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Liebe Susanne,

vielen Dank für Ihre weitere spannende Frage. Um eine kurze Antwort darauf zu geben, würde ich sagen: jein - also ja und nein. Ihre Argumentation ist völlig logisch. Jesus erhält den neuen Leib durch die Auferstehung und wird deshalb auch nicht direkt erkannt von z.B. Maria Magdalena und den Emmausjüngern. Nichtsdestotrotz ist die Vorstellung des neuen Leibs eine, die wir von Paulus kennen und damit nicht von Jesus selbst. Sie ist also nicht jesuanisch. In den Lebenszeiten von Paulus und Jesus soll es zwar Überschneidungen gegeben haben, aber die beiden sind sich, relativ sicher, nicht begegnet (außer der auferstandene Christus in Paulus' sog. Bekehrungserlebnis). Paulus lebte später als Jesus, was bedeutet, dass wir die Lehre in der Retrospektive auf Jesus anwenden und er es nicht von sich selber tut. 

In der paulinischen Tradition stehend, die wir v.a. in 1Kor 15 entfaltet finden, wird außerdem "nur" beschrieben, wie die Menschen im neuen Leib auferstehen. Betrachtet man die zwei Naturen Jesu, der wahrer Mensch und wahrer Gott gleichzeitig war, wird es schon an diesem Punkt schwierig zu beurteilen, ob er also in die in 1Kor 15 erwähnten "Menschen" inkludiert ist.

Genau genommen sehe ich also zwei Schwierigkeiten: zuerst die Chronologie in der Entwicklung und Verbreitung der Lehre vom neuen Leib (hier kommt auch noch zusätzlich die Datierung der verschiedenen Bücher der Bibel hinzu) und zweitens die Natur der Figur Jesu selbst.

Das ist wirklich eine sehr kurze Antwort. Ich hoffe Sie können folgen.