Was tun, wenn die Patin fremd wird?

gestellt von Steitz am 1. Dezember 2015

Die Patin meiner Tochter hat sich, während ich nach einem Unfall schwer verletzt auf der Intensivstation lag, nicht um mein Kind gekümmert, sondern die Betreuung abgelehnt. Außerdem hat sie ihre ärztliche Schweigepflicht mir gegenüber verletzt, was ich bei der Ärztekammer zur Anzeige gebracht habe. Mittlerweile sind die Zerwürfnisse so groß,dass auch meine Tochter einen neuen Paten möchte. Was kann ich tun?

Mit freundlichen Grüßen Mercedes Steitz

Liebe Frau Steitz,

 

Es tut mir Leid, dass es zwischen Ihnen und der Patin Ihrer Tochter so zum Streit gekommen ist. Anscheinend ist Ihr Vertrauen vollkommen zerstört. Darum nehme ich an, dass Sie ohnehin nur noch wenig Kontakt zu ihr haben werden. Schon alleine deswegen wird es schwer für sie sein, Ihr Patenamt noch auszuführen.

Nun ist das Amt der Patin ja ein kirchliches und kein zivilrechtliches. Das heißt, die Patin Ihrer Tochter hat lediglich eine moralische Verpflichtung, sich um Ihre Tochter zu kümmern. Nach kirchlichem Verständnis soll sich eine Patin außerdem vorwiegend bei der religiösen Erziehung helfen. Dennoch ist es natürlich absolut notwendig, dass Sie und Ihre Tochter eine Beziehung zu ihr haben, die das überhaupt zulässt. Ich kann Ihren Entschluss, sich auch in dieser Hinsicht von ihr zu trennen also durchaus nachvollziehen und verstehe Ihren Ärger vollkommen.

 

Leider ist es nicht vorgesehen, dass Sie sich für Ihre Tochter quasi einen Ersatzpaten aussuchen können. Pate wird man im Moment der Taufe, und man wird nur einmal im Leben getauft.

Was Sie tun können, ist aber natürlich, dass Sie jemanden bestimmen, der oder die sich von nun an bis zur Konfirmation Ihrer Tochter (denn so lange dauert das Patenamt) darum bemüht, Ihre Tochter zu begleiten. Auch, wenn das kein offizielles Amt sein wird, so können Sie doch jemanden bitten, dem Sie vertrauen.

 

Natürlich wäre es das Schönste, wenn Sie sich wieder versöhnen könnten, doch nach dem, was Sie erzählen, halte ich das für ausgesprochen schwierig.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Tochter alles Gute und grüße Sie herzlich.

 

Frank Muchlinsky

Kommentare

kann ich nur sagen, dass es mir auch sehr schwer fallen würde, mich über einen längeren Zeitraum um eins meiner Patenkinder zu kümmern. Natürlich würde ich in einem Notfall versuchen, einzuspringen und zu helfen, aber das geht eben auch nur so weit, wie es der eigene Beruf und die eigenen Kräfte zulassen. Da Sie schreiben, sie habe die "ärztliche Schweigepflicht verletzt" nehme ich mal an, dass die Patin Ärztin ist, und sicher beruflich stark eingespannt. Deshalb werbe ich hiermit um Verständnis für die Patin und hoffe für Patenkind und Patentante, dass das Verhältnis sich doch irgendwann wieder bessert. Vielleicht lässt sich mit etwas zeitlichem Abstand neu darüber nachdenken und Vertrauen wiedergewinnen. Wäre doch schade, wenn nicht!

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