Lots Töchter

gestellt von Michael Spaeth am 9. Mai 2017

Ist es nicht etwas seltsam, das in der Bibel Volksstämme durch Inzest gegründet werden?

Lieber Herr Spät,

ja, da gebe ich Ihnen durchaus Recht. Aber in der Bibel gibt es eine sehr große Menge von Dingen, die uns als Leserinnen und Leser des 21. Jahrhunderts als ausgesprochen merkwürdig vorkommen. Die Geschichte in 1. Mose 19,30-38 ist eindeutig dafür erzählt worden, die Völker der Moabiter und der Ammoniter zu diskreditieren, weil sie eben als Nachfahren dieses Inzests genannt werden. In den späteren Geschichten des 1. Buches Mose wird immer wieder deutlich gemacht, dass die Nachkommen Abrahams und Sarahs unbedingt darauf achten sollten, sich nicht mit den Ammonitern oder den Moabitern einzulassen.

Die Frage für uns heute ist eine andere: Steckt in der Geschichte von Lot und seinen Töchtern noch irgendetwas, das uns etwas zu sagen hat? Um einen solchen Sinn zu finden, muss man ein wenig weiter lesen in der Bibel. Da stoßen wir zum Beispiel im Buch Rut auf die Tatsache, dass durch einige Verwicklungen ausgerechnet eine Moabiterin (Rut) zur Großmutter des großen Königs David wird. Das finde ich schon ausgesprochen interessant. Nach all der Diffamierung der Moabiter scheint es einen Moment zu geben, an dem das keine Rolle mehr spielt. Mein Fazit: Selbst nach vielen Generationen Abneigung kann man die Kluft überwinden.

Herzlich

Frank Muchlinsky

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