Was versteht man unter christlicher Verkündigung?

gestellt von Roland Mollet am 11. März 2018

Lieber Herr Muchlinsky,

wir haben hier im Bekanntenkreis (alle regelmäßige Kirchgänger/innen und aktive Gemeindeglieder) eine Diskussion über den Begriff "Verkündigung". Was genau versteht man darunter?
Wer gehört alles zum Kreis der Verkündigenden?
Können Sie helfen?

Vielen Dank im Voraus!
Liebe freundliche Grüße,

Roland Mollet

 

Lieber Herr Mollet,

 

Ich werde mich Ihrer Frage stellvertretend für Herrn Muchlinsky widmen. Unter christlicher Verkündigung versteht man die Verbreitung des Evangeliums an alle Welt. Verkündigung geschieht also, wenn Jesus Christus vergegenwärtigt wird, denn dann wird dem "Wort Gottes" Raum geschaffen. Dieses Wort Gottes ist Jesus Christus selbst, in ihm hat  Gott sich der Welt offenbart.

Jesus selbst verkündigte den Anbruch des Reich Gottes, das tat er auch schon in unterschiedlichen Formen: durch seine Gleichnisse (also erzählerisch), durch seine Heilungen (praktisch-diakonisch) durch sein eigenes Leben bis in den Tod am Kreuz. Die Bibel erzählt von dieser Verkündigung sie sei "mit Vollmacht" geschehen und beschreibt damit, dass in Jesus Gott selbst unter den Menschen lebte. Mit Jesu Tod begann die Verkündigung der Kirche - diese verkündet den lebendigen Christus. In der Confessio Augustana, dem Bekenntnistext der Reformatoren von 1530 wird diese kirchliche Aufgabe knackig zusammengefasst:

 

Vom Predigtamt  (CA V)

 

Solchen Glauben zu erlangen hat Gott das

Predigtamt eingesetzt, Evangelium und Sakramente

gegeben, dadurch er, als durch Mittel,

den heiligen Geist gibt, welcher den Glauben,

wo und wann er will, in denen, die das

Evangelium hören, wirkt, welches lehrt, daß

wir durch Christi Verdienst, nicht durch unser

Verdienst, einen gnädigen Gott haben, so wir

solches glauben.

 

 

Die Verkündigung geschieht einerseits durch die Predigt - als Auslegung der Bibel, jedoch ebenfalls durch die Sakramente - Taufe und Abendmahl. Den Glauben in den Hörenden und Teilnehmenden hervorzubringen ist Sinn und Zweck der Verkündigung – aber der Heilige Geist bringt wirkt den Glauben "wo und wann er will", darüber kann der Mensch nicht verfügen.

Diese Einschränkung kann uns bremsen unser menschliches Worte zu überfrachten. Zugleich soll es nicht  unterschätzt werden. Durch die Verkündigung - zum Beispiel in der Predigt werden nicht nur biblische Geschichten erzählt, sondern Gottes Zuspruch- das Evangelium kann durch das äußere Wort zu den Hörenden kommen. Doch nicht nur in Form der Predigt wird das Evangelium kundgetan, das kann in ganz unterschiedlichen Mitteilungsformen geschehen und dies bedeutet- um auf ihre zweite Frage zu kommen-, dass auch ganz verschiedene Ämter und Gruppen an der Verkündigung teilhaben.

Die Musik im Gottesdienst ist ebenfalls Teil der Verkündigung- Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker vertonen sozusagen das Evangelium - ohne den Gesang und die Musik im Gottesdienst würde die Verkündigung um vieles ärmer. Die Diakonie, also die tätige Liebe am Nächsten ist gelebtes Evangelium und Kernaufgabe der Kirche Jesu Christi- und also solche eine gelebte Form der Verkündigung.

Woran man bei der Verkündigung vermutlich zuerst denkt ist die Predigt im Gottesdienst, sie wird in der Regel von Pfarrerinnen und Pfarrern gehalten, die für das Predigtamt ordiniert - also von der Kirche eingesetzt werden. Und so haben Pfarrerinnen und Pfarrer auch das sogenannte "Kanzelrecht" inne, sie können jedoch auch andere getaufte Christinnen und Christen auf "ihrer" Kanzel predigen lassen.

 

Lassen Sie es mich so sagen: wer verkündet, der bringt die frohe Botschaft unter die Menschen. Das kann in aller Buntheit der Formen geschehen, dort wo Jesus als der lebendige Christus gepredigt, gesungen, gebärdet, gedolmetscht uvm. wird.

 

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit dieser Antwort weiterhelfen und grüße Sie herzlich,

 

Maike Weiß

 

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Kommentare

Wenn ich Ihre Antwort so lese, frage ich mich was bitte die Kirche heute noch damit zu tun hat was Jesus den Menschen mit auf den Weg gegeben hat.
Jesus sendete seine Nachfolger komischerweise zu den Menschen hin und sagte Ihnen sie sollen über Gottes Reich sprechen.

Luk. 8,1 "1 Und es begab sich danach, dass er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf zog und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes; und die Zwölf waren mit ihm,"

Mat. 28,19+20 "19 Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe."

Mat. 10,11-13 "11 Wenn ihr aber in eine Stadt oder ein Dorf geht, da erkundigt euch, ob jemand darin ist, der es wert ist; bei dem bleibt, bis ihr weiterzieht.
12 Wenn ihr aber in ein Haus geht, so grüßt es;
13 und wenn es das Haus wert ist, kehre euer Friede dort ein. Ist es aber nicht wert, so wende sich euer Friede wieder zu euch. "

Apostelgeschichte 5,42 "42 und sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und hier und dort in den Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von Jesus Christus. "

Also das Verkündigen sollte eine aktive Handlung sein, nicht ein warten oder einfach durch das Leben anderen "zeigen"!

Für mich wird aus Ihrem Kommentar nicht  deutlich, welche Form der Verkündigung Sie in der Kirche vermissen. Der Gottesdienst ist der Ort der öffentlichen Wortverkündigung, in der nach meiner Erfahrung darüber nachgedacht, gesprochen und gesungen wird, wo und wie Gottes Reich erfahrbar wird. Das Evangelium wird jedoch nicht nur hinter geschlossenen Kirchentüren verkündigt, gerade in der tätigen Liebe kommt es auch in die Häuser der Menschen- wenn es gelebt wird: im Gegensatz zu Ihnen scheint mir dieses "Zeigen" der Liebe Gottes durch das eigene Leben alles andere als "einfach" oder selbstverständlich zu sein.

Wanderprediger, die von Haus zu Haus ziehen sind heute tatsächlich eher eine Seltenheit - und ich meine auch bei der Verkündigung gilt es darauf zu achten, dem Gegenüber nichts überzustülpen und seinen Schutzraum nicht zu verletzen.

 

Es ist genau das was Sie hier wieder ablehnen, so wie Jesus es vorgelebt hat zu allen Menschen hin zu gehen! Aktiv auf sie zu zugehen. Das ist das verkündigen des Königreiches Gottes!
Nicht einfach von einer Kanzel eine Predigt halten und dabei so gut wie gar nicht die Bibel gebrauchen sondern nur eigene Gedanken zu verbeiten.
Die Kirche von heute hat sich komplett von dem abgewandt was Jesus seinen Jüngern aufgetragen hat. Hat unzählbar viele heidnische und unchristliche Bräuche übernommen. Das ist einfach nur traurig!

Präzisieren Sie doch mal, Johannes, was Sie selbst mit Verkündigung meinen. Zu zweit mit schwarzem Aktenköfferchen und ordentlich gescheitelt von Haus zu Haus ziehen, klingeln, die Öffnenden ohne deren Einladung in ein Gespräch verwickeln und dabei "Überzeugungstechniken" zu gebrauchen, die auch manche Staubsauger- und Zeitschriftenverkäufer oder Verkäufer bei Kaffeefahrten bei ihren zwielichtigen Geschäften anwenden? "Wenn der Kunde so reagiert, dann reagiere so... bis du den Vertrag in der Tasche hast."
Oder gar mit dem nahen "Armageddon" drohen, das nur wenige Auserwählte (Sie vielleicht?) überleben werden?
Oder ist für Sie Verkündigung nur Menschen, die Sie nicht gerufen haben, mit - meist völlig aus dem Zusammenhang gerissenen - Bibelzitaten argumentativ zu erschlagen, so dass sie sich völlig eingeschüchtert Ihrer Gemeinschaft anschließen?

Ich weiß nicht, ob mein Neues Testament dasselbe ist, wie Ihres, aber ich kann nirgends erkennen, dass die Jünger auf diese Arten das Evangelium unter die Menschen brachten, sondern höflich auf eine Einladung warteten.

Und nur so nebenbei... Als Jesus seinen Jüngern den Auftrag der Verkündigung gab, hatten die gar keine Bibel dabei, denn nicht eine der neutestamentlichen Schriften existierte zu diesem Zeitpunkt. Sie erzählten von den Erlebnissen und Erfahrungen, die sie mit Jesus gemacht hatten und seiner Auslegung alttestamentarischer Schriften und jüdischer Überlieferung.
Auch im weiteren Verlauf der Kirchengeschichte passt Ihre Vorstellung nicht. Die große Missionare des frühen Mittelalters haben keine Bibeln dabei gehabt, aus der sie zitieren konnten. Das, wie sie den Menschen den christlichen Glauben nahe brachten und was sie ihnen von Jesus erzählten, war immer ihre Erfahrung und ihre Interpretation.

Lukas 10,1-12: "1 Danach setzte der Herr zweiundsiebzig andere ein und sandte sie je zwei und zwei vor sich her in alle Städte und Orte, wohin er gehen wollte,
2 und sprach zu ihnen: Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenige. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte.
3 Geht hin; siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe.
4 Tragt keinen Geldbeutel bei euch, keine Tasche, keine Schuhe, und grüßt niemanden auf der Straße.
5 Wenn ihr in ein Haus kommt, sprecht zuerst: Friede sei diesem Hause!
6 Und wenn dort ein Kind des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen; wenn aber nicht, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden.
7 In demselben Haus aber bleibt, esst und trinkt, was man euch gibt; denn ein Arbeiter ist seines Lohnes wert. Ihr sollt nicht von einem Haus zum andern gehen.
8 Und wenn ihr in eine Stadt kommt und sie euch aufnehmen, dann esst, was euch vorgesetzt wird,
9 und heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen.
10 Wenn ihr aber in eine Stadt kommt und sie euch nicht aufnehmen, so geht hinaus auf ihre Straßen und sprecht:
11 Auch den Staub aus eurer Stadt, der sich an unsre Füße gehängt hat, schütteln wir ab auf euch. Doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.
12 Ich sage euch: Es wird Sodom erträglicher ergehen an jenem Tage als dieser Stadt. "

aus der Lutherbibel 2017

Mat. 10,11-13 "11 Wenn ihr aber in eine Stadt oder ein Dorf geht, da erkundigt euch, ob jemand darin ist, der es wert ist; bei dem bleibt, bis ihr weiterzieht.
12 Wenn ihr aber in ein Haus geht, so grüßt es;
13 und wenn es das Haus wert ist, kehre euer Friede dort ein. Ist es aber nicht wert, so wende sich euer Friede wieder zu euch. "

Apostelgeschichte 5,42 "42 und sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und hier und dort in den Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von Jesus Christus. "

Also wenn das nicht in Ihrem Neuen Testament steht, weiß ich nicht was für ein Buch sie benutzen. Oder haben Sie vielleicht nie wirklich hineingesehen?

Zu Ihrer Information, Jesus und auch die Apostel zitierten immer wieder aus den damals vorhandenen hebräischen Schriften:

Mathäus 21 "42 Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der Schrift (Psalm 118,22-23): »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen, und er ist ein Wunder vor unsern Augen«? "

Matthaus 21 "12 Und Jesus ging in den Tempel hinein und trieb hinaus alle Verkäufer und Käufer im Tempel und stieß die Tische der Geldwechsler um und die Stände der Taubenhändler
13 und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben (Jesaja 56,7): »Mein Haus soll ein Bethaus heißen«; ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus. "

Nur so nebenbei, meine Aussagen sind auf Gottes Wort gestützt, und diese Texe sind nicht aus dem Zusammenhang gerissen. Und wie sieht das bei Ihnen aus?

Und der Grund warum man die Bibel als Christ gebrauchen muss:

2. Timotheus 3 "16 Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit,
17 dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt. "

Der Leser wende nun unterscheidungsvermögen an:
Die Auszüge aus dem Worte Gottes kann man nicht bezweifeln.

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