Ist Sex vor der Ehe erlaubt?

gestellt von Samira am 6. Mai 2016
Sex vor der Ehe

© Mixmike/iStockphoto/Getty Images

Hallo Herr Muchlinsky,

ich bin 16 Jahre alt und möchte den christlichen Glauben annehmen. Im Augenblick gehöre ich keiner Religionsgemeinschaft an.

Ich habe eine Frage an Sie. Bitte können Sie mir sagen, wie die evangelische Kirche zum Thema "Sex vor der Ehe" eingestellt ist?

In der katholischen Kirche ist dies ja nicht erlaubt. Ist Sexualität in der evangelischen Kirche auch an die Institution der Ehe gebunden oder kann man sie auch zuvor schon verantwortungsvoll ausleben?

Schon mal Danke für Ihre Antwort!

Liebe Samira,

Sie haben das wichtigste Stichwort zu diesem Thema bereits in Ihrer Frage genannt: Wenn es um Sexualität geht, so kommt es vor allem darauf an, verantwortungsvoll zu handeln. Die Ehe ist nach evangelischem Verständnis eine gute Sache Gottes. Das heißt, dass wir der Überzeugung sind, dass Gott eine feste Partnerschaft zwischen zwei Menschen, in der beide Verantwortung füreinander übernehmen, gut findet und segnen will. Gott selbst hat in der Erzählung von der Schöpfung gesagt: "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei!" (1. Mose 2,18). Die Ehe ist darum vor allem eine gesellschaftsrechtliche Angelegenheit, oder "Institution", wie Sie schreiben. Das sagt auch die evangelische Kirche. Darum gibt es auch keine evangelische Trauung ohne, dass ein Paar vorher standesamtlich geheiratet hat.

Eine Ehe ist für den Staat vor allem deswegen schützens- und unterstützenswert, weil aus ihr Familien entstehen. Nachwuchs ist gesellschaftlich ausgesprochen wichtig, und familiärer Zusammenhalt entlastet die Gesellschaft von vielen Aufgaben, die sonst andere übernehmen müssten: Erziehung und Pflege sind nur zwei Beispiele dafür. Ehe wurde also lange und selbstverständlich mit Familiengründung und Sexualität verknüpft. Allerdings hat sich die Gesellschaft verändert. Familien können ganz anders aussehen als Mann plus Frau plus eigene Kinder.

Und biblisch ist die direkte Verknüpfung von Ehe und Sexualität auch nur sehr schwer zu begründen. Es wird immer wieder versucht, biblisch zu begründen, dass Sex nur in einer Ehe "erlaubt" ist, doch geht es in der Bibel lediglich darum, Beziehungen nicht zu zerstören. Darum sind Sexualität und Ehe für die evangelische Kirche längst nicht so eng verknüpft wie Sexualität und Verantwortung. Zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität gehört aber nicht zuletzt, dass man sich keinen zu großen Druck macht. Verbote bauen aber genau solch einen Druck auf, selbst wenn man sich solche Verbote selbst erteilt. Wer sich "aufheben" will, macht aus dem "ersten Mal" etwas so Großes und Heiliges, dass es kaum möglich sein wird, etwas so Schönes und Gottgewolltes wie den gemeinsamen Sex zu genießen.

Darum: Wer zärtlich ist, wer auf den Partner oder die Partnerin eingeht, wer achtsam bleibt, wer respektvoll mit dem Gegenüber umgeht, soll gern den Sex genießen. Natürlich gibt es dabei Schranken. Wer das Vertrauen einer anderen Person missbraucht, geht eben nicht verantwortungsvoll mit der eigenen Sexualität um. Wer jemanden ausnutzt, tut etwas wirklich Schlimmes – egal ob es dabei um sexuelle Ausbeutung geht, oder um eine andere Form. Sex und Ehe sind dann ein Thema, wenn es bereits eine Ehe gibt. Vorher braucht die Ehe keine Rolle zu spielen.

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

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Kommentare

Hallo Pfarrer Muchlinsky,
Ich finde diese Antwort sehr schön und auch einleuchtend, jedoch kann ich mich nicht mit dem Satz anfreunden, es wegen des Aufhebens Willen gleich so heilig zu sprechen dass es dann nicht schön wird. Ich denke wenn jemand bewusst entscheidet mit dem Sex einfach zu warten um die Person besser zu kennen oder auch erst zu Heiraten dann soll er dieses tun. Und sobald dieses doch von dem Dogma unabhängig beschlossen soll.. Wieso sollte man Sex dann "später" nicht auch genießen?
Würde mich über eine Rückmeldung freuen!
LG Mia

Ich habe echt gedacht, ich verlese mich. Hier wird allen Ernstes auf einer angeblich "christlichen" Seite Sex vor der Ehe nicht nur verharmlost, sondern auch noch beschönigt und als "von Gott gewollt" bezeichnet. Es ist einfach nur traurig, was aus dem Christentum geworden ist, und diese Seite ist das beste Beispiel dafür. Ich muss vermuten, dass der Autor noch nie eine Bibel in der Hand hatte.
Falls die Essenz meines Kommentars immer noch nicht klar sein sollte: Sex vor der Ehe ist ausnahmslos in allen Fällen immer eine Sünde, und zwar nicht mal eine "Kleine". Das war früher so und ist auch heute noch so. Ob sich 95% der Menschen nicht daran halten ist absolut bedeutungslos.
Es ist auch interessant, wie der Autor die Frage nicht direkt beantwortet, sondern einfach nur der Frage ausweicht. Ich denke, er weiß, dass es falsch ist, was er sagt, aber anscheinend will er, aus welchem Grund auch immer, bewusst andere Menschen verblenden und anlügen. Seine einzige Begründung dafür ist, dass man die Bibel ja "nicht wörtlich" nehmen darf, was wohl eine der abgedroschensten Ausreden ist, die es gibt.
Ich bin kein Fundamentalist, der denkt, dass die Erde 6000 Jahre alt ist und jedes rhetorische Stilmittel wörtlich nimmt, aber ich frage mich, wieso man überhaupt ein "Christ" ist, wenn man doch sowieso alles in der Bibel nur so hindreht, wie es einem persönlich passt. Denn das ist genau das, was der Beantworter der Frage macht, und mir tut der Fragesteller leid, dass er mit seiner Frage an so eine ketzerische Seite gelangt ist.

Lieber Gast,

vielen Dank, dass Sie Ihre Meinung zu der Debatte beisteuern. Ihre Interpretation der Bibel ist allerdings nicht die einzig richtige. Wie Sie in Ihrem Kommentar deutlich machen, lesen auch Sie die Bibel als ein Zeugnis, das man nicht in jedem Fall wörtlich nehmen soll. Bitte lassen Sie auch andere Interpretationen als die Ihre gelten. Davon wird das Christentum nicht untergehen. Wir haben seit 2000 Jahren Übung darin, unsere Frohe Botschaft je und je zu verkündigen. Andere als Ketzer zu betiteln, war meines Erachtens eher ein falscher Weg.

Mit freundlichen Grüßen

Frank Muchlinsky

Hallo zusammen...
Mir brennt schon seit meiner Bekehrung das eine Thema auf der " Zunge". Was sagt die Bibel über den Sex vor der Eher wenn man über Jahre ungläubig gewesen ist. Und sich später für Gott entschied. Vergibt Gott auch diese Sünde? Oder hat das auch Konsequenzen auf die spätere Familie oder sogar das man keine Familie von Gott geschenkt bekommt? Wie geht man mit der Sexualität um wenn man trotzdem die Bedürfnisse hat und sehnt sich nach sexuellen Bekanntschaft unverbindlich das man diese Person heiratet. Ist das am Ende Sünde? Gott schenkt die Sexualität den Menschen. Aber wie geht man damit um ohne Partner.
LG

Liebe Anna,

Wenn Sie meine Antwort hier oben aufmersam lesen, werden Sie feststellen, dass meiner festen Überzeugung nach Sex vor der Ehe keine Sünde ist. Wenn Sie es noch einmal ausführlich lesen möchten, hier ist ein Link zu einem Artikel von mir. Darum: Haben Sie Freude an Ihrer Sexualität und passen Sie dabei gut auf sich und Ihre Pertnerin oder Ihren Partner auf. Das ist das Wichtige.

Liebe Grüße, Frank Muchlinsky

In meiner Jugend, als ich 16 war, habe ich genau das geglaubt, was Pastor Muchlinskys Antwort sagt. Ich hatte damals Sex mit meiner Freundin, aus dem Wunsch heraus, ihr so nahe wie möglich zu. Rückblickend stelle ich auch immer wieder fest, wie aufrichtig wir uns damals geliebt. Der Sex war also „verantwortungsvoll“, „respektvoll“ und „zärtlich“. Die Beziehung ist irgendwann kaputt gegangen. Gott sei dank (das meine ich wörtlich) haben wir es geschafft wieder Freunde zu werden.
Wie auch immer, als ich begann im Glauben zu wachsen, und eine lebendige Beziehung mit dem Dreieinen Gott auszubauen, stellte ich fest, wie sehr mir der Sex in meinem Leben geschadet hat. Wie sehr mich die Erinnerungen, und die Nostalgie jener schönen Momente, immer wieder in meiner Gottesbeziehung behinderten, und subtiler Ausgangspunkt waren Irrwege zu gehen. Irgendwann begriff ich auch, dass es eine Sünde war (die ich mir vergeben lassen konnte).
Ich habe erlebt und begriffen, dass die Ordnung Gottes ist, dass der Ehevollzug (das „ein Fleisch werden“ von Mann und Frau) in die Ehe gehört, also nach die Eheschließung (dem „Eins werden“ von Mann und Frau vor Gott und der Gesellschaft) gehört (1. Mos. 2:24, Mt. 19:5, Mk. 10:7 + Röm. 1:27 f., 1. Kor. 7:25). Ich habe erlebt, dass aus der Missachtung dieser Ordnung, Schaden entsteht. Ich habe erkannt, dass die Infragestellung der Ordnung Gottes Sünde ist (Sünde ist das, was einen von Gott entfernt, bzw. das was einen das „Ziel“, nämlich Gott, verfehlen lässt). Und ich habe erkennen müssen, dass in jenem jugendlichen Sex Götzendienst lag, ich habe nämlich meine Beziehung weit höher gestellt als Gott.
Ich wusste es damals nicht besser, mich hatte damals keiner gewarnt, mich hätte auch keiner warnen können (meine Eltern haben entweder diesen Fehler nicht gemacht, oder den Schaden nicht so deutlich wahrgenommen). Aber mein Unwissen hat mich nicht vor den Folgen meiner Handlungen geschützt.

Lieber Friedrich,

es tut mir leid, dass Sie etwas als Sünde erkennen "mussten", was gut und richtig war. Da haben Sie die falschen Lehrer getroffen. Liebe zu Menschen nimmt der Liebe zu Gott nichts weg. Sie ergänzen einander. So erfüllen wir Gottes Willen.

Frank Muchlinsky

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