Freundin will keinen Sex vor der Ehe

gestellt von Jona am 31. August 2017

Guten Abend Herr Muchlinsky,

Ich habe jetzt nun schon seit einigen Monaten eine Freundin, die ich auf einer christlichen Freizeit kennengelernt hab. Sie selber ist sich mittlerweile ziemlich sicher einen Weg mit Gott zu gehen. Ich selber bin zurzeit noch eher in der "Suchphase". Ich habe viele Fragen an und über Gott und mir fällt es schwer an ihn zu glauben oder gewisse Vorstellungen von ihm überhaupt erstmal zu mögen. Jedoch bin ich mir ziemlich sicher, dass die Bibel ein Buch ist, welches heutzutage anders gelesen werden muss als noch "vor 2000 Jahren".

So sehe ich das unter anderem mit der Sexualität vor der Ehe. Ich bin der Meinung, dass Kinder nur in einer gefestigten Partnerschaft zur Welt kommen sollten, jedoch Zärtlichkeiten schon davor ausgetauscht werden dürfen. Da die Bibel eigentlich die Liebe zwischen Menschen anpreist. Natürlich nur in einem verantwortungs-, verständnisvollen, fürsorglichem Rahmen.

 

Meine Freundin ist jedoch zurzeit eher von der "Sex gehört in die Ehe" Idee überzeugt, aber meiner Meinung nach vor allem weil sie glaubt, dass Gott sonst von ihr enttäuscht wäre. Wir küssen uns oft, umarmen uns und kuscheln im selben Bett, aber trotzdem hat sie Körperstellen die tabu sind. Das ist ja auch erstmal nichts schlechtes, sie soll sich Zeit lassen und auch ich wollte mit unserem ersten Mal noch auf den richtigen Augenblick warten, aber ich merke natürlich langsam auch, dass ich mehr will als sie.
Auf keinen Fall will ich sie unter Druck setzen, das hab ich ihr auch gesagt, trotzdem würde ich mit ihr schon nochmal gerne darüber diskutieren und vielleicht überdenkt sie ihren jetzigen Standpunkt nochmal.

 

Aber jetzt zu meiner Frage ;) Was denken Sie darüber, sind Sie der Überzeugung meiner Freundin, wenn ja was sind die Gründe und wenn nicht, haben Sie vielleicht noch Ansätze wie ich ihr meinen Standpunkt möglichst verständlich darlegen kann?

Schon jetzt tausend Dank fürs lesen und noch einmal mehr für eine Antwort! :)

Lieber Jona,

 

das Wichtigste haben Sie bereits selbst geschrieben: Sie wollen ihre Freundin "nicht unter Druck setzen". Wenn jemand keinen Sex haben will, spielt es überhaupt keine Rolle, was die Gründe dafür sind. Das Nein gilt.

 

Gleichzeitig ist es gut, über Sex zu reden: Über die Wünsche, Träume und auch über die Vorbehalte, Ängste und Befürchtungen. Darum könnte ich Ihnen durchaus Gründe nennen, warum ich der Meinung bin, dass Sex vor der Ehe kein Problem für Christen darstellen sollte. Andererseits kommt es aber darauf an, dass Sie sich die Argumente nicht von mir leihen, wenn Sie mit ihr sprechen. Es ist für ein Gespräch wie Ihres nicht hilfreich, wenn einer der Partner sich sozusagen eine Autorität ins Boot holt. Sie schreiben, dass Sie selbst nicht an Gott glauben, und das bedeutet, dass es schwierig wird, wenn Sie theologisch argumentieren. Wenn Sie, wie Sie sagen, in der "Suchphase" sind, dann sollten Sie sich von Ihrer Freundin erklären lassen, warum sie meint, Gott zu enttäuschen, wenn sie mit Ihnen schläft. Versuchen Sie, die Argumente Ihrer Freundin zu verstehen, und sagen Sie ihr wiederum, was für eine Vorstellung Sie selbst von Gott haben … oder hätten. Hat Gott – wenn es ihn für Sie gibt – ein Interesse daran, ob Menschen verheiratet sind, wenn sie miteinander Sex haben wollen? Wie begründen Sie, Jona,  selbst das?

 

Im Grunde genommen möchte ich Ihnen sagen, dass Sie mit Ihrer Freundin vor allem ein Gespräch über Ihren Glauben führen müssen, denn wenn der Glaube Ihrer Freundin sie dazu bringt, dass sie keinen Sex vor der Ehe haben möchte, kann ich mir denken, dass dieser Glaube auch in vielen anderen Bereichen wichtige Entscheidungen beeinflusst. Tauschen Sie sich darüber aus, wovon Sie Ihr Leben bestimmen lassen möchten und welche Rolle Gott dabei spielt. Auf diese Weise können Sie zu dem Punkt gelangen, an dem Sie gemeinsam Entscheidungen für Ihre Partnerschaft treffen … Ein Umweg, wenn Sie so wollen, andererseits der direkte Weg zu dem Thema, das Sie beide sehr betrifft.

 

Ich grüße sehr herzlich.

Frank Muchlinsky

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