Gibt es den Teufel?

gestellt von J.B. am 6. April 2019

@Gustavo Alabiso/epd-bild

Hallo Frau Heu,
ich stelle meine Frage an Sie, da Sie als Theologie Studierende sicher auf dem neusten Stand der theologischen Lehrmeineungen sind und ich auf Nachfragen zum o.g. Thema keine Antwort bekam.
Frau Ullman äußerte, dass sie nicht an einen "personalisierten Teufel" glaube. Andere Christen glauben durchaus an die Existenz des Teufels. Wie ist nun die offizielle Lehrmeinung dazu? Gibt es den Teufel in der Art und Weise wie es Gott gibt und greift er genau wie Gott (nur eben mit anderen Zielen) in das Weltgeschehen ein (kann er, wie es z. B. der jetzige Papst glaubt, Menschen manipulieren)?
Vielen Dank im Voraus
J. B.

Liebe/r J.B., 

die Frage, die Sie stellen, hat es in sich! Gibt es den Teufel? Wenn man einen Blick in die Welt wirft, dann muss es ihn ja auf jeden Fall geben.

Sie fragen in Ihrer Frage gezielt nach einer Lehrmeinung dazu. Das macht es mir etwas leichter, darauf zu antworten, denn ganz kurz und knapp könnte ich darauf sagen: für evangelische Christinnen und Christen gibt es keine Lehrmeinung. Also kann ich Ihre Frage nicht beantworten. In der protestantischen Theologie gibt es keinen Papst, der vorschreibt, was alle glauben bzw. wie man sich zu bestimmten, z.B. ethischen, Themen positioniert. Das fordert uns evangelische Christinnen und Christen besonders und verschafft jeder und jedem Einzelnen von uns eine ganz besondere Position. 

Trotzdem möchte ich einen Versuch wagen, Ihre Frage nach der Existenz des Teufels zu beantworten. Ich würde an diese Frage herangehen, indem ich mir versuche klarzumachen, wofür der Teufel eigentlich steht. Er steht für das Böse in der Welt. Das Christentum ist aber, durch die Verkündigung des Evangeliums als seine Kernbotschaft, genau die Überwindung dessen: die Überwindung des Bösen. Das heißt, dass eine Beantwortung der Frage, ob es den Teufel gibt oder nicht, eigentlich überhaupt nicht notwendig ist, denn das, was der Teufel, sofern es ihn gibt, bewirkt, ist überwunden. Nun ist es an Ihnen, als Teil der Gemeinschaft der mündigen Christinnen und Christen, diese Frage für sich selbst zu beantworten. Überlegen Sie, wofür der Teufel für Sie steht. Glauben Sie vielleicht ihm schon einmal begegnet zu sein? Wann und wie war das? 

Eine "offizielle" Zusammenstellung von Informationen zum Teufel finden Sie auch auf der Webseite der EKD. Schauen Sie gern dort einmal vorbei. Vielleicht finden Sie etwas, was Ihnen bei der Beantwortung Ihrer Frage hilfreich sein kann. 

Viele Grüße und Ihnen alles Gute,  

Pia Heu 

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Kommentare

Dank für Ihre Antwort!
Sie schreiben, in der protestantischen Theologie gibt es keine Lehrmeinung und mündigen Christen ist es selbst überlassen, wie sie die Frage beantworten. Da stellt sich mir die Frage, was denn diesbezüglich an theologischen Fakultäten und im evangelischen RU gelehrt wird. Ist es da auch dem jeweiligem Lehrer überlassen, ob er Kindern/ Studierenden lehrt, es gibt den Teufel in der gleichen Art wie Gott oder es gibt ihn im Gegensatz zu Gott nicht (er steht nur als Metapher für "das Böse")? Auch wenn der Teufel "überwunden" ist wie Sie äußern (diese Äußerung steht übrigens im Widerspruch zu Ihrer Äußerung, dass, wenn man einen Blick in die Welt werfe, ihn ja auf jeden Fall geben müsse), steht die Frage, ob es ihn gibt oder nicht. Wenn die Theologie keinen eindeutigen Standpunkt zu so einer grundsätzlichen Frage vertritt, frage ich mich, wozu sie gut ist und es ärgert mich noch mehr, dass die öffentliche Hand sowas mitfinanzieren muss.
Viele Grüße
J.B.

Die Lehrsituation in Deutschland ist tatsächlich sehr unterschiedlich. Mir persönlich ist der Teufel weder im Religionsunterricht noch im Theologie-Studium "über den Weg gelaufen". Oder anders formuliert: Wenn überhaupt, dann wurde die Vorstellung eines "Teufels" unter Berücksichtigung der heutigen Zeit gedeutet. Demnach geschieht Böses in der Welt, aber nicht in personifizierter Form des Teufels. Nach Karl Barth ist "das Böse" das Nein Gottes - also alles, was Gott nicht will. Es hat keine eigenständige Macht. Zudem kann es nach christlichem Verständnis keinen Teufel geben, der Gott gleich ist, da dies ein dualistisches Weltbild wäre, welches nicht mit dem Christentum vereinbar ist.

Beste Grüße,

Johanna Klee

Wenn also die Lehrsituation so ist, dass der Teufel nur metaphorisch für das Böse in der Welt steht, frage ich mich, warum Frau Heu das nicht klar rüberbringt und sagt, es gäbe keine klare Position und mündige Christen sollen da selbst entscheiden.
Aber wie dem auch sei - ein gewisser Manuel Seibel schreibt dazu folgendes : "Man ist eigentlich fassungslos, wenn man nicht wüsste, was die heutige Lehrmeinung in der evangelischen Kirche alles zulässt. Dass Satan real und eine Person ist, wird aus einer Reihe von Bibelstellen klar. Die Versuchungen sollten es jedem unvoreingenommenen Leser direkt deutlich machen. Der Herr Jesus spricht nicht mit einer Fiktion, Er wird von dem Teufel persönlich und als Persönlichkeit angesprochen und angegriffen. Der Teufel muss Ihn für eine Zeit verlassen (vgl. Lk 4,13) – nicht eine Fiktion marschiert davon! Johannes schreibt von dieser Person: „Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel, denn der Teufel sündigt von Anfang an“ (1. Joh 3,8). Hier sündigt keine Fiktion, auch keine mythologische Gestalt, sondern ein Engelwesen, im höchsten Sinn Persönlichkeit. Seit sich dieser Engel des Lichts als Satan offenbart hat, indem er gegen Gott rebelliert hat, sündigt er."
Da stellt sich schon die Frage: Wie kommen Christen mit diesen Bibelstellen klar, wenn sie nicht an die Existenz des Teufels glauben?

Auch Luther hat ja an den Teufel geglaubt. Und wie dargestellt mag das in manchen Universitäten und Landesteilen auch immer noch so sein. Für mich ist eben nun der Teufel keine reale Person, sondern eben ein Ausdruck für die Erfahrung des Bösen. Die Bibel fasst das in ihre Worte. Und wenn man sich die Bibelstellen anschaut, gibt es ganz unterschiedliche Auffassungen davon, was der Teufel sei.

Wie schon beschrieben, muss sich der Satansglauben mit dem Dualismus auseinanderstezen. Wenn Gott und Satan gleichberechtigt sind, handelt es sich nicht mehr um ein christliches Weltbild. Anders wäre es, wenn es einen Teufel gibt, und dieser Gott untergeordnet ist. Dann wäre Gottes Allmacht weiterhin gültig - ein solches Satansbild findet sich in Hiob 1-2. Ja, Gott hat dann eben eine dunkle Seite, eine Seite die wir nicht verstehen. Er steht auch über dem Bösen, über Teufeln und Dämonen. In Christus besiegt er dieses Böse endgültig.

Frank Muchlinsky hat übrigens auch auf die Frage geantwortet und geht noch mal auf die Bibelstellen ein: Link.

 

Und das sagt die EKD dazu: "Es gibt Böses in der Welt. Seit der Aufklärung steht infrage, ob man das Böse personifizieren kann, also ob das Böse in einem Wesen wie dem Teufel Gestalt annehmen kann. Im Mittelalter hatte der Teufel ein Gesicht, er hatte eine konkrete Gestalt, Hörner, Pferdefuß und so weiter. Er bekam sogar eine Art Biografie: Man sagte, er war ein Engel, der sich gegen Gott aufgelehnt hatte und deswegen von ihm verstoßen worden war. Als Schlange sei er dann im Paradies wieder aufgetaucht und habe die Menschen verführt. Dieses Bild wird in der heutigen Theologie nicht mehr vertreten. Heute geht man davon aus, dass das Böse eine Realität ist, die einzelne Personen übersteigt. Das Böse kann zum Beispiel versteckt sein in Handlungsstrukturen und Systemen, die Leben zerstören. Wo genau, ist aber nicht immer klar erkennbar. Im 20. Jahrhundert kamen jedoch wieder vermehrt christliche Strömungen auf, die konkrete Ereignisse – wie die Weltkriege, den atheistischen Kommunismus oder weltweite Krankheiten – als Werke des Teufels ansehen."

"Dieses Bild wird in der heutigen Theologie nicht mehr vertreten." schreiben Sie. Aus diesem Satz entnehme ich, dass der Teufel bei gebildeten evangelischen Theologen heute praktisch abgeschafft ist (in der kath. Theologie ist das offenbar noch nicht so, denn der Papst wird ja nicht müde, vor dem - seiner Meinung nach intelligenten - Teufel zu warnen).
Endlich eine klare Aussage - war ja eine schwierige Geburt ;-)
LG
J.B.

Lieber J.B.,

die Geburt war darum schwierig, weil Sie anscheinend eine Antwort in einem einzigen Satz haben möchten. Ihre Zusammenfassung, dass der Teufel „bei gebildeten evangelischen Theologen heute praktisch abgeschafft ist“ ist aber nicht korrekt. Sie verkürzt den Befund, da es durchaus gebildete evangelische Theologen gibt, für die die Existenz des Teufels eine wichtige Grundlage ist. Hüten wir uns also vor Verallgemeinerungen! Nicht nur, wenn es um theologische Aussagen geht. Der Protestantismus hält sich eine Menge darauf zugute, nicht nur eine Lehrmeinung zu haben.

Mit freundlichem Gruß, Frank Muchlinsky

J. Klee schrieb, was die EKD dazu sagt:" "Es gibt Böses in der Welt. Seit der Aufklärung steht infrage, ob man das Böse personifizieren kann, also ob das Böse in einem Wesen wie dem Teufel Gestalt annehmen kann. Im Mittelalter hatte der Teufel ein Gesicht[ ]Dieses Bild wird in der heutigen Theologie nicht mehr vertreten. Heute geht man davon aus, dass das Böse eine Realität ist, die einzelne Personen übersteigt. Das Böse kann zum Beispiel versteckt sein in Handlungsstrukturen und Systemen, die Leben zerstören." Das klingt schon so, als sei der Teufel abgeschafft.
Warum soll die Frage, ob es den Teufel genau so gibt wie Gott (wenn auch nicht so mächtig) nicht in einem Satz beantwortet werden können? Wozu sind christliche Fakultäten gut, wenn es da keine einheitliche Lehrmeinung gibt, die den Studierenden als aktuelle Lehrmeinung gelehrt wird, wenn also jeder glaubt, was er will? Und was wird im staatlich finaziertem RU gelehrt - ist das auch vom Glauben des jeweiligen Lehrers abhängig?
Nicht zuletzt: Finden Sie es nicht auch gefährlich, zu glauben, es gebe einen Teufel bzw. Dämonen, die Menschen beeinflussen können? Wäre es nicht Aufgabe von aufgeklärten Christen wie Sie einer sind, dagegen anzukämpfen statt so lapidar zu äußern: "Der Protestantismus hält sich eine Menge darauf zugute, nicht nur eine Lehrmeinung zu haben." ?
LG
J.B.

Es ist zum einen im Sinne Luthers, von mündigen Christ*innen auszugehen, die Gewissensfreiheit besitzen. Daher gibt es keine einheitlichen Lehrmeinungen. Zum anderen würde es auch nicht unserem Anspruch an Wissenschaftlichkeit entsprechen, wenn nicht verschiedene Argumente nebeneinander stehen könnten. Zum letzten sind wir aber auch an die Bekenntnisschriften gebunden, die den Teufel voraussetzen.

Ich denke der Teufel ist unvermeidbar, wenn es eine göttliche Macht gibt die uns leiten soll. Wo Licht ist muss Dunkelheit sein, da sonst kein Licht. Die Sonne ist umringt von Dunkelheit. Nur durch den umliegenden schwarzen Raum, nehmen wir sie so leuchtend wahr. Alles in der Natur kann nur existieren, wenn es einen Feind hat. Der Mensch kann ohne den Tod nicht leben, da ohne einen Tod die Seele nie an den ihren besimmten Platz kommen kann. Sprich währe eine Mensch ohne den Tod, kein Mensch mehr. Also denke ich das Gott ohne den Teufel kein Gott wäre. Als er ihn verbannte, aus dem Himmelsreich, war dies zu seinem eigenen Schutz. Um seine Existenz zu sichern. Dies ist nur meine Interpretation und der Versuch sich den Sinn des Teufels zu erklären.

Aus der Heiligen Schrift geht eindeutig hervor, dass es den Satan gibt.
1) Der Satan hat als Schlange die Menschen verführt vom Baum der Erkenntnis zu essen.
2) Gott hat gesagt, dass ein Nachfahre der Frau, der Schlange den Kopf zertreten wird und sie Ihm an die Ferse stechen wird. - Jesus Christus hat der Schlange den Kopf zertreten und wurde mit der Kreuzigung in die Ferse gestochen.
3) Im alten Testament steht, dass der Verderber ein Knecht Gottes ist.
4) Jesja spricht im Heiligen Geist vom schönen Morgenstern dessen Kleider voll Edelsteine waren und kein Fehl an Ihm gefunden wurde, bis in seinem Herzen das Böse entdeckt wurde und er zu sich sprach:"Ich will in den Himmel steigen und meinen Stuhl über die Sterne Gottes erhöhen;
5) Christus spricht davon, dass die Hölle nicht für die Menschen gemacht wurde sondern für den Satan und seine Engel und den Menschen die mit Ihnen Hurerei getrieben haben.
6) Aus der Offenbarung geht hervor, dass der Antichrist und das Tier in der Macht des Satans Wunder der Lüge vollbringen.
7) Aus der Bibel geht hervor, dass der Satan mit seinen Engeln und Michael mit seinen Engeln im Himmel kämpften. Der Satan und seine Engel verloren und wurden auf die Erde geschmissen.
8) Aus der Bibel geht hervor, dass Geist des Bösen den ganzen Erdkreis umfasst und in den Kindern des Ungehorsams wirksam ist.
9) Aus der Bibel geht hervor, dass nachdem der Antichrist und das Tier in die Hölle geworfen werden, der Satan 1000 Jahre gebunden wird und danach in den Feuersee geworfen wird wo sie von Ewigkeit zu Ewigkeit gequält werden.
10) Aus der Bibel geht hervor, dass Gott den Satan mit Christi Geburt gerichtet hat und der Verkläger der Brüder, der Tag und Nacht die Brüder vor Gott verklagt hat verstummt ist.
11) Gott hat keine Dunklen Seiten und mit dem Bösen nichts zu tun, das Böse hat den Ursprung im Teufel.
12) Aus der Bibel geht hervor, dass der Teufel mit den Heiligen Krieg führt.

Der Satan kommt in 1. Mose 3 nicht vor. Da ist lediglich von der Schlage die Rede. Wenn Sie meinen, dass sei der Satan ... okay für Sie. Aber biblisch ist es nicht.

In der Bibel steht, dass der Tod durch den Teufel aus Neid in die Welt kam. Daher ist es eine logische Schlussfolgerung, dass die Schlange der Teufel ist oder zumindest in die Schlange gefahren ist. Ohne Sündenfall gäbe es keinen Tod.

Bitte angebliche Bibelzitate IMMER mit Stellenangabe!

"Denn Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht. Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt und ihn erfahren alle, die ihm angehören."

Das Buch der Weisheit gehört nicht zum eigentlichen Bibelkanon. Es ist ein apokryphes Buch.

„Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt / und ihn erfahren alle, die ihm angehören.“

Beschäftigen Sie sich mit C.G. Jung, der Analytischen Psychologie . Was den "Teufel" angeht: "Antwort auf Hiob".
Zuerst müssen Sie sich mit sich und dem, was Sie über sich zu wissen glauben, auseinandersetzen - und Sie erleben "Den ersten Kreis der Hölle....", Ihrem "Schatten".
Es lohnt sich.

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