Schadet ein Theologiestudium dem eigenen Glauben?

gestellt von Sonja333 am 23. Oktober 2011

Hallo,

ich interessiere mich ernsthaft für ein Studium der ev. Theologie. Seit ich mich darüber informiere, stolpere ich ständig über Warnungen es sein zu lassen, da mein Glaube dabei Schaden nehmen könnte. Das Studium sei darauf ausgerichtet mir Stück für Stück vor Augen zu führen wie unwahr das Alles am Ende wäre. Sprüche wie " Glaubst du noch oder hast du Theologie studiert?" bringen es eigentlich auf den Punkt. Klar bin ich nicht abgeneigt mich sachlich bis kritisch mit der Materie auseinander zu setzen aber dennoch lässt mich das grübeln. Es besteht nun mal ein Unterschied in der Herangehensweise, ob ich daran interessiert bin etwas zu be- oder zu widerlegen. Ist es wirklich so? In welchem Licht steht dann der Pfarrer auf der Kanzel, der durch so eine Schule gegangen ist und mir dann möglicherweise predigt was er selbst nicht glaubt?

Herzliche Grüße
Sonja

 

Liebe Sonja,

ich kann Sie beruhigen! Ein Theologiestudium ist beileibe nicht dazu da, Ihnen Ihren Glauben zu zerstören oder Ihnen die Augen zu öffnen, wie unwahr doch all das ist, was Sie bislang geglaubt haben. Das Studium der Theologie ist (übrigens im Unterschied zu dem der Religionswissenschaft) ein Studium „von innen heraus“. Das heißt: Man betrachtet den christlichen Glauben nicht aus einer möglichst objektiven Außenperspektive, sondern aus der Perspektive der Gemeinschaft, für die der Glaube eine Bedeutung hat.

Freilich benutzt die Theologie die Methoden der (kritischen) Wissenschaft, indem sie z.B. die Bibel auch als literarisches Werk anschaut, das zu einer bestimmten Zeit verfasst wurde. Doch geht es immer darum, den Glauben ernst zu nehmen. Gerade darum schaut die Theologie genau hin und fragt sich: Was sind das für Zeugnisse, denen das Christentum seinen Glauben verdankt? Wie haben sich frühere Generationen mit diesen Zeugnissen auseinandergesetzt? Wie können wir heute von Gott reden? Und natürlich auch: Wie können wir von unserem Glauben reden und ihn weitergeben? Es ist klar, dass es bei einer so intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema dazu kommt, dass sich die eigene Vorstellung von Gott, die eigene Beziehung zum Glauben verändert. Aber das Theologiestudium kann dazu führen, dass der eigene Glaube reift und stärker wird.

Haben Sie also Mut und lassen Sie sich nicht abschrecken von Menschen, die meinen, nur ein naiver Glaube sei ein guter Glaube. Studieren Sie Theologie und erleben Sie es selbst. Und glauben Sie mir: Ich bin „durch diese Schule gegangen“, und ich glaube fester denn je, was ich predige.

Herzliche Grüße
Frank Muchlinsky

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