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Sehr geehrter Herr Frank Muchlinsky,
obwohl mir die Frau von Winterfeld nicht bekannt ist, vermute ich, Sie fragte nach dem GottesBILD (schrieb aber GottesBEGRIFF) – also danach wie man Gott mit Eigenschaften belegen kann, damit Kommunikation über das Kern-Sein der Religion überhaupt möglich ist. Je weiter man da ausholt, um so unklarer wird es.

Ich las mal diese Beschreibung von Gott:

Gott ist ohne Geschlecht, Größe, Gestalt, Farbe oder irgendwelcher Eigenschaften eines individuellen lebenden Seinswesen.

Gott ist von nichts getrennt, Er ist vielmehr überall anwesend, Er ist das Alles in Allem, das Alpha und Omega, der Anfang und das Ende, die Gesamtsumme von Allem, was jemals war, was jetzt ist und was je sein wird.

Gott ist bedürfnislos.

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An einer Stelle schreiben Sie ZITAT: „als Gott in Jesus tatsächlich Gestalt annahm – menschliche Gestalt.  “

Hier gibt es für das Gottesbild ein Problem. Problemträger ist dabei nicht Jesus – Gottes biologischer Sohn – sondern sein biologischer Erzeuger, Gottvater.

Jede Spezies kann nur ihresgleichen zeugen und gebären (eine Kuh kann keinen Fisch zur Welt bringen). Erschaffen kann Gott seinen Sohn auch nicht, da Sohn nur ist, der die väterlichen Gene in sich trägt (die Mutter, war eine Menschenfrau - also kompatible Gene). Also – Gott, Schöpfer des Universums ist ein (Super) Homo Sapiens. Sehr ernüchternd, wenn Sie mich fragen.

Da wird auch der Bibelhinweis, das Gott uns nach Seinem Ebenbilde schuf, etwas weniger geheimnisvoll.

Wagten Sie es denn, beim nächsten Mal, wenn vom Sohn Gottes die Rede ist, zu sagen, wie es nur sein kann und ich es eben darlegte?

Vor 2000 Jahren – eine streng patriarchale Gesellschaft – war die Dominanz des Mannes, das einzig Vorstellbare. Also unterstellte man Gott - selbstverständlich als Mann gedacht - gleiche Ambitionen: Einen Sohn zeugen (Statussymbol - Männlichkeitsbeweis) was als Mann, nur mit einer Frau geht. Eine gezeugte Tochter wäre unter „Pech gehabt“ gelaufen. Von Genen wusste niemand was. Auch Gott nicht.

Dabei gibt es noch ein Problem: Das Gottessohn-Zertifikat erhielt Jesus erst 300 Jahre später (Konzil von Nicäa), weil bei den Bischöfen (auch Sie beschreiben es) erhebliche Zweifel über die Gottsohnschaft bestanden. Aber der heidnische Chef des Konzils, Kaiser Konstantin, drückte die Gottsohnschaft durch, da der Religionsstifter sonst nur den gesellschaftlichen Status, eines rechtmäßig hingerichteten Terroristen gehabt hätte. Das damalige Urteil wollte er nicht aufheben (Recht muss Recht bleiben - Lex est lex manet), Jesus brauchte also eine heftige Aufwertung um den Schmachteil zu überdecken. Also Gottessohn, wie es etliche Höhergestellte in der damaligen Kultur gab.