Wie historisch-kritisch darf man sein?

gestellt von Tobias R. am 6. Januar 2014

Guten Tag,

ich habe einige Beiträge hier gelesen und es wurde immer wieder deutlich, dass die Bibel historisch-kritisch betrachtet werden muss. Ich meine auch, dass fundamentalistische Ansätze, wie Kreationismus etc., falsch sind. Auch wenn in der Bibel z.B. etwas vom Teufel steht, muss man erkennen, dass damals die Menschen das "Böse", Leid und Kummer sich eben teilweise personifiziert vorgestellt haben. Es gibt viele solcher Beispiele, die belegen, dass man vieles auslegen und relativieren muss. Meine Frage ist aber, wieweit darf man gehen: Wenn man sagt, dass die Menschen den Teufel erfunden haben, um sich das Böse zu erklären, ist dann die Bezeichnung "Gott" auch nur eine fiktive Figur, die für Gutes steht. Ist dann die leibliche Auferstehung Jesu nur ein Symbol? (man erinnere sich an unseren Paulus: Wenn Jesus nicht auferstanden ist, dann ist euer Glaube vergebens) Sind also diese auch von modernen und liberalen Theologen vertretene Fundamente de Glaubens auch nur Symbole? Wieweit darf man gehen?

Lieber Tobias,

 

Gehen Sie so weit, wie Sie wollen. Wenn Gott für das Leben eines Menschen eine Bedeutung hat, dann spielt es keine Rolle, ob es Gott gibt oder nicht. Es spielt keine Rolle, ob Gott ein "Symbol" ist oder eine "Fiktion". Wenn Gott eine Rolle für eine Menschen spielt, dass wir er – wenn es sich um einen Christen handelt – die Bibel als wichtiges Zeugnis für seinen Glauben ansehen. Auch dabei spielt es zunächst keine Rolle, wie er dieses Zeugnis für sich auslegt  - als wörtliche Inspiration durch Gott, als von Menschen geschrieben, aber von Gott inspiriert, oder als Glaubenszeugnis unserer Väter und Mütter im Glauben. Letztlich geht es einzig darum, ob Gott in unserem leben eine Rolle spielt. Wenn ja, dann beginnen wir, die Bibel auszulegen. Jeder tut das – es geht gar nicht anders. Und egal, welchen Weg Sie einschreiten, irgendwann werden Sie an einen Punkt gelangen, wo Sie sich entscheiden müssen, ob Ihre Gedanken noch logisch sind.

 

Hier sprechen Sie mit jemandem, der sich dazu entschieden hat, den Weg des Verstandes und des Glaubens zu gehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Bibel eine Interpretation dessen ist, wie Gott sich den Menschen offenbart. Sie ist historisch gewachsen und voller Widersprüche und auch Widerlichkeiten. Aber sie ist eben das eine Dokument, das ich wieder und wieder heranziehe, weil ich auch so unendlich Gutes in ihr finde, ohne das ich nicht glauben will.

 

Wohl gemerkt: Dass es Gott gibt, habe ich nicht der Bibel entnommen. Die Bibel ist ein Dokument, das Gott nicht beweisen will, sondern das selbstverständlich davon ausgeht, dass Gott da ist. Gott gibt es in meinem Leben, weil ich es sage. Und die Bibel zeugt von einem Gott, der mir – meiner eigenen Herkunft und Erziehung nach – am angemessensten erscheint.

 

Nun sind Sie dran. Gibt es Gott in Ihrem Leben? Wenn ja, fragen Sie sich, ob die Bibel für Ihre Vorstellung von Gott ein gutes Zeugnis ist. Wenn Sie auch hier Ja sagen, ist die Bibel Ihr Heiliges Buch.

 

Mit freundlichen Grüßen

Frank Muchlinsky

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