Wie sich Gott offenbart

gestellt von Emil Kopf am 21. März 2013

Lieber Herr Muchlinsky,

1. wie kann Gott ein Gott aller Menschen sein, wenn er sich von Beginn an nur einer kleinen Gruppe Menschen in einem einzelnen Gebiet der Erde offenbart hat und das auch nur Stück für Stück? Was ist mit der Heilsmöglichkeit anderer Menschen, die nichts von JHWH wussten und andere Götter anbeteten? Wieso sollte Gott das billigen, wenn er die Möglichkeit hatte, sich ihnen auch zu offenbaren? anschließend daran

2. Zur Zeit des ATs gab es auf der ganzen Welt Religionen und Götter, was macht uns so gewiss, dass dieser eine der richtige ist und der aller anderen der falsche? Gerade im Spiegel der neueren Theologie und Geschichtsforschung, die keinen Nachweis der Historizität für die Geschichten bis ~ Salomo nachweisen kann, werden die Erzählungen nach und nach zu Mythen degradiert, wodurch das AT immer mehr an Authentizität und Wahrheitsanspruch verliert und somit im interreligiösen Kontext für mich auch als Exklusivreligion mit Wahrheitsanspruch. Es scheint als würden wir die Bibel über ihre Geschichte hinweg immer nur solange im historischen Sinne für wahr halten, bis wir genügend Gegenargumente für eine andere Sicht gesammelt haben. Wie erhält man mit bröckelnder Historizität von klar als Nacherzählung und nicht als Mythos formulierter Geschichten die Glaubhaftigkeit der Bibel und ihrer vermittelten Wahrheit?

Mit freundlichen Grüßen, Emil Kopf

Lieber Herr Kopf,

 

der Gott des Alten Testaments ist nach christlichem Verständnis derselbe wie der des Neuen Testaments. Er ist also in jedem Fall ein universaler Gott. Gleich zu Beginn erweist er sich als Schöpfer des Kosmos und der gesamten Menschheit. Dass er in der Folge ein Volk erwählt, steht dazu in keinem Widerspruch, denn aus eben diesem Volk kommt der Erlöser aller Menschen zur Welt. Das Alte Testament selbst spricht bereits davon, dass Gott sich allen Völkern offenbart

 

Dies ist's, was Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat über Juda und Jerusalem:

Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen,

und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.

Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN! (Jes 2,1-5)

 

Der Weg der Erlösung der Menschheit, wie sie ihn die Bibel erzählt, ist in der Tat verschlungen. Aus christlicher Sicht geht der Weg weiter. Alle Völker der Welt sollen davon erfahren, dass Gott in Jesus Christus die Menschheit zu ihrem Heil geführt hat. Das sind die letzten Worte Jesu zu seinen Jüngern im Matthäusevangelium.

 

Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes

und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt 2918-20)

 

Selbstverständlich hat das Christentum einen Wahrheitsanspruch. Wenn wir nicht sagen würden, dass das, was wir glauben wahr ist, was würde es für unser Leben austragen? Das heißt ja andererseits nicht, dass wir nicht andere Wahrheiten gelten lassen können.

 

Unser Wahrheitsanspruch macht sich auch nicht an der Historizität der in der Bibel beschriebenen Ereignise fest, sondern am Bekenntnis dazu, dass in diesem Buch die Geschichten aufgeschrieben stehen von Menschen, denen sich unser Gott offenbart hat. Sicherlich werden in der Bibel auch einige historische Fakten beschrieben, doch darum geht es nicht in erster Linie. Darum wird nicht jede Geschichte zum "Mythos", sie soll Zeugnis des Glaubens sein.

 

Mit freundlichen Grüßen

Frank Muchlinsky

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