lutherisch - reformiert - uniert

gestellt von Willi Stöber am 4. November 2017

Guten Tag, sind folgende Landeskirchen bzw. ev. Kirchen lutherisch,reformiert oder uniert?

a) Landeskirche Anhalt

b) ev. Kirche, Hamm/Sieg

c) ev. Kirche, Rosbach/Sieg

Vielen Dank Willi Stöber

Lieber Herr Stöber,

Anhalt ist uniert. Die Kirche in Hamm/Sieg gehört zur rheinischen Landeskirche und ist ebenfalls uniert. Dasselbe gilt für Rosbach/Sieg.

Und daher weiß ich das: In unserer Gemeindesuche kann man einzelne Gemeinden finden und sehen, zu welcher Landeskirche sie gehören und hier sind die beiden Listen der Lutherischen und der Unierten Kirchen.

Herzlich

Frank Muchlinsky

Kommentare

Die Frage, welche Landeskirchen wozu gehören habe ich mir auch schon gestellt und finde die Antwort schon hilfreich,nur tauchen jetzt bei mir neue Fragen auf. Denn bei den Listen uniert und lutherisch taucht jeweils die Kirche in Mitteldeutschland auf und die Kirche in Norddeutschland ist lutherisch, Kirche in Pommern aber uniert. Pommern gehört doch aber zur Nordkirche, oder nicht? Und sind jetzt alle diese Kirchen in der EKD oder nur die lutherischen? MFG Andrea W.

So ergiebig ist die Gemeindesuche allerdings nicht, Herr Muchlinsky.
Gerade wenn ich Hamm/Sieg eingebe, bekomme ich die Angabe "evangelisch, französisch-reformiert, lutherisch, reformiert". Das zeigt zwar an, dass die übergeordnete Landeskirche und der übergeordnete Kirchenkreis uniert sind, gibt aber nicht unbedingt Auskunft darüber, welche Konfession die jeweilige Kirchengemeinde vor Ort vertritt und ob es sich tatsächlich um eine unierte Gemeinde handelt.
Für Anhalt und das Rheinland kann ich es jetzt nicht sagen, vermute aber, dass dort "preußisch-uniert" gilt.
Wenn ich aber die Adresse meiner eigenen Kirchengemeinde in der ebenfalls unierten EKHN eingebe, bekomme ich auch evangelisch, französisch-reformiert, lutherisch, reformiert angegeben. Meine Kirchengemeinden sind aber evangelisch-lutherisch. Das ist uns - in konfessionellen Grenzgebieten gelegen - auch sehr wichtig, dass unsere Gemeinde lutherisch ist und bleibt. Das war mir bei der Stellenwahl auch sehr wichtig.

Ich stoße mich bei der Gemeindesuche auch regelmäßig am Begriff "Übergeordnete Verwaltung".
Die uns übergeordnete "Verwaltung", die die unsere Verwaltungsarbeit übernehmen und steuern, nämlich die Regionalverwaltung, ist eben nicht gleich dem Dekanat. In der EKHN ist das Dekanat der Kirchengemeinde weder übergeordnet, noch verwaltet sie sie, allenfalls ist der Dekan mir als Pfarrerin übergeordnet. Es wäre schön, wenn man dies umformulieren könnte.
Oder soll da schon vorweggenommen werden, was Hannover gerne hätte und allen Gliedkirchen aufzuzwingen sucht - eine klare Hierarchie und Konformität?

Das liegt daran, dass die Gemeindesuche leider nicht zwischen Verwaltungsunion und Bekenntnisunion unterscheidet.

Verwaltungsunion heißt, die übergeordnete Kirchenorganisation zu der eine einzelne Kirchengemeinde gehört, versammelt unter ihrem Dach nebeneinander evangelisches (also bekenntnisuniertes Bekenntnis), französisch-reformiertes, lutherisches, reformiertes Bekenntnis gleichberechtigt nebeneinander. So gibt bzw. gab es in FFM eine französisch-reformierte Gemeinde, lutherische Gemeinden, evangelische Gemeinden und reformierte Gemeinden. Sie alle gehören zum Dekanat Frankfurt und zur EKHN und gewährten sich schon vor der Leuenberger Konkordie von 1973 Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft.

Bekenntnisunierte Kirchen - vor allem, aber nicht nur, auf ehemaligem preußischen Territorium gelegen - unterscheiden nicht zwischen lutherisch, reformiert etc., sondern haben ein uniertes Bekenntnis, in dem man quasi den kleinsten gemeinsamen Nenner der gewachsenen Bekenntnisse zur Grundlage nahm.
In einigen Regionen, z.B. Rheinhessen, war die Bekenntnisunion eine von der Basis kommende Entscheidung, nach dem Motto nur gemeinsam sind wir stark und können gegen katholische Einflüsse bestehen, in anderen Regionen, z.B. Preußen, wollte man Einheitlichkeit und leichtere Verwaltungsstrukturen.
Das lief deshalb oft auch nicht nach dem Motto Friede, Freude, Eierkuchen, "sind wir jetzt halt uniert" ab, sondern führte oft zu heftigen Auseinandersetzungen und auch Abspaltungen (Stichwort hier z.B. Hessische Renitenz oder Altlutheraner). In manchen Dörfern und Kleinstädten ist der Riss heute noch zu spüren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Landeskirchen sind i.d.R. Verwaltungsuniert. D.h. in ihnen finden sich die verschiedenen Bekenntnisse unter einem Dach. Das gilt z.B. auch für die Nordkirche und die Mittelkirche. Die Mittelkirche ist sogar Mitglied in der VELKD (also im lutherischen Verbund) und in der UEK (im unierten Verbund). Sie sind deshalb in beiden Verbänden, weil die ehemals preußischen Gebiete Bekenntnisuniert sind, die sächsischen und thüringischen Gebiete aber lutherisch. Diese wollen ihr lutherisches Bekenntnis verständlicherweise beibehalten, das sind ja Urlutheraner.

Meine Landeskirche, die EKHN, ist auch verwaltungsuniert, allerdings nur in der UEK, nicht mehr in der VELKD und im Reformierten Bund. Die Mitgliedschaft in den Verbänden kostet ja auch eine Stange Geld.

Und ja, alle der von Ihnen genannten Kirchen sind in der EKD. Die EKD ist ja nicht übergeordnet, sondern wird aus den evangelischen Landeskirchen gebildet. Sie definiert nicht das Bekenntnis der jeweiligen Landeskirchen, nicht ihre Kirchenordnungen und -gesetze. Jede Landeskirche bestimmt über sich selbst. Noch...

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