Warum lädt die evangelische Kirche auch Katholiken zum Abendmahl ein?

gestellt von Gast am 26. Oktober 2011

Hallo!

Ich habe vor kurzem gelesen, dass die EKD nach wie vor, die katholischen Christen zum Abendmahl einladen wird. Daran würde sich auch in Zukunft nichts ändern. Konfessionsverschiedene Ehepaare sind wie eh und je, gemeinsam eingeladen, nachdem in der katholischen Kirche dies immer noch nicht möglich ist. Es ist jedoch den katholischen Christen grundsätzlich verboten, am evangelischen Abendmahl teilzunehmen.

Meine Frage: Hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche und seine Synode kein schlechtes Gewissen, wenn diese öffentlich dazu aufrufen, dass Katholiken am Abendmahl in der ev. Kirche eingeladen sind und jederzeit teilnehmen dürfen, obwohl die EKD ganz genau weiß, dass es den Katholiken strikt verboten ist, diese Einladung anzunehmen. Ist das nicht eine gravierende Grenzüberschreitung der EKD und ein schlechtes Vorbild für alle Christen? Die evangelische Kirche möchte doch auch in ihrem "SO-Sein" akzeptiert werden. Ich persönlich geh doch auch nicht als ev. Christin ohne Einladung zur Eucharistiefeier.
 

Liebe „Gast“,

die Feier des Abendmahls ist nicht zuletzt ein Ausdruck dafür, das wir Christinnen und Christen zu dem einen Leib Christi gehören. Wir teilen das eine Brot, trinken aus dem einen Kelch, den uns Christus vermacht hat. Darum ist der Wunsch, dies auch über konfessionelle Grenzen hinaus zu tun, so groß. Im Abendmahl werden wir eins.

Einladen zum Abendmahl tut im Grunde genommen nciht die Kirche, sondern Gott selbst lädt dazu ein. Die Kirchen geben diese Einladung lediglich weiter. Die verschiedenen evangelischen Kirchen landen darum nicht nur einander zur Teilnahme ein, sondern alle getauften Christen, die daran glauben, dass in diesem Sakrament Jesus Christus uns eint, unter uns gegenwärtig wird, uns einen Vorgeschmack auf das Himmelreich gibt. Ob nun jemand am Abendmahl teilnimmt, ist – und das ist sicherlich der springende Punkt im Bezug auf Ihre Frage – dem Gewissen einer und eines jeden überlassen.

Gott selbst lädt ein, und die evangelischen Kirchen sprechen diese Einladung an alle Christinnen und Christen aus. Die sind dann aufgefordert zu schauen, ob sie die Einladung annehmen können. Wenn es einigen Brüdern und Schwestern aufgrund ihres Glaubens schwer fällt, das Abendmahl mitzufeiern, wird kein Druck aufgebaut, doch ist es selbstverständlich, immer wieder deutlich zu machen, dass die (göttliche) Einladung besteht, als Teil des einen Leibes an dem einen Abendmahl teilzuhaben.

Mit freundlichen Grüßen
Frank Muchlinsky

Kommentare

Wenn ein Pfarrer/Pfarrerin zum Abendmahl einlädt mit den Worten:
"Kommt ALLE zu mir, die IHR mühselig und beladen seid.... meint ER/SIE, dass ALLE Menschen, egal welchen Glaubens, egal welchen Familienstandes (ledig/verheiratet/geschieden) zum Tisch des Herrn gehen können um wieder gestärkt und aufrichtig sich den Aufgaben des Lebens zustellen. Alle "Ausgrenzungen", wie dies die katholische Kirche "praktiziert", sind "hausgemacht" und haben mit der christlichen Lehre nicht`s aber überhaupt nicht`s zu tun. Jesus hat anders gehandlet beim Abendmahl, er hat Judas genau wie alle anderen Jünger am Abendmahl teilnehmen lassen, obwohl er wusste, daass dieser Ihn verraten wird. Auch sollte sich die katholische Kirche mal an die Worte Jesus erinnern, die er gesprochen hat, als eine wütende Menge eine Prostituierte steinigen wollte. Er sagte: " Wer von EUCH ohne Sünde, der werfe den ersten Stein! Ich vergebe Dir, gehe nun fort und sündige von nun an nicht mehr!" Der christliche Glaube ist auf Barmherzigkeit Liebe und Vergebung aufgebaut und nicht auf Verdammnis!

Guten Tag,
Ich feiere in diesem Jahr goldenen Konfirmation,
Nun bin ich aber 2014 aus der Kirche ausgetreten. Darf ich noch am Abendmahl teilnehmen?
Ich weis, dass darüber diskutiert wird, aber wie ist die Sachlage?
Danke für eine Antwort. Freundliche Grüße von mir.

Liebe Elisabeth,

niemand wird sie bei der goldenen Konfirmation vor dem Abendmahl fragen, ob Sie Kirchenmitglied sind. Sie können also teilnehmen. Allerdings können Sie sich auch fragen, warum sie eine Gemeinschaft feiern wollen, der Sie gerade den Rücken gekehrt haben. Letztlich müssen Sie es mit Ihrem Gewissen abmachen.

Mit freundlichen Grüßen

Frank Muchlinsky

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