Ist Gott eine Erfindung des Menschen?

gestellt von Markus Peter am 4. November 2017
Gott

Foto: photocase/knallgrün

Sehr geehrter Herr Muchlinsky

Ein Kompliment für das kluge, spannende und witzige Gespräch mit den 3 Pfarrerinnen! Ich habe selten so viel gelacht bei einem solchen anregenden Austausch.
Schade nur, dass nicht auch eine etwas ältere Pfarrerin dabei war, so zwischen 55 und 65!!

Ging deshalb meine Frage vergessen: Glauben Sie, Gott ist eine Erfindung des Menschen (Marcel Proust)?
Ich bitte um eine persönliche fachliche Antwort sowie von klugen Antworten, die so herumgeboten werden, klug, intelligent und mit einer Prise Humor.
Besten Dank!

Selbstkritische Vorbemerkung

Als ich diese Frage beantwortete, habe ich mich gefreut. Zum einen freute ich mich natürlich über das Lob des Fragestellers, zum anderen war da die Bitte, eine durchaus komplizierte und provokative Frage mit einem gewissen Maß an Lebendigkeit und Humor zu beantworten. Darum dachte ich mir: „Ach, wenn der Mensch, der da fragt, so aufgeschlossen ist, dann überrasche die Leser doch einfach und schreib: Ja, der Mensch hat Gott erfunden. Aber – so wollte ich gleich anschließen – woher weiß der Mensch das denn? Durch seinen Geist, und woher hat er den? Natürlich von Gott, seinem Schöpfer! So einfach formuliert wäre es vielleicht nicht dazu gekommen, dass mein Beitrag mittlerweile von vielen Menschen als ein Beispiel dafür zitiert wird, dass ja „die Pfarrer nicht mehr an Gott glauben“. Nichts liegt mir fernen, aber ich verliebte mich so sehr in die Worte, die ich schrieb, dass aus der einfachen Wende der Gedanken ein langer Weg wurde, auf dem ich mich wohl auch selbst bereits verirrt habe – und in der Folge viele Menschen, die meinen Beitrag lasen.

Drum möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich mich zu missverständlichen Worten habe hinreißen lassen. Ich glaube fest an Gott, der schon war, als noch kein Mensch war. Ich danke ihm für den Geist, der mich dies denken lässt. Ich glaube an Gotte Güte, die mit den Augen zwinkert, wenn andere sich entsetzen. Und ich glaube fest an die Gemeinschaft all derer, die in Jesus Christus Gottes Offenbarung sehen, sich darin einig sind und trotzdem über ganz viel anderes streiten und wieder vertragen können.

Frank Muchlinsky, 13.11.2017

Lieber Herr Peter,

zunächst einmal: herzlichen Dank für das Lob. Die Sendung kann man übrigens immer noch nachschauen unter diesem Link.

Ihre Frage hat mich – außer auf diesem Weg hier – nicht erreicht, denn die Sendung war ja nicht live, sondern vor der "Langen Nacht des Vaterunsers" aufgezeichnet worden. Wie auch immer: Ich antworte Ihnen jetzt in der Hoffnung, dass Sie meine Antwort persönlich, fachlich, klug und humorvoll finden werden. Eine Garantie gebe ich freilich für keine dieser Qualitäten.

Ist Gott eine Erfindung des Menschen? Sie haben hinter diesen Satz den Namen Marcel Proust geschrieben. Ich nehme an, der hat das auch mal so formuliert. Mir fallen bei der Frage oder Behauptung eher Feuerbach und Freud ein. Gott ist die Projektion menschlicher Bedürfnisse. Ich möchte aber nicht referieren, was diese Herren – und in ihrer Folge viele andere auch – dachten, sondern wie erwünscht fachlich antworten, und mein Fach ist eben die Theologie. Darum ohne weiteren Trommelwirbel: Ja, Gott ist eine Erfindung des Menschen.

Nur der Mensch ist in der Lage, einen Gott zu denken, ihn zu erfinden. Der menschliche Geist ist so kreativ, dass er diesem Gott bestimmte Eigenschaften zuordnen kann, die einander sogar widersprechen können. Der Mensch ist intellektuell fähig, sich einen Gott vorzustellen, der völlig anders ist als er selbst: ewig, allmächtig, omnipräsent, absolut gerecht und unendlich gütig. Der Mensch hat Gott erfunden und ist mit ihm eine Beziehung eingegangen, hat mit ihm gesprochen, ihm Geschenke gemacht, mit ihm gestritten, ihn geliebt und gehasst. Und der Mensch hat Gott immer wieder neue Eigenschaften zugesprochen, auch verschiedenste Erscheinungsformen. Der Mensch ist so kreativ, dass er es schafft, Gott als viele zu denken oder auch als einen, sogar zu drei in einem haben wir es gebracht.

Gott ist eine Erfindung des Menschen. Da besteht kein Zweifel. Allerdings hat der Mensch Gott zum Erfinder der Menschen gemacht. Eine weitere geistige Hochleistung des Menschen! Der Mensch machte sich selbst zum Geschöpf seiner Erfindung und sagte: Irgendwoher muss ich doch diesen Geist haben, der es mir erlaubt, all das zu denken. Dieser Geist, der – das sage ich ganz unbescheiden – mich von den anderen Lebewesen hier unterscheidet. Ich bin auf eine Weise kreativ, dass ich mir vorstellen kann, dass es etwas gibt, das noch kreativer ist als ich. Ich kann meine eigene Begrenztheit wahrnehmen und reflektieren. Darum kann ich mir etwas denken, das unbegrenzt ist. Und daran will ich mich ausrichten! Ich will diesem Größeren, diesem Unbegrenzten in meinem Leben einen Raum geben. Ich ordne mich ihm freiwillig unter, weil ich um meine Grenzen weiß, und ich will mit ihm den engsten Kontakt haben, der mir möglich ist, weil es mir gut tut, meine Grenzen nicht als unumstößlich zu verstehen.

Und so wurde der Mensch zur Erfindung Gottes. Gott offenbarte sich dem Menschen in immer neuer Weise, und der Geist des Menschen, den er Gott verdankte, erkannte Gott in diesen Offenbarungen, bis schließlich das eigentlich Unvorstellbare eintrat: Die Grenze zwischen Gott und Mensch wurde eingerissen. Der Erfinder wurde die Erfindung. Gott wurde Mensch. Der menschliche Geist sträubte sich und sträubt sich bis heute. War nicht die Unbegrenztheit Gottes gerade das, was ihn zum Gott machte? Wie soll Gott sein, was sterblich wird? Indem der Unendliche etwas aufgibt für die Endlichen, indem der Allmächtige ohnmächtig wird, um die Grenze zu überwinden zwischen Schöpfer und Geschöpf. Die Christen sagen: "Mehr geht nicht. Das ist die ultimative Offenbarung Gottes."

Ist Gott eine Erfindung des Menschen? Jawoll, tönt der Humanist. Nein, schreit der Fundamentalist. Das spielt keine Rolle mehr, sagt der befreite Christ und dankt seinem Schöpfer für seinen kreativen Geist.

Herzliche Grüße!

Frank Muchlinsky

P.S. Ihre Frage war auch schon einmal Gegenstand der chrismon-Serie "Religion für Einsteiger". Den Beitrag können Sie gern hier nachlesen.

Kommentare

ich muss ehrlich sagen, dass mich Ihre Aussagen sehr schockieren, Herr Muchlinsky.
Es geht Um Gott bei Glaubn. Und die Hoffnung von ihm errettet zu werden. Und Sie sagen hier, dass Gott nur eine Erfindung der Menschen ist?
(Anmerkung Frank Muchlinsky vom 13.11.2107: Lesen Sie bitte meine „Selbstkritische Vorbemerkung“ am Seitenbeginn, bevor Sie weitere Kommentare schreiben.)

Nein, ich sage nicht, dass Gott NUR eine Erfindung ist. Als Christ glaube ich, dass der Geist, der mich Gott denken lässt, mir von Gott geschenkt ist. Und meine Hoffnung richte ich genau deswegen auf Gott.

(Anmerkung Frank Muchlinsky vom 13.11.2107: Lesen Sie bitte meine „Selbstkritische Vorbemerkung“ am Seitenbeginn, bevor Sie weitere Kommentare schreiben.)

Lieber Herr Peter, ich hoffe sehr, Sie glauben diesem Artikel nicht. Ich kann es nicht anders ausdrücken, als mit diesen Worten. Denn das, was hier steht, ist ein weiterer Beweis dafür, wie sehr manche in der evangelischen Kirchen versuchen, sich und die Lehre der Kirche an die Meinungen der scheinbar so aufgeklärt-wissenschaftlichen Welt anzupassen. Und dabei geht immer mehr vom Profil der eigentlich wunderbaren Inhalte verloren!
Mit welcher Begründung nimmt sich ein Autor auf dieser Plattform das Recht heraus, all die Menschen als "Fundamentalisten" abzustempeln, die an Gott glauben? Wie sehr muss man sein Studium der Theologie vergessen haben, um auf eine derartig pseudowissenschaftliche Meinung zu kommen?
Natürlich ist Gott keine Erfindung des Menschen! Man mag trefflich darüber streiten, ob die Ausformulierungen der einzelnen (biblischen oder auch nicht kanonischen) Schriften über Gott die Wahrheit abbilden, oder aus dem Reich der "Erfindung" stammen: Sicherlich finden sich auch mythische und pagane Inhalte wieder, aber der Kern der Frage ist doch die, ob es ein höheres Wesen gibt, dass die Schöpfung, den Ursprung und das Ende zu verantworten hat. Wenn die evangelische Kirche an dieser Stelle nicht mehr sagen kann: JA! Es gibt den einen Gott, der dich gemacht hat, der dich wieder aufnimmt wenn du stirbst und der bei dir ist, wenn du lebst, dann macht sie nicht nur sich, sondern vor allem die Menschen, die in ihr nach Gott suchen kaputt!! Ich verbitte mir von einer solch öffentlichkeitswirksamen Redaktion wie der diesen, dass der nach Gott suchende derart in die Irre geleitet wird!
Wie oft lese ich in diesem Wortbeitrag "der Mensch hat erfunden" "der Mensch war kreativ" usw. Derartige Selbstzentrierung hat meiner Meinung nach mit der Beantwortung der Frage nach Gott nichts zu tun.
(Anmerkung Frank Muchlinsky vom 13.11.2107: Lesen Sie bitte meine „Selbstkritische Vorbemerkung“ am Seitenbeginn, bevor Sie weitere Kommentare schreiben.)

Lieber Theologiestudent,

Sie verstehen meinen Beitrag leider nicht richtig. Ich hoffe, das liegt lediglich daran, dass ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt habe. Darum will ich gern noch einmal konkretisieren.

Ihre Aussage, dass es Gott sozusagen unabhängig vom Menschen gibt, ist eine Glaubensaussage. Als solche ist sie bedeutsam und richtig für Sie. Eine allgemeine Aussage können Sie daraus allerdings nicht ableiten. Wen Sie anderen gegenüber sagen: "JA! Es gibt den einen Gott, der dich gemacht hat, der dich wieder aufnimmt wenn du stirbst und der bei dir ist, wenn du lebst …!!", dann ist das ein Bekenntnis, oder – in den Ohren Ihrer Zuhörer – eine Behauptung. Ich selbst kann Ihnen dabei zustimmen und tue das gern auch hier öffentlich: "Ja, ich bekenne Gott als meinen Schöpfer, Jesus Christus als meinen Erlöser und den Heiligen Geist als meinen Tröster." Die Frage aber, die mir gestellt wurde, war keine nach meinem Bekenntnis. Sie müssen unbedingt lernen, hier zu unterscheiden.

Es ging in der Frage um die Antwort eines Theologen, und als der bin ich nicht nur gläubiger Christ, sondern auch Wissenschaftler. Als solcher müssen meine Antworten eben auch allgemein nachvollziehbar sein. Dazu gehören Tatsachen, wie dass der Mensch kreativ ist und sich Gott auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen denken kann. Der Mensch ist absolut in der Lage, Gott zu erfinden. Und gerade, wenn Sie bekennen, dass es den einen Gott gibt, der sich in Christus offenbart hat, müssen Sie zwangsläufig sagen, dass die Götter derer, die etwas anderes bekennen, erfunden sind. Ich gehe lediglich einen Schritt weiter und sage: Mein Gott ist auch eine Erfindung, allerdings ist diese Erfindung für mein Leben die entscheidende, so entscheidend, dass ich glaube und bekenne, dass nicht der Mensch Gott erfunden hat, sondern Gott den Menschen.

Wenn Sie die "wunderbaren Inhalte" des Christentums bewahren und verkünden möchten, müssen Sie unbedingt aufpassen, dass Sie Ihren Glauben anderen Menschen nicht einfach vorsetzen und behaupten, er sei eine allgemeine Wahrheit. Außerdem erlaube ich mir noch zwei "väterliche" Ratschläge: Wenn Sie sich über jemanden ärgern, wenden Sie sich an diese Person direkt und nicht an jemand anderen. Zweitens: Lesen Sie auch solche Texte, die Sie irritieren oder ärgern, möglichst gründlich. Ich habe zum Beispiel nicht gesagt, dass alle Menschen, die an Gott glauben, Fundamentalisten sind. Ich habe vielmehr geschrieben, dass Fundamentalisten (hier sei ergänzt: reflexartig) auf die Frage, ob der Mensch Gott erfunden habe, "Nein" schreien.

Alles Gute für Sie und Gottes Segen für Ihr Studium!

Frank Muchlinsky

(Anmerkung Frank Muchlinsky vom 13.11.2107: Lesen Sie bitte meine „Selbstkritische Vorbemerkung“ am Seitenbeginn, bevor Sie weitere Kommentare schreiben.)

Als ob es "wissenschaftlicher" wäre, zu sagen, der Mensch habe Gott erfunden und das sei für den Menschen halt u.U. wichtig. Das ist ein Axiom. Man kann genauso begründet vom Axiom "Gott gibt es" ausgehen. Und dann kann man danach fragen: Wenn dieses Axiom stimmen sollte, wie nachvollziehbar ist dann die Beschreibung dieses Gottes, wie wir sie im Christentum finden. Etc. Die Annahme, dassMenschen Gott/Götter erfunden haben, schließt nicht aus, dass es dennoch Gott/Götter auch unabhängig von menschlichen Ideen und Vorstellungen geben kann.
Was Sie schreiben, ist eine ganz private Meinung, die Sie mit anderen Menschen teilen, aber kein "wissenschaftlicher Fakt". Mit dem Vorschlaghammer "aber ich bin ja wissenschaftlich" zu schlagen ohne wirklich wissenschaftlich zu argumentieren ist doch Blödsinn. Und zu Wissenschaft gehört nicht nur Religionswissenschaft, sondern auch Wissenschaftstheorie.
(Anmerkung Frank Muchlinsky vom 13.11.2107: Lesen Sie bitte meine „Selbstkritische Vorbemerkung“ am Seitenbeginn, bevor Sie weitere Kommentare schreiben.)

Das eigentlichen Problem, das ich mit diesem Artikel habe, Herr Muchlinsky ist folgendes: Sie vertreten ihre Meinung so, als wäre es Ihr Bekenntnis. Sie machen eben nicht deutlich, dass der Mensch zwar alles Mögliche denken kann, es aber auch anders sein kann. Ihr Satz: "Gott ist eine Erfindung des Menschen" steht absolut. Er kann es. Macht er sicherlich auch, man denke nur an das goldene Kalb oder an all die Menschen, die ihren Gott in Geld etc. gefunden haben. Auf die Internet-Seite evangelisch.de gehen diese Menschen dann aber nicht unbedingt. Hier suchen doch Leute ganz bewusst nach einer evangelischen Antwort auf die Frage "ist Gott erfunden?". Ich wäre sehr zufrieden gewesen, wenn Sie geschrieben hätten, dass vieles sein kann, in der evangelischen Lehre (ich verwende dieses Wort gern immer wieder, auch wenn ich den Eindruck habe, Sie mögen es nicht) steht etwas anderes. Nämlich, dass es Gott gibt. Ich finde Ihre Ratschläge hilfreich, vielen Dank dafür! Auch möchte ich Sie nicht vor den Kopf stoßen. Erlauben Sie mir meinerseits einen Ratschlag, wenn auch nicht väterlich. Passen Sie als ein öffentliches Aushängeschild "des evangelischen" - als das Sie, ob Sie es wollen oder nicht, gesehen werden - auf, dass Sie nicht Ihre Meinung derartig über das Evangelische Bekenntnis stellen. In der CA oder den anderen Schriften wird der Ursprung Gottes nicht erwähnt, dennoch wäre Ihre These nicht harmonisierbar. Wenn ich später mal als Pfarrer arbeite, dann möchte ich nicht die verloren gegangenen Schafe wieder einsammeln, die Sie NICHT zu Gott führen.
(Anmerkung Frank Muchlinsky vom 13.11.2107: Lesen Sie bitte meine „Selbstkritische Vorbemerkung“ am Seitenbeginn, bevor Sie weitere Kommentare schreiben.)

Das sehe ich genau so.
Man muss aus der Wahrheit der Bibel keine Wissenschaft machen.
Wenn man die Grundsätze aus der Bibel befolgt kann man ein glückliches und zufriedenes Leben führen und man muss nicht da hineinphilosophieren. Die Christenheit hat mit der Zeit immer mehr das ursprüngliche an der Lehre Jesu mit eigenen Überlegungen und Bräuchen aus anderen Religionen vermischt. Das kann ich als gläubiger Mensch nur sehr sehr traurig finden und ich weiß, dass es vielen anderen auch so geht.
(Anmerkung Frank Muchlinsky vom 13.11.2107: Lesen Sie bitte meine „Selbstkritische Vorbemerkung“ am Seitenbeginn, bevor Sie weitere Kommentare schreiben.)

Nun, ganz ehrlich, es freut mich für Sie, wenn das für Sie so einfach ist. Auch ich bin ein gläubiger und glücklicher Mensch. Nur beschreite ich wohl etwas andere Pfade als Sie.

(Anmerkung Frank Muchlinsky vom 13.11.2107: Lesen Sie bitte meine „Selbstkritische Vorbemerkung“ am Seitenbeginn, bevor Sie weitere Kommentare schreiben.)

Nach allem was ich auch in anderen Theme hier so lese fällt mir zu Ihnen ehrlich gesagt nur ein Bibeltext ein der Sie und "Ihresgleichen also mit der gleichen Einstellung beschreibt
Jeremias 23,16-17 "So spricht der HERR Zebaoth: Hört nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen! Sie betrügen euch, sie verkünden euch Gesichte aus ihrem Herzen und nicht aus dem Mund des HERRN. 17 Sie sagen denen, die des HERRN Wort verachten: Es wird euch wohlgehen –, und allen, die im Starrsinn ihres Herzens wandeln, sagen sie: Es wird kein Unheil über euch kommen."

Ich hoffe Sie werden eines Tages von diesen falschen Weg umkehren und endlich Gottes Willen tun

(Anmerkung Frank Muchlinsky vom 13.11.2107: Lesen Sie bitte meine „Selbstkritische Vorbemerkung“ am Seitenbeginn, bevor Sie weitere Kommentare schreiben.)

Hallo Herr Muchlinsky,

ich habe mich, als ich die Antwort vor ein paar Tagen zum ersten mal gelesen habe, auch gewundert über die Aussage, der Mensch habe Gott erfunden. Aber ich habe mir gleich gedacht, dass ich da wohl irgendetwas nicht so ganz richtig verstanden habe. Die vielen kritischen Kommentare, die ich hier nun gelesen habe, haben mich bewogen, die Antwort oben noch einmal genau durchzulesen und mein entstandenes "Gedankenwirrwarr" zu ordnen.

Das Ergebnis meiner "Gedankensortieraktion" ist folgendes: Der Mensch hat Gott nicht in dem Sinne erfunden, in dem er etwas Neues geschaffen hat. Der Mensch, der als die Krone der Schöpfung bezeichnet wird, denkt, dass es außer ihm noch etwas Höheres geben muss, das wiederum ihn, den Menschen, erschaffen hat. Dieses Höhere nennt der Mensch "Gott". Der Mensch hat also etwas schon daseiendem einen Namen gegeben. Den Namen: "GOTT!"

Habe ich das so herum richtig verstanden? Haben Sie, lieber Herr Muchlinsky, es so gemeint, als Sie geschrieben haben, der Mensch habe Gott erfunden?

Herzliche Grüße
Susanne
(Anmerkung Frank Muchlinsky vom 13.11.2107: Lesen Sie bitte meine „Selbstkritische Vorbemerkung“ am Seitenbeginn, bevor Sie weitere Kommentare schreiben.)

Old School. Wer nicht so denkt und glaubt, wie es die historisch-kritische Theologie vorgibt, wird mit dem Stempel Fundamentalist versehen. Das kommt in der Form zwar immer seltener vor, aber wie man sieht, gibt es noch Theologen die mit diesem Instrument arbeiten.

Gut finde ich, dass in der Öffentlichkeit seitens der historisch-kritischen Theologie weniger geheuchelt wird. Noch vor einigen Jahren hätte man Aussagen, wie sie hier in der Antwort gegeben wurden, fromm verpackt und so formuliert, dass sie nur von Insidern verstanden werden, aber die Gläubigen nicht verschreckt werden. Der atheistische Kopf und das fromme Herz. Atheistische Theologie mit frommen Schleifchen drumherum. Die Schleifchen werden weniger und es wird immer mehr sichtbar, was sich unter der frommen Verpackung befindet.

Ich selbst glaube an einen persönlichen Gott, der sich in Jesus Christus und durch den Heiligen Geist geoffenbart hat und das noch immer tut. Gott ist nicht meine Idee, sondern ich die seine.
(Anmerkung Frank Muchlinsky vom 13.11.2107: Lesen Sie bitte meine „Selbstkritische Vorbemerkung“ am Seitenbeginn, bevor Sie weitere Kommentare schreiben.)

Das Problem dieser Antwort bündelt sich in dem Sätzchen "Lieber Theologiestudent, Sie verstehen meine Antwort nicht richtig."
Denn natürlich sagen Sie als Pfarrer: "Es gibt Gott" (was würde denn sonst Ihren Job rechtfertigen?). Aber eben einen Gott, der auch vor dem Atheisten bestehen kann, der das ätzende Bad Feuerbachs irgendwie spurenweise überlebt hat, von dem Freud noch eine winzige, skurrile Nische übriggelassen hat und von dem der intellektuelle Chor augenzwinkernd singen kann: "Diesen Gott - kann jeeeeder nehmen". Zusammengeschwurbelt aus den Resten, die Religionskritik und Psychologie von der Frage aller Fragen übriggelassen haben, aber doch zufrieden damit: Denn schließlich gibt es Gott, reingewaschen von allen Schwierigkeiten, die der Glaube an ihn erzeugt, in den Köpfen von Intellektuellen, die ihn gar nicht nötig haben.

Aber immerhin gibt es ihn auf eine Weise, die es allen Kritikern, Zweiflern und Nichtgläubigen recht macht: "Ihr habt ja alle recht! Aber es ist mein Geist, der ihn produziert! Da ist er sicher und ich kann mich gelassen zurücklehnen, humorvoll, gefahrlos, gebildet und unantastbar".

"Was aber", fragt der Verzweifelte, "wenn ich keinen Gott mehr denken kann? Wenn mein Geist nicht stark genug ist, ihn zu denken, wenn er gar schwindet? Wer wird dann Jesus gewesen sein? Eine Kopfgeburt aus dem NICHTS, die zurückfällt ins Nichts?"

Ja! ruft der Atheist. Nein! rufen Fundamentalisten wie Blaise Pascal - und all jene, die ihr Leben als Zeugnis für den lebendigen Gott zu geben bereit sind. Der Herr Pfarrer aber schmunzelt befreit: "Spielt doch alles gar keine Rolle."

Und dann sitzen Sie zusammen in ihren Gremien und fragen sich, warum sich niemand mehr für Gott auch nur ansatzweise interessiert. Und die Antwort ist: "Sie haben uns halt nicht richtig verstanden, die schwachen Geister."

(Anmerkung Frank Muchlinsky vom 13.11.2107: Lesen Sie bitte meine „Selbstkritische Vorbemerkung“ am Seitenbeginn, bevor Sie weitere Kommentare schreiben.)

Ich halte es hier mit Bonhoeffer. Gott hat eine andere Qualität und entzieht sich grundsätzlich jeder Erkennbarkeit und jedem Beweis. Wäre das nicht so, wäre er nicht Gott. M. E. Bleiben uns nur Indizien, Glaube und Hoffnung.

Guten Tag Herr Muchlinsky, habe ich Ihre Argumentation so richtig zusammengefasst?

1. Gott ist natürlich eine Erfindung des Menschen.
2. Nur der Mensch hat die Fähigkeit, sich einen Gott auszudenken.
3. Den Geist dazu hat er von Gott bekommen.
4. Also gibt es Gott.
4a. Oder, wahlweise: Es ist mir egal, ob es Gott gibt, ich glaube trotzdem an ihn und bin ihm dankbar.

?

So ungefähr. zumindest bis vor dem Punkt in Punkt vier.

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