Ein Klo, die sexuelle Vielfalt und eine Tür

gestellt von Brunhilde Rusch am 27. Februar 2014

HILFE!
Heute habe ich von der Online-Kampagne Kenntnis genommen. Stand wie unter einem Schock, war wirklich fast sprachlos, konnte das Video (obwohl nur 3 Min.) nicht zu Ende ansehen.
Was sagen Sie zu "Eine Tür"? http://eine-tuer.de/#!/eine-tuer-ist-genug/

Was sagt der Herr Jesus Christus dazu und was würde Martin Luther dazu sagen?
Gott lässt sich nicht spotten. Ich protestiere aufs Schärfste gegen diese Werbekampagne mit Kirchensteuermitteln!

Ich freue mich auf Ihre Nachricht und grüße Sie aus der Reformationsstadt Hessens!
Brunhilde Rusch - (M)eine Stimme für Jesus

Liebe Frau Rusch,

 

Ich bin Ihrem Link gefolgt und habe mir das entsprechende Video angeschaut. Es ist in der Tat ausgesprochen unglücklich, dass Sie es nicht bis zum Schluss angeschaut haben, denn dort kommt es zu einer wichtigen Pointe. Die "Eine Tür", von der gesagt wird, das sie genug ist, ist die Kirchentür. Die Aussage des Filmes ist also, dass diese Tür niemanden ausschließt – mit dem vorherigen Teil zusammen betrachtet: Andres als Klotüren, die unbedingt immer nach Geschlechtern unterteilen, tut das unsere Kirchentür nicht. Um es mit Paulus zu sagen: "Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus." (Gal 3,28).

 

Toilettentüren machen in der Tat am deutlichsten klar, wie sehr unsere Gesellschaft auf das Geschlecht eines Menschen schaut, was für eine unglaubliche Rolle das Geschlecht für die eigene Identität spielt. Das aber ist völlig gegen die Sichtweise Gottes auf den Menschen, die uns eigentlich Vorbild sein sollte. Anstatt immer zu unterscheiden, ob jemand eine Frau ist oder ein Mann, sollten wir in jedem Menschen das Ebenbild Gottes sehen. Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde. Und die Bibel sagt wörtlich, dass dieses Bild "männlich und weiblich" ist. (Das ist, wie gesagt, die wörtliche Übersetzung von Gen 1,27.)

 

Sie fragen, was Jesus zu diesem Film sagen würde. Ich bin sicher, dass die Botschaft, dass alle Menschen durch die eine Kirchentür kommen dürfen, ihm gefallen hätte. Und Martin Luther? Ich habe keine Ahnung, was er dazu sagen würde. Aber dass er manchmal zu ähnlichen Derbheiten neigte, wie die Benutzung eines Bildes von zwei Toiletten, weiß ich wohl. Und die Toilette war tatsächlich ein Ort der Erkenntnis für ihn. Auf den Seiten von "Luther2017" findet sich folgender Absatz:

Der Reformator selbst machte kein Geheimnis um den Ort seiner Erkenntnis. In den Tischreden wird überliefert, dass er selbst den Raum der Entdeckung als  „locus“, also „Ort“  oder auch als „in cloaca“, also auf dem Wasserkloset oder Klo bezeichnet hat: „Diese Kunst hat mir der Heilige Geist auf dieser Cloaca auf dem Turm gegeben.“

"Die Latrine als Ort reformatorischer Erkenntnis" auf www.luther2017.de

Ob das Video besonders gelungen ist oder nicht, maße ich mir nicht an zu sagen. Ich habe allerdings auch von anderen Leuten gehört, dass sie es nicht bis zum Schluss angeschaut haben. Wie Sie waren diese Leute der Meinung, dass sie die Botschaft des Filmes eben bereits nach spätestens zwei Minuten verstanden hätten. Die Produzenten haben anscheinend mit der eigentlichen Botschaft zu lange gewartet. Das finde ich schade, denn ich stehe vollkommen hinter ihr: Unsere Kirchentür ist zum Glück EINE für alle.

 

Mit freundlichen Grüßen

Frank Muchlinsky

Kommentare

Sehr geehrter Herr Muchlinski,
Sie schreiben: "(...) was für eine unglaubliche Rolle das Geschlecht für die eigene Identität spielt. Das aber ist völlig gegen die Sichtweise Gottes auf den Menschen, die uns eigentlich Vorbild sein sollte."
Wieso behaupten Sie, dass Gott die beiden Geschlechter nicht bewusst als wichtig für ihre jeweiligen unterschiedlichen Identitäten geschaffen hat? Das Wunder der Schöpfung mit xx und xy als für das menschliche Leben wesentlichen Prägungen bedeutet eben auch, dass Männer und Frauen nicht gleich sind, aber natürlich gleichwertig. Es wäre doch völlig gegen die Schöpfung, die Unterschiede zu negieren.
Dass es neben xx und xy eine Reihe von Varianten gibt, kann man auch als im Sinne Gottes ansehen, insofern sind alle geschlechtlichen Formen - die ihren Ausdruck in unterschiedlichen Identitäten finden - Menschen und verdienen unsere Achtung und Respekt. Dass im biologischen Sinne Frau und Mann für die Erhaltung dieser Art geschaffen wurden (- oder sich entwickelt haben), ist ein Teil der göttlichen Schöpfung.
Der EKD steht es natürlich frei, sich für gesellschaftliche Gleichbehandlung von anderen Paar-Zusammensetzungen als Mann und Frau einzusetzen, über die rechtlichen Möglichkeiten kann und soll man diskutieren. Was Gott über denkt und was er gewollt hätte, darüber sollte der Mensch (- auch der Mensch in der Kirchenverwaltung) nicht spekulieren.

Freundlichen Gruss
Rudolf Petersen

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