Können evangelische Pfarrer Katholiken heiraten?

gestellt von Gast am 4. August 2011

Ich habe zwei Fragen: Darf ein/e evangelischer Pfarrer/in einen "katholischen" Partner/in heiraten? Und: Genügt eine standesamtliche Eheschliessung, oder ist der Pfarrer/in verpflichtet sich auch kirchlich trauen zu lassen?

Hallo Gast,

das Pfarrdienstgesetz der EKD  bestimmt in § 39 (2):" \t\t Pfarrerinnen und Pfarrer sollen sich bewusst sein, dass die Entscheidung für eine Ehepartnerin oder einen Ehepartner Auswirkungen auf ihren Dienst haben kann. Ehepartnerinnen und Ehepartner sollen evangelisch sein. Sie müssen einer christlichen Kirche angehören; im Einzelfall kann eine Ausnahme zugelassen werden, wenn zu erwarten ist, dass die Wahrnehmung des Dienstes nicht beeinträchtigt wird."

D.h. ja, ein evangelischer Pfarrer oder eine evangelische Pfarrerin können ihre katholische Partnerin bzw. ihren katholische Partner heiraten.

Aus der Anzeigepflicht für kirchliche Trauungen in Absatz (3) und der Bindung an eine Lebensführung (Absatz 1), die auf die Ordination verpflichtet ist, ergibt sich auch die Verpflichtung zur kirchlichen Trauung.

Frank Muchlinsky

Kommentare

Mal blöd gefragt:
Nach wievielen Jahren ist kirchlich heiraten noch okay?

Reicht es aus, wenn man erst zur Silberhochzeit, nach so ca. 25 Jahren den kirchlichen Segen abholt? Wäre das auch auf katholischer Seite möglich? oder "muss" der evangelische Pfarrer/in in der evangelischen Kirche sich trauen lassen?

Der evangelische Pfarrer muss nicht kirchlich geheiratet haben. In der evangelischen Kirche gilt man ab der Standesamtlichen Trauung als verheiratet, die kirchliche Trauung ist lediglich eine Segenshandlung an einem verheirateten Paar, stiftet aber keine Ehe. D.h. ja, theoretisch kann ein evangelischer Pfarrer auch Jahre später noch kirchlich heiraten.
Es spricht auch nichts dagegen, das der Pfarrer seine katholische Frau nach katholischem Ritus heiratet. Für die evangelische Kirche ändert sich am Status "verheiratet" nichts, die katholische Kirche behauptet, dass die beiden sich das Sakrament der Ehe gespendet haben.

Insgesamt sollte man sich die EKD-Regelung mal auf der Zunge zergehen lassen. Und mal darüber nachdenken, was für ein immenser Eingriff diese Regelung in das Persönlichkeitsrecht eines Pfarrers/einer Pfarrerin ist und seines/seiner Partner/Partnerin. In welchem Beruf muss man noch seine Verlobung oder Heiratsabsicht anzeigen und prüfen lassen, ob der Partner genehm ist und wo muss man sonst um Ausnahme der Soll-Regelung "bitten", falls der Partner eine andere Konfession oder gar keine Konfession haben sollte.

Ich weiß von mindestens zwei Kommilitonen aus süddeutschen Landeskirchen, die keine Pfarrstelle angetreten haben, weil man ihre Partnerinnen (Hinduistin oder Agnostikerin) ablehnte und das, obwohl schon bei einem Kinder auf der Welt waren.
Nach außen wird für religiöse Toleranz und Offenheit geworben, so laut und radikal, dass es vielen - auch mir - zu schnell geht. Nach innen pflegt man Intoleranz und gängelt seine Pfarrer (für Kirchenbeamte und -angestellte gilt das nämlich nicht).

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