Etwas verwirrend: Lutherisch und Uniert

gestellt von THE-SEEKER am 28. Dezember 2011

Guten Abend, vorweg etwas über mich.

Ich bin (und war schon immer) gläubiger Christ und bin, von meiner Mutter (die ebenfalls gläubig ist) christlich erzogen worden. Ich war im Kinderkirchenchor und auf das abendliche Gebet oder die Kirchengänge mit ihr hab ich mich immer gefreut =). Leider beschäftigte ich mich mit zunehmenden Alter immer weniger mit meinem Glauben ( Pubertät, Schule, Lehre, Freundin ;) ). Seit geraumer Zeit ist mein Glaube an Gott und das Bedürfnis wieder mehr mit der Kirche zu machen,  ziemlich präsent und ich dachte mir.... warum nicht =)?
Jetzt brennen mir zwei Fragen unter den Fingernägeln:

1) Wenn man sich (diesmal als Erwachsener =) ) in der Kirchengemeinde einbringen will. Bei was kann man da so tätig werden?

2) Es beschäftigt mich schon seit einer geraumen Zeit welcher Konfessionsfamilie ich angehöre? Das Internet spuckt hierzu mal überhaupt nichts aus. Getauft wurde ich in der Christuskirche in Heilbronn, die zählt glaube ich zu den Evangelisch-lutherische Kirchen aber die Kirchengemeinde in der ich derzeit bin ist uniert (BADEN UND WÜRTTEMBERG MAL WIEDER!!!). Bin ich jetzt Evangelisch-lutherische oder gehöre ich jetzt zu den unierten Kirchen??? Zählt jetzt die "Wohnhaft" oder der "Ort der Taufe" oder ist es im großen und ganzen Wurst da "eh alles das Gleiche also evangelisch ist". Gibt es eine Internetseite die mir die Unterschiede zwischen reformiert, lutherisch, methodistisch etc. erklärt und kann/muss/soll man zwischen diesen Familien wechseln?

Ihr merkt ich bin sichtlich verwirrt xD.
Lg The_Seeker

Lieber Seeker,

ich will gern versuchen, ein wenig Ordnung in die Verwirrung zu bringen.
Zur ersten Frage: Wer als Erwachsener in seiner Kirchengemeinde mitarbeiten will, hat eine Menge Möglichkeiten, die sich immer an dem ausrichten, was die Gemeinde selbst so anbietet. Da gibt es verschiedene Gruppen und Kreise, die sich um die unterschiedlichsten Sachen kümmern. Jese Gemeinde hat ihre eigenen Schwerpunkte. Darum mein Rat: Besorgen Sie sich zunächst einen Gemeindebrief Ihrer Kirchengemeinde. Da bekommen Sie einen Überblick über das, was in Ihrer Gemeinde so läuft. Vielleicht finden Sie ja bereits etwas, was Sie reizt. Außerdem können Sie natürlich bei Ihrer Pfarrerin/Ihrem Pfarrer vorbeigehen und mit ihr/ihm mal über Ihre Lust sich zu engagieren reden. Ich bin sicher, dass Sie gemeinsam etwas finden werden.

Zur zweiten Frage: Sie sind Mitglied der Evangelischen Kirche in Baden (nicht in Baden und Württemberg, denn es gibt eine Württembergische Landeskirche, und die ist lutherisch). Unierte Kirchen sind Vereinigungen von lutherischen und reformierten Kirchen. Die Badische Kirche ist eine sogenannte „bekenntnisunierte“ Kirche. Das heißt, man hat sich in dieser Landeskirche darauf geeinigt, dass sowohl der „Kleine Katechismus“ Luthers Link als auch der „Heidelberger Katechismus“ (der Reformierten) Link anerkannt sind. Das Problem dabei ist, dass die beiden Katechismen ein unterschiedliches Verständnis vom Abendmahl haben. Dieses Problem hat man in den bekenntnisunierten Kirchen so gelöst, dass man die betreffenden Stellen durch eine neue, gemeinsame Formulierung ersetzte. Das geschah in der sogenannten „Unionsurkunde“ von 1821. Link

Nun noch einmal zu Ihnen: Ja, Sie sind in einer lutherischen Kirche getauft und sind nun, weil Sie umgezogen sind, Mitglied einer unierten Landeskirche. Es gilt also immer der Wohnort. Die lutherischen und die reformierten Kirchen in Deutschland sind sehr nahe Verwandte, die sich ja auch in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zusammengeschlossen haben. In den unierten Landeskirchen werden sie zu einer „Familie“, wie Sie es ja auch nennen. Wenn Sie sich darüber hinaus über die freikirchlichen (also nicht landeskirchlich verfassten) und über die nicht-evangelischen Kirche informieren möchten, empfehle ich einen Blick in die Seiten der ACK. Das ist die Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen in Deutschland. Dort gibt es Kurzinformationen und weiterführende Links. Link

Herzliche Grüße!
Frank Muchlinsky

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