Wer ist Gott? Gott? Jesus? Heiliger Geist?

gestellt von selina Demircelik am 22. Mai 2018
Symbolbild Trinitatis

Foto: epd-bild/Rainer Oettel

Der Heilige Geist ist der Geist Gottes, Jesus ist Gott, Jesus ist ein Prophet und Jesus ist der Sohn Gottes. Wer ist denn jetzt Gott? Ist Gott Gott oder ist Jesus Gott? Kann Jesus ein Prophet sein und gleichzeitig Gott? Wenn ich im Internet nach einer Antwort suche finde ich keine. Das ist alles ziemlich verwirrend für mich.
Ich würde mich freuen wenn ich eine Rückmeldung bekommen würde :)
LG. Selina

Liebe Selina,

wie schön, dass Sie diese Frage ausgerechnet stellen, wo gerade das Trinitatis-Fest ansteht. An diesem Tag feiert die Kirche die Dreieinigkeit Gottes, eben als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Trinitatis ist das letzte Kirchenfest einer langen Reihe, die im Grunde bereits mit Weihnachten beginnt. Das will ich ganz kurz auflisten:

  • Weihnachten: Wir feiern die Geburt Jesu. Gottes Sohn wird geboren.
  • Epiphanias: Wir feiern den Besuch der Weisen aus dem Morgenland beim neugeborenen Jesus. Sie bringen nicht nur Geschenke, sondern sie beten ihn an. Dadurch betont das Fest die Göttlichkeit Jesu.
  • Karfreitag: Wir denken an den Tod Jesu. Hier wird deutlich, wie menschlich er ist, denn Gott ist schließlich unsterblich.
  • Ostern: Wir feiern die Auferstehung Jesu. Hier wird wieder deutlich, wie göttlich Jesus Christus ist.
  • Himmelfahrt: Wir feiern sozusagen die "Wiedervereinigung" von Jesus Christus mit Gott, weil Jesus Christus nun mit Gott gemeinsam im Himmel ist.
  • Pfingsten: Wir feiern, dass Jesus Christus uns den Heiligen Geist schickt. Hier wird deutlich, dass Gott in den Christinnen und Christen wirkt.
  • Trinitatis: Wir feiern, dass wir Gott als Vater und Schöpfer erfahren. Wir feiern Gott, der uns in seinem Sohn Jesus Christus so nah kam, wie niemals zuvor und niemals wieder. Und wir feiern, dass wir Gott weiterhin spüren in dem Geist, den er uns geschenkt hat, in der Liebe zueinander und zur ganzen Welt.

Sie sehen also: Es gibt nicht nur die eine Antwort im Christentum auf die Frage, wer Gott ist, sondern es gibt drei Antworten, weil Gott sich uns Menschen in dreifacher Weise offenbart. Ich bemühe gern das Bild der Sonne dafür, die wir auch auf verschiedene Weise erfahren: Sie ist ein Fixstern im Zentrum unseres Sonnensystems. Sie ist gleichzeitig das Licht, das von ihr ausgeht, und das über riesige Distanzen hinweg leuchtet. Und schließlich ist sie die Wärme, die bei uns auf der Erde entsteht, wenn ihr Licht auf uns trifft. Ist die Sonne also Stern, Licht oder Wärme? Sie kann alles gleichzeitig sein. So verstehe ich das auch mit Gott. Er ist der Schöpfer von allem, er ist Mensch geworden in Jesus Christus, und er ist die Kraft, die uns antreibt, die Liebe, die uns erfüllt, die Hoffnung, die wir haben.

Nur eine Aussage von denen, die Sie aufgeschrieben haben, ist ein wenig irreführend, wenn es um das christliche Verständnis geht: Jesus ist kein Prophet, denn ein Prophet ist ausschließlich ein Mensch. Jesus aber war, so bekennt es die christliche Kirche seit vielen Jahrhunderten "wahrer Mensch und wahrer Gott". So bekennt es die gesamte Christenheit in dem Glaubensbekenntnis von Nicäa/Konstantinopel Jesus einen Propheten zu nennen, ist darum keine christliche Aussage. Jesus selbst hat sich anscheinend durchaus mit den alttestamentlichen Propheten verglichen, aber für die Kirche ist er wesentlich mehr als nur das.

Ein frohes Trinitatisfest wünscht

Frank Muchlinsky

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Kommentare

Ganz verstanden habe ich die Erklärung nicht. Gott, Jesus und heiliger Geist. Wenn ich bete , dann meistens zu Gott. Und gleichzeitig möchte ich auch zu Jesus Christus beten. Das mit den heiligen Geist habe ich verstanden. Bete ich zu Jesus Christus, glaube ich Gott zu verletzen , denn er ist der Schöpfer aller Dinge. Wie mache ich es richtig. ?

Lieber Herr Muchlinsky:
Zunächst mal ist es falsch das die „gesamte Christenheit“ von je her an den Beschlüssen von Nicäa und Konstantinopel festhält.Vielmehr ist es so,das bereits sehr früh all jene von der „Christlichen Kirche“ verfolgt und auch ermordet wurden,die sich diesen „Bekenntnissen“ widersetzten,obwohl sie an Christus und die Worte der Bibel glaubten.Dadurch behielt die Dreieinigkeitskirche zwar ihre Vormachtstellung,aber noch nicht recht.Tatsächlich musste das Dreieinigkeitsdogma sogar in der Römischen Kirche erst in folgenden Jahrhunderten ausformuliert werden,weil es immer wieder zu Widersprüchen und Ungereimtheiten führt.Aber aufgrund der Widersprüche war es für die “Rechtgläubige“ Kirche natürlich sehr wichtig Widerspruch gänzlich zu unterbinden,damit die Dogmatik auf der die „Rechtgläubige“ Kirche bis zum heutigen Tage aufbaut,nicht ins Wanken gerät,und somit auch die „Rechtgläubige“ Kirche.Historisch erwiesen ist das Christen die es wagten dem Dreieinigen Gottesbild zu widersprechen und versuchten dies Lehrmässig zu formulieren,als Ketzer verfolgt und ermordet wurden,wie alle anderen auch die einem Kirchendogma (begründbar!) widersprachen.Luther der ja auch uneins mit der Kirche der er ursprünglich angehörte war,wurde von dieser auch als Ketzer verfolgt,und als Teufel beschimpft,und wäre sicherlich auch getötet worden hätte er nicht unter dem Schutz mächtiger irdischer Herren gestanden.Obwohl er dem Dreieinigkeitsdogma nicht grundsätzlich widersprach.Wieviel mehr Must du dich vor solch einer Kirche fürchten wenn du ihr Gottesbild in Frage stellst?Und genau so war es.Grundsätzlich kann man sagen:Entweder du glaubtest an die Dreieinigkeit Gottes oder du warst ein Ketzer und somit des Todes.
Schon zur Zeit der genannten Konzile war es ganz und gar nicht so das die „Gesamte Christenheit“ in diesem Punkt einer Meinung war,sondern Nicäa diente ja besonders dem Zweck dieser Streitfrage ein Ende zu machen,was aber nicht aufgrund von allgemein anerkannten und voller Überzeugung angenommenen Argumenten geschah,sondern durch Kaiserlichen Beschluss,und zwar eines alles andere als Christlichen Kaisers.
Die Entwicklung hin zu einer anderen,einer nicht „Dreieinigen“ Sichtweise,die auch einfachen Menschen zugänglichen wurde,konnte sich nur unter dem Einfluss der Aufklärung und einem allgemein freiheitlicheren Menschenbild vollziehen.Dies geschah zunächst in den USA in denen Menschengruppen auch aufgrund des Bibelstudiums,sich ähnlich wie in der Reformationszeit,zu neuen „Konfessionen“ zusammenschlossen.Auch diese gibt es heute noch,ebenso wie die einstmals bekämpfte Lutherische Kirche,oder die wiederum von Luther bekämpften „Wiedertäufer“,und wenn die Dreieinigkeitskirche nicht wieder zu ihren Gewalttätigen Ursprüngen zurückkehren kann,weil ein moderner Staat das weiterhin unterbinden wird,dann wird es sie auch weiterhin geben.
Ich zum Beispiel bin Gläubiger,bekennender Christ,der sich zu Jesus und all seinen Worten von ganzem Herzen bekennen kann,und glaube doch nicht das Gott eine Dreieinigkeit sein soll.Und zwar mit gutem Grund,wie ich ja schon öfters hier in diesem Forum bezeugen durfte.Heisst das ich bin kein Christ,wenn ich mich nicht zum Konzil von Nicäa bekenne?Ich bekenne mich zur Bibel,zu Jesus,ich glaube an eine Christliche Kirche die auf Jesus Christus beruht und zurückgeht,durch Glauben,nicht durch Zugehörigkeit zu irgendeiner dogmatischen Kirche.
Ein klares Bekenntnis zur Dreieinigkeit Gottes kann man im Wort Gottes nicht wahrnehmen,im Gegenteil.Sehr vieles widerspricht diesem irrationalen,ja völlig absurden Gottesbild eindeutig.Das ist nicht nur der Grund dafür das früher und heute viele nicht daran glauben konnten und können,sondern es ist zuallererst der Grund dafür das früher viele die nicht daran glauben konnten ermordet werden mussten.
Überall auf der ganzen Welt bedeuten die Worte:Vater und Sohn genau das gleiche,sie bezeichnen eine Beziehung in der einer der Ursprung des anderen ist,und niemals könnte man diese Worte gegeneinander austauschen,so das plötzlich Sohn Vater bedeuten könnte und Vater Sohn.Diese absurdität gelingt nur der Philosophischen dreieinigkeitsschule die nichts mehr mit dem Wort Gottes zu tun hat,sondern allein auf unzähligen Mutmaßungen beruht,deren Schlussfolgerung aber durch die Bibel selbst ständig widersprochen wird:
„Jeder der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt,hat Gott nicht;wer in der Lehre bleibt hat sowohl den Vater als auch den Sohn.“ (2Joh9).
Hat sowohl den Vater als auch den Sohn!Kann man den Vater und den Sohn denn überhaupt haben wenn diese Begriffe ganz und gar ihrer tatsächlichen Bedeutung beraubt werden und plötzlich etwas bedeuten was es eigentlich gar nicht gibt:Einen Sohn der keinen Vater braucht weil er auch ohne ihn ist und einen Vater der gar keinen Sohn hat weil Sie einander viel eher Zwillinge sind?Und dann kommt noch ein Drilling hinzu der weder Vater noch Sohn ist und doch Peson,aber weder noch,und doch genau gleich und immer und ewig der einzige Gott wie seine Mitgötter auch?
Ich bleib da einfach lieber in der Lehre des Christus:Der Vater ist der „einzige wahre Gott“ (Joh 17,3).(Joh17,1-3).
Und ganz ehrlich:Ich finde „Christliche Kirche“ sollten sich eher die nennen dürfen die im Vertrauen auf so eine einfache Wahrheit ihr Leben gegeben haben,als jene Kirche die sich soviel hat zuschulden kommen lassen,weil sie sich auf das Konzil von Nicäa berufen musste und eine Lehre entwickelt hat die keiner versteht,und nie verstanden hat,auch nicht die die sich darauf berufen.
Wahrheit ist das was man erkennt nicht das was man mutmaßt.Bevor man die Grundlagen für unsere heutige Weltsicht kannte,mutmaßte man die Erde sei eine flache Scheibe.Das Konzil von Nicäa glaubte das,die Kirche die Luther bekämpfte glaubte das,Luther und alle Reformatoren seiner Zeit glaubten das.Der Ketzer Galileo glaubte das nicht.Wir wissen heute:Er hatte recht!Weil wir die Erde sehen können wie sie ist.Wenn wir Vater und Sohn sehen wie sie sich selbst beschreiben,nämlich als Vater und Sohn,dann wissen wir:Mutmaßungen helfen uns auch da wahrscheinlich nicht weiter,sondern nur logische Gesetzmäßigkeiten,die,wie sollte es anders sein,auf Vater und Sohn einfach IMMER zutreffen.Es mag andere philosophisch begründbare Theorien geben,aber mit den Worten von Vater und Sohn haben diese nichts zu tun.
Danke für ihre freundliche Geduld,und ich bin froh das es sie und ihr Team gibt,denn sie sind wohlwollende Menschen,davon bin ich überzeugt,auch wenn sie nicht immer Recht behalten sollten.Auch wenn die Dreieinigkeit falsch sein könnte,sollte alle wohlwollenden Menschen in der heutigen Kirche eines verbinden:Der Glaube an Jesus Christus der das Bild des unsichtbaren Gottes ist.

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