Taufzeuge anstatt Taufpate?

gestellt von Schumacher am 12. Juli 2017
Klostergarten auf Balkon_Teil2

Hallo und guten Abend Pastor Muchlinsky.

Ich habe eine Frage. Ich bin getauft, konfirmiert aber seit ca. 2 Jahren aus der Kirche ausgetreten. Ehrlich gesagt aus steuerlichen Gründen. Nun wurde ich von guten Freunden gefragt, ob ich der Patenonkel von ihrem neugeborenen Kind werden könnte. Die wünschen es sich von Herzen. Ich finde es sehr schön und würde mich auch sehr darüber freuen, ein Mitglied ihrer Familie zu werden und vor allem den kleinen in allen Lebenslagen zu unterstützen! Kurz gesagt, es wäre mir eine Ehre.

Das Problem ist, dass die Pfarrerin bei der das Kind getauft wird, es nicht anerkennt, dass ich als Patenzeuge teilnehmen will, da ich ja aus der Kirche ausgetreten bin. Sie sagte, dass man entweder als Kirchenmitglied Pate werden kann, oder halt gar nicht! Meinem Wissen nach, kann man auch ein Patenzeuge sein. Was kann ich jetzt tun? Was wäre die richtige Lösung? Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen. Vielen lieben Dank im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen

Schumacher

Lieber Herr Schumacher,

 

Ich kann gut verstehen, dass Sie sich freuen und geehrt fühlen, dass Ihre Freunde Sie gebeten haben, das Patenamt für ihren Sohn zu übernehmen. Leider muss ich Ihnen schreiben, dass es tatsächlich so ist, wie die Kollegin bereits sagte: Es gibt nur ein Amt, das die evangelische Kirche bei der Taufe vergibt, und das ist das Patenamt. Eine Funktion als "Zeuge" der Taufe gibt es nicht, beziehungsweise Zeugen sind alle, die dabei sind.

Pate zu sein, bedeutet für die Kirche, die dieses Amt einem Menschen schließlich erteilt, dass derjenige sich vor allem um die Erziehung des Kindes in christlicher Hinsicht kümmern soll. Das Patenamt macht Sie nicht zu einem Familienmitglied, sondern zeichnet ein Kirchenmitglied aus.

 

Ich kenne vielen Menschen, die das "Pate sein" so verstehen, wie Sie das tun: Sich kümmern, das Kind begleiten, eine Art "Ehrenonkel" werden. Wenn Sie und Ihre Freunde das so verstehen, sollten Sie schauen, ob Ihre Freunde Ihnen nicht solch ein "Ehrenamt" verleihen können. Das würde dann nichts mit der Kirche zu tun haben. Oder aber, Sie überlegen es sich noch einmal und treten wieder in die Kirche ein. Vielleicht ist die Taufe des Kindes Ihrer Freunde dafür genau der richtige Anlass.

 

Ich grüße herzlich!

Frank Muchlinsky

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Kommentare

Guten Tag

Meine Freunde wollen mich als taufpate eintragen lassen allerdings lehnt es der Pfarrer ab da ich nicht Evangelische bin sondern der Neuapostolische Kirche angehöre ist das richtig denn ich habe gehört das das anscheinend wohl doch geht dies aber am Pfarrer läge.falls das was mit dem Bundesland zu tun hat befinde ich mich in Baden-Württemberg

Mit freundlichen grüßen Schönherr

Ps. Was der Pfarrer gegenüber der Neuapostolische Kirche als Vergleich sagte hat mich schon sehr getroffen

Lieber Herr Schönherr,

es tut mir leid, wenn die Worte meines Kollegen Sie getroffen haben. Das Verhältnis zwischen der Neuapostolischen und den anderen Kirchen (also auch der evangelischen) ist tatsächlich noch nicht überall gleich gut. Es gibt die sogenannte Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen in Deutschland (kurz ACK). Der gehört die Neuapostolische Kirche (noch)nicht an. Allerdings ist ausgerechnet in Baden Württemberg die Neuapostolische Kirche seit 2017 Gastmitglied der ACK. Das bedeutet, dass Sie zumindest in diesem Bundesland Pate werden könnten, denn wer Mitglied einer ACK-Kirche ist, kann in der Regel auch Pate werden. Nun weiß ich freilich nicht, wo die Taufe stattfindet, aber vielleicht kann es helfen, wenn Sie dem Kollegen diesen Link zur ACK zukommen lassen. Da geht es um die Gastmitgliedschaft in Baden Württemberg. https://www.oekumene-ack.de/aktuell/nachrichtenarchiv/artikel/artikeldetails/neuapostolische-kirche-gastmitglied-in-der-ack-baden-wuerttemberg/
Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

Hallo Pastor Muchlinsky,
auch ich habe eine Frage zur Übenahme eines Patenamtes. Innerhalb der Familie wurde ich gefragt, ob ich die Patenschaft für meine Nichte übernehmen möchte. Ich habe mich sehr gefreut und direkt bei meiner Kirche einen Patenschein angefordert und ihn erhalten. Nun sagt die Kirche, in der die Taufe stattfindet, ich kann nur Taufzeuge werden aber nicht Pate, da ich evangelisch bin und das Kind katholisch getauft wird. Ist das richtig so? Ich bin schon sehr enttäuscht, denn wie ich oben in einem anderen Beitrag gelesen habe, ist jeder Zeuge, der dabei ist.

Mit lieben Grüßen
M. Michalski

Liebe Frau Michalski, ich kann verstehen, dass Sie enttäuscht sind, weil Sie "nur" zur Taufzeugin für Ihre Nichte werden können. Leider entspricht das den Regeln der katholischen Kirche. Sie können das beispielsweise hier nachlesen (im Abschnitt "Wer kann Taufpate werden?") Mit herzlichem Gruß, Frank Muchlinsky

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