Geistliche Leitung?

gestellt von DerLaie am 10. Juni 2012

In Sachsen probt eine Handvoll Frommer den Aufstand. Sie wollen Bischof und Kirchenleitung nicht mehr als "geistliche Leitung" ihrer Landeskirche anerkennen. Was ist das überhaupt: "Geistliche Leitung"? Wo wird die praktisch und konkret? Ich dachte so etwas gäbe es nur bei den Katholiken?

Lieber „Laie“,

wenn einige Menschen in Sachsen Kirchenleitung und Bischof die „geistliche Leitung“ absprechen, so wollen sie damit deutlich machen, dass sie diesem Gremium bzw. dieser Person absprechen, ihren kirchenleitenden Aufgaben gerecht zu werden. Der Begriff der „geistlichen Leitung“ selbst kommt nicht in der Verfassung der Sächsischen Landeskirche vor. Hier heißt es zum Bischofsamt:

Quote:

2. Der Landesbischof

§ 27

(1) Der Landesbischof ist der führende Geistliche der Landeskirche. Sein

Dienst ist, mit Gottes Wort die Landeskirche zu leiten. Er kann Hirtenbriefe

erlassen.

1.1.1 15 Kirchenverfassung

(2) Der Landesbischof achtet darauf, dass das Evangelium rein verkündigt und

die Sakramente einsetzungsgemäß gefeiert werden. Er ist zur Wortverkündigung

und Sakramentsverwaltung im ganzen Gebiet der Landeskirche berechtigt.

(3) Seine Aufgabe ist es, die Einheit der Landeskirche zu bewahren und zu

stärken. Der Landesbischof pflegt die Verbindung mit anderen Kirchen und

repräsentiert die Landeskirche in der Öffentlichkeit. Link zum gesamten Text

Zur Aufgabe der Kirchenleitung heißt es:

Quote:

4. Die Kirchenleitung

§ 36

(1) Die Kirchenleitung hat die Aufgabe, die Landeskirche in gemeinsamer

Verantwortung von Landesbischof, Landessynode und Landeskirchenamt auf

der Grundlage der Kirchenverfassung, der Kirchengesetze sowie der Beschlüsse

der Landessynode zu leiten.

(2) Sie sorgt dafür, dass der Auftrag der Kirche in allen Bereichen der Landeskirche

evangeliumsgemäß ausgeübt und erfüllt wird.

(3) Sie fördert die diakonische, missionarische und ökumenische Arbeit und

nimmt Verantwortung für den Dienst der Kirche in der Öffentlichkeit wahr.

(4) Sie vertritt die Landeskirche nach außen durch ihren Vorsitzenden, soweit

diese Vertretung nicht dem Landeskirchenamt obliegt.

(5) Sie erlässt Kundgebungen.

Geistliche Leitung meint keine Leitung im Sinne einer priesterlichen Autorität. Vielmehr wird der Begriff häufig verwendet, wenn man in kirchenleitenden Gremien lieber über „Das Eigentliche“, also die christlichen Inhalte entscheiden möchte, als beispielsweise über Haushaltspläne zu diskutieren. Hierzu gibt es einen kleinen Artikel von Jens Voß (Mitglied des Pastoralpsychologischen Instituts im Norden e.V.), in dem er schreibt: „Leitung in der Kirche ist per se geistlich, indem sie die institutionellen Rahmenbedingungen für die Erfüllung der primären Aufgabe der Kirche gewährleistet.“ Link zum ganzen Artikel

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig weiter helfen und grüße herzlich!

Frank Muchlinsky

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