Warum wird die Epiphaniaszeit gekürzt?

gestellt von GAST am 3. Januar 2014

Hallo Herr Pastor Muchlinsky,
wenn man in einer ruhigen Stunde "vorausschauend" den Kirchenjahr Kalender für die nächsten Jahre studiert, dann sticht einem sofort ins Auge, dass die Ephiphaniaszeit radikal eingegrenzt und auf ein Minimum heruntergestutzt wird, quasi auf den Dreikönigstag reduziert wird, während

"Septuagesima"
"Sexagesima"
"Estomihi"

im Zeitfenster der nächsten Jahre, nicht im geringsten gedrosselt wird. Diese 3 genannten Sonntage haben gleichsam Bestand bis in alle Ewigkeit. Sind diese Zähl-Sonntage so wahnsinnig wichtig?

WHY?

Die Epiphaniaszeit umfasst genaugenommen sechs Gottesdienste, in denen besonders Taufe, Kindheit und das Wirken Jesu als erwachsener Mann im Vordergrund stehen.

Doch leider wird das Wirken Jesu in den Gottesdiensten der Ephiphaniaszeit in den nächsten Jahren auf ein Minimum dezimiert und massiv eingeschränkt.

Warum können nicht
"Septuagesima" = 9. So vor Ostern
"Sexagesima" = 8. So vor Ostern
"Estomihi" = 7. So vor Ostern
im Kirchenjahr, mit dem Leben + Wirken + Wundern Jesu gefüllt werden? Ich glaube, dazu ist doch das Kirchenjahr da, um von Jesu Leben, Tod und Auferstehung aller Welt zu berichten.

Haben Sie für diese Sensation eine einleuchtende Erklärung?

Statt dessen werden täglich geballte Abendandachten und Gebetssonntage für die Einheit der Christen angeboten. Werden wir bald alle konfessionslos sein?

Liebe GAST,

 

Sie bringen mich immer wieder zum Schmunzeln. Einerseits merken Sie so viel, was vorgeht. Kaum jemandem wird wohl aufgefallen sein, dass sie Epiphaniaszeit 2015 und 2016 sehr kurz sein wird. Andererseits bin ich immer wieder überrascht, warum Sie aus Ihren Beobachtungen gleich so düstere Prognosenableiten. Nun ja, gut, dass Sie nachfragen, denn ich habe durchaus eine (hoffentlich) einleuchtende Erklärung.

 

Zunächst eine Erklärung, warum wir überhaupt eine "Konkurrenz" zwischen den "Sonntagen nach Epiphanias" und den drei "Sonntagen vor der Passionszeit" (Septuagesima, Sexagesima und Estomihi) haben. Sie werden das vielleicht längst wissen, aber es ist sicher für andere auch interessant. (Hier eine schöne Übersicht über das Kirchenjahr)

Die Epiphaniaszeit ist sozusagen eine "Pufferzeit", die je nach Kirchenjahr mal länger und mal kürzer ist. Das hat einen ganz einfachen Grund. Epiphanias liegt immer auf dem 6. Januar, richtet sich also nach unserem (Sonnen-)Kalender. Das nächste, große Fest in unserem Kalender ist Ostern, und das richtet sich nach der Sonne und dem Mond. Der Termin für Ostern ist immer der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang. Der Frühlingsanfang wird ja durch die Sonne bestimmt, also durch die Tag- und Nachtgleiche. Die ist in der Regel am 20. März (manchmal auch am 21. März, selten am 19.). Dann schaut man, wann der nächste Vollmond ist. Dann wiederum schaut man wann der nächste Sonntag ist. Das ist dann der Ostersonntag.

 

Nun wissen Sie sicherlich, dass die Zeit vor Ostern immer eine bestimmte Länge hat. Das Stichwort lautet "7 Wochen ohne", also die siebenwöchige Passionszeit. Vor der Passionszeit selbst liegen drei Sonntage (die, die Sie genannt haben), die auf die Passionszeit vorbereiten sollen, denn die ist nach unserem Bekenntnis ja extrem wichtig, weil sie vom Weg Jesu zum Kreuz erzählt.

Aus all dem ergibt sie für die kommenden Jahre eine unterschiedliche Anzahl von "Sonntagen nach Epiphanias". Die Epiphaniaszeit umfasst in diesem Jahr nur deswegen sechs Gottesdienste (wenn man Epiphanias selbst mit einrechnet), weil Ostern in diesem Jahr so extrem spät liegt. Hier eine Aufstellung:

2014    Ostern 20 April       5 Sonntage nach Epiphanias
2015    Ostern 5. April        3 Sonntage nach Epiphanias
2016    Ostern 27. März     2 Sonntage nach Epiphanias
2017    Ostern 16. April      5 Sonntage nach Epiphanias
 

Es ist also niemand dahergekommen, die Epiphaniaszeit zu kürzen. Sie richtet sich einfach nach dem wichtigsten christlichen Fest, nach Ostern.

 

Aber Ihre Frage ging ja noch in eine andere Richtung. Wenn ich Sie richtig verstehe, würden Sie lieber auf die drei Sonntage vor der Passionszeit verzichten, wenn die Zeit zwischen Epiphanias und Ostern nicht für 5 "Sonntage nach Epiphanias" reicht. Ihre Argumentation dabei verstehe ich allerdings nicht: Sie schreiben, dass in der Epiphaniaszeit – anscheinend anders als in den Sonntagen vor der Passionszeit – "besonders Taufe, Kindheit und das Wirken Jesu als erwachsener Mann im Vordergrund stehen". Das stimmt im Grunde genommen nur für Epiphanias selbst, sowie für die beiden anschließenden Sonntage. Und die gibt es jedes Jahr.

Es kommt noch hinzu, dass wir uns derzeit in der Perikopenreihe VI befinden, so dass in diesem Jahr der Predigttext an keinem der Sonntage nach Epiphanias aus den Evangelien stammen wird.

 

Oder ist es einfach so, dass Ihnen die Angebote Ihrer Gemeinde in den drei Wochen vor der Passionszeit einfach nicht genügend mit der Geschichte Jesu gefüllt sind? Die Einheit der Christinnen und Christen ist doch sicherlich etwas, um das man Gott immer wieder bitten kann, oder?

 

Ich grüße Sie herzlich und wünsche eine lichte Epiphaniaszeit.

Frank Muchlinsky

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EKD, UEK und VELKD beschlossen 2011, gemeinsam eine Revision der geltenden Ordnung vorzunehmen. Seit 2014 liegt ein „Entwurf zur Erprobung der gottesdienstlichen Lesungen und Predigttexte“ vor, der von der Arbeitsgruppe Perikopenreform erarbeitet wurde und bis 2015 erprobt werden soll. Es soll bei sechs Textreihen bleiben, die sich an den altkirchlichen Perikopen orientieren. Der Anteil alttestamentlicher Texte soll dabei auf etwa ein Drittel verdoppelt werden.

Wie schon gesagt "zu wenig Jesus" in unseren Gottesdiensten.

Zitat Pastor Muchlinsky: "Der Termin für Ostern ist immer der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang".

Der Frühlingsvollmond ist als erster zyklischer Vollmondtag im Frühling definiert. Sein frühestes Datum ist der 21. März, der als Frühlingsanfang festgelegt ist. Diese Festlegung gibt`s aber nicht mehr.

Aktuell liegt der astronomische Frühlingsanfang für viele Jahre vor dem 21. März. Was nu?

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