Unterwandern die Charismatiker die traditionellen Kirchen?

gestellt von Sabine am 14. Januar 2018
Freikirchen

Foto: Getty Images/iStockphoto/boygovideo

Hallo! In wie weit hat die charismatische Lehre Einfluss auf ev.-luth. Gemeinden? Ich halte nicht viel von dieser Bewegung und habe große Angst das früher oder später selbst traditionellere Gemeinden unterwandert werden.
Danke

Liebe Sabine,

die Charismatische Bewegung ist, wie Sie vielleicht wissen, schon lange auch in den deutschen Landeskirchen tätig. Bereits in den 1960er Jahren gründete sich die sogenannte „Geistliche Gemeindeerneuerung“ (GGE), deren Ziel es ist, in den Kirchen den heiligen Geist erfahrbarer zu machen. Dabei stehen die sogenannten Geistgaben oder Charismen im Vordergrund. Vor allem Prophetie, Zungenreden und Heilung werden in entsprechenden Gottesdiensten zelebriert.

Haus- und Gebetskreise sind ebenso wichtig wie Anbetungsgottesdienste. Diakonisches handeln wird immer auch als evangelisierendes handeln verstanden. Der einzelne Christ soll erneuert werden und der Heilige Geist ihn und die Gemeinde erneuern. Dieses Streben nach dem „Erfülltwerden mit Heiligem Geist“ macht deutlich, wo die charismatische Bewegung ihre Ursprünge hat, nämlich in der Pfingstbewegung vom Anfang des 20. Jahrhunderts.

Die Pfingstgemeinden sind nun freilich Freikirchen, haben also keinen direkten Einfluss auf die Landeskirchen. Die GGE will aber innerhalb der verfassten Kirche in diesem Sinne „pfingstlerisch“ wirken. Ihr Einfluss ist allerdings in Deutschland insgesamt eher schwach. Hier uns da gibt es Gemeinden, in denen sich der „charismatische“ Ansatz durchsetzt, doch ist dies häufig nicht von langer Dauer. Sie müssen bedenken, dass es immer Kirchenvorstände bzw. Kirchengemeinderäte gibt, die solch deutlichen Veränderungen im Gemeindeleben zustimmen müssen. Und wenn die Gemeinde selbst mit solchen Veränderungen nicht zufrieden ist, werden diese Kirchenvorsteher beider nächsten Wahl eben nicht wiedergewählt.

Die Einflüsse der GGE sind in den einzelnen Gemeinden verschieden stark. Ebenso sind ihre Ziele unterschiedlich drastisch. Darum kommt es seit den 1980er Jahren zu dem Phänomen, dass sich eher radikale Vertreter der GGE dazu entschließen, die landeskirchlichen Gemeinden zu verlassen und eigene Gemeinden zu gründen. Damit rücken sie wieder näher an die Pfingstgemeinden heran.

Wenn Sie Angst vor einer „Unterwanderung“ Ihrer eigenen Gemeinde haben, kann ich Ihnen nur raten, dass Sie genau hinschauen, was sich tut, und dass Sie entsprechend handeln, wenn Ihnen etwas zu weit geht. Dafür sind unsere Kirchen schließlich demokratisch verfasst, dass wir uns einmischen können.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch die Lektüre des kleinen Lexikoneintrags der „Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen“ zur Charismatischen Bewegung empfehlen. Hier wird knapp, anschaulich und ausgewogen über diese Bewegung informiert.

Ich grüße herzlich!

Frank Muchlinsky

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Kommentare

"Und wenn die Gemeinde selbst mit solchen Veränderungen nicht zufrieden ist, werden diese Kirchenvorsteher beider nächsten Wahl eben nicht wiedergewählt".
Soso!
Soooo einfach ist es nun auch wieder nicht!

Charismatiker wurden gewählt und sitzen schon lange in den kirchlichen Gemeindegremien. Die meisten haben eine doppelte Mitgliedschaft. Einen Doppelpass sozusagen!
Sind also sowohl freikirchlich als auch volkskirchlich. Man sollte sich fragen, wer diese doppelte Mitgliedschaft zugelassen hat!?
Schätze mal, dass die Charismatiker selbst dies einstimmig genehmigt haben.

Pfingstler alias die Charismatiker sind nach und nach unmerklich in unsere Kirchengemeinden eingedrungen, und sitzen dort in verantwortlichen Positionen.
Die lutherischen "solis" sollen zersetzt werden als auch unser Glaubensbekenntnis. Die meisten Volkskirchler haben sich zwischenzeitlich mit dieser Unterwanderung abgefunden,
und nicken alle Veränderungen ohne zögern ab. Tscha! Unsere Pfarrer sind mit ihrem Latein am Ende, stehen da, wie die Ochsen vor`m Berg!

Niemand hat eine Lösung parat! Das ist das Problem!

In einigen württembergischen Kirchengemeinden sind es nicht die Pfingstler sondern die Pietisten, die das Gemeindeleben "stören".
Die Pietisten haben sich vorgenommen, die Kinder und Jugendlichen einzuheimsen und betreiben deswegen intensive Kinder-Jugend-und Musikarbeit.
An den Wochenenden und in den Ferien werden Lego- Playmobil- und Kampf der Giganten Events angeboten als auch Lagerfeuerromantik mit Cowboy- und Indianer- Spielen in irgendwelchen Camps, abseits der Zivilisation, wo man in Ruhe missionieren kann. . Pietisten vereinnahmen sogar städtische Schulklassen (Klasse 1-4) und natürlich auch alle überkonfessionellen Kindergärten. Sogar die Mütter von Krippenkindern werden entlastet, indem ein Babysitterdienst mit "Kinderbibel vorlesen" angeboten wird. Kostenfrei natürlich. Äh, meine natürlich auf Kosten der Kirchengemeinde. Zudem ist natürlich auch die ökumenische Laienbewegung aktiv in den evangelischen Kirchengemeinden und belegen die restlichen Sonntage- und Wochentage mit ihren weltweiten Anliegen (hier stehen mehr die vergewaltigten und geschlagenen Frauen im Zentrum und sonstige Probleme der Drittländer, wie Kinderarbeit...
Es ist aber alles halb so wild, weil die meisten Mitglieder der Landeskirchen gar nicht checken, dass wir uns vom evangelisch-sein immer weiter entfernen. Schlimmer kommt`s nimmer!

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