehen immer öffentlich. Das unterscheidet das Christentum als Religion von esoterischen Geheimgesellschaften. Eine Trauung geschieht in einem Gottesdienst. Der Pfarrer ist dabei nicht die Hauptsache, sondern die Gemeinde. Ein Gottesdienst aber muss immer öffentlich sein, um eben zu vermeiden, dass sich irgendwelche Geheimzirkel entwickeln, die ihr eigenes Ding machen und sich dennoch noch Kirche nennen.

 

Natürlich kann sich jeder gläubige Mensch direkt an Gott wenden, und auch ein Paar kann gemeinsam beten. Aber dadurch wird eben nichts geregelt, was irgendeine rechtliche Bedeutung hätte. Ein Treueversprechen, das man einander vor Gott gibt, ohne dass jemand anderes anwesend ist – und vor allem, ohne dass man zuvor rechtlich verheiratet wurde – ist sicherlich romantisch und schön, und auch Gott mag sich darüber freuen. Aber mehr ist es eben nicht.

 

Ich grüße Sie herzlich.

Frank Muchlinsky

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