Lukas 14,25-35 - Nachfolge, aber richtig?

gestellt von S. Jakob am 7. November 2013

Sehr geehrte Frau Erichsen-Wendt,

bei meiner Bibellese bin ich an besagte Stelle im Lukasevangelium gekommen und stehe nun recht verwirrt da, und vielleicht können Sie mir ja weiterhelfen? Jesu Worte haben mich darüber zum Nachdenken gebracht, wie man eigentlich leben soll, um ernsthaft in der Nachfolge Jesu zu stehen. Jesus verwendet hier ja doch recht harte und eindringliche Worte, die bei mir die Befürchtung wecken, am Ende Gottes Anforderungen nicht gerecht werden zu können (und andererseits: wie könnte ein Mensch das denn, wie soll das möglich sein? (musste hierbei auch an Psalm 130 Vers 3 denken.)

Wenn man sich z. B. im Internet auf die Suche nach Hinweisen begibt, wie man ein christliches Leben gestalten soll, wie echte Umkehr aussehen soll, wird man ja schnell fündig, leider sind viele der Hinweise auch nicht angetan dazu, meine Zweifel und Befürchtungen zu lindern, oft im Gegenteil, und widersprechen sich untereinander zudem nicht selten untereinander erheblich. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie vielleicht ein paar Tipps oder Gedanken für mich hätten zu den Fragen, ob Gott etwas von uns erwartet, wenn ja, was, wie eine "richtige Nachfolge" aussehen kann und wie sich im Alltag Umkehr gestalten kann.

Ich bedanke mich schon jetzt vielmals und Grüße Sie herzlich. S. Jakob

Sehr geehrte/r Herr/ Frau Jakob,

 

Ihnen ist passiert, was das Lukasevangelium mit diesen Worten erreichen will: Sie haben Sie zum Nachdenken gebracht.

 

Die Menschen, an die der Evangelist sich hier wendet, sind die, die Jesus und der christlichen Botschaft wohlgesonnen sind, die sich dies zum Teil auch zum Wegbegleiter gemacht haben, die sich aber bislang nicht auf die Nachfolge eingelassen haben. Sie haben es nicht getan, weil sie nicht wussten, was das beinhaltet.

 

In diesem Zusammenhang wird die von Ihnen erwähnte Textstelle erzählt (hier zum Nachlesen: Lk 14, 25-35). Dass der Verfasser des Lukasevangeliums viele dieser Sprüche und Geschichten zur Berufung erzählt, weist darauf hin, dass es nicht den einen richtigen Weg der Nachfolge gibt, sondern eine Reihe verschiedener, gleichermaßen legitimer Zugänge. Das Lukasevangelium betont dabei den Kontrast: Es wäre vermessen zu meinen, man könnte mehreren lebensbestimmenden Wegen Priorität einräumen. Die Parteinahme für die Jesusbewegung kann nicht ohne Kosten für andere Bindungen gelebt werden. Das Lukasevangelium ist da realistisch: Wer in jesuanischer Zeit Jesus nachfolgte und sich seinen JüngerInnen anschloss, verließ die Stabilität seines gewohnten Zuhauses, oft auch seine Heimat und seinen Beruf. Dabei geht es nicht um die eigene Selbstverwirklichung, sondern um die notwendigerweise vorhandene Kehrseite jeder Entscheidung.

 

Der Text spricht nicht davon, wie es ist, Jünger zu werden, sondern davon, wie es ist, Jünger zu sein. Das bedeutet, dass die Kontraste nicht als Aufforderung und Appell verstanden sein wollen: Nicht, wer all dies genau so tut, ist der „richtige“ Nachfolge. Sondern: In der Nachfolge erleben Menschen genau dies.

 

Sie schreiben von Zweifeln und Befürchtungen. Ich stelle mir die Adressaten des lukanischen Textes als Menschen voller Zweifel und Befürchtungen vor: Sie fragten sich, ob ihr Weg, ihre Entscheidung, bei Jesus und seinen JüngerInnen mitzugehen, richtig war. Oft waren und sind erhebliche Veränderungen in Verhalten und Erleben damit verbunden. Das Lukasevangelium illustriert, dass eben dies nicht ausbleiben kann: Sowohl die Infragestellung dieser Entscheidung selbst durch das eigene, ja das nächste, familiäre Umfeld, als auch die Zweifel und Befürchtungen selbst.

 

Dass Sie zwischen beidem im Gespräch mit den Texten der Bibel und anderen ChristInnen Ihren Weg finden, dazu will dieser Text anleiten, ich möchte sagen: provozieren. Wäre es einfacher und Andere wüssten besser, wie Ihr Weg aussehen wird, wäre in der christlichen Tradition nicht so Vieles vom ernsthaften Ringen der Einzelnen um das angemessene Leben als Christenmensch überliefert. Appelle, wie man christlich leben soll, aus dem Internet oder anderswo, sollten Sie skeptisch machen. Lebensbestimmende Hinweise zur Gestaltung Ihres Weges der Nachfolge werden Sie im Internet nicht finden, und auch nicht auf evangelisch.de. Und das ist gut so.

 

In großer Solidarität grüßt Sie herzlich

 

Ihre Friederike Erichsen-Wendt, Pfrin.

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