Sex mit einer anderen Frau, wenn die Ehefrau dement ist?

gestellt von Monika am 11. Januar 2016

Hallo Herr Pfarrer,

Ich habe da eine Frage, und zwar habe ich einen netten aber verheirateten Mann kennengelernt. Er ist seit 17 Jahren verheiratet. Seine Frau leidet an Alzheimer und wohnt im "Betreutem Wohnen". Er möchte eine feste Beziehung mit mir. Jetzt bin ich im Zwiespalt, da in der Bibel steht, dass Sex ohne Ehe Hurerei ist. Wie würde es Gott in diesem Fall sehen? Sie kann ihm ja nicht mehr als seine Ehefrau dienen, scheiden lassen will er sich auch nicht, da er sie nicht im Stich lassen möchte. Wie soll ich mich jetzt verhalten? Wäre es Hurerei, wenn ich eine Beziehung mit ihm anfange?

ich bedanke mich jetzt schon für ihre Antwort.

LG Monika

Liebe Monika,

 

Ich verstehe Ihren Zwiespalt gut. Eine Ehe hört nicht auf zu existieren, wenn einer der beiden Partner dement wird, und dennoch fehlen viele wichtige Teile dessen, was eine Ehe ausmacht. Es freut mich, dass Ihr Freund seine Frau nicht verlassen will, sondern sich weiterhin um sie kümmern möchte. Damit macht er sehr deutlich, dass ihm das Versprechen, das er seiner Frau gegeben hat, ehrt. So lange er seiner Frau die Liebe und Zuwendung, die sie noch von ihm annehmen kann, noch schenkt, so lange lässt er die Ehe weiterbestehen.

 

Aber natürlich leidet die Beziehung, wenn einer der beiden Partner sich so grundlegend verändert, wie das im Falle einer Demenz geschieht. Eine glückliche Partnerschaft will immer wieder, dass man sich der gegenseitigen Liebe versichert. Das scheint beinahe unmöglich, wenn einer der beiden den anderen nur noch selten erkennt. Die Liebe kann plötzlich nur noch von einem der beiden geäußert und gezeigt werden. Das verlangt eine riesige Anstrengung. Sex ist eine wunderbare Art, sich gegenseitig der Liebe zu versichern. Diese Möglichkeit fehlt Ihrem Freund und seiner Frau.

Wenn Sie Ihrem Freund jetzt Ihre Zuneigung zeigen, wenn Sie Liebe für ihn empfinden und ihm das auch durch Sex zeigen, dann tun Sie etwas, wozu seine Ehefrau nicht mehr fähig ist, und was ihr Mann aber braucht. Sie füllen ein paar Lücken, die die Krankheit in die Ehe zwischen den beiden geschlagen hat. Sie fragen, wie  Gott Ihre Situation wohl sieht. Ich maße mir nicht an, das zu wissen. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass Gott die Situation, in der Sie Drei stecken, ebenso als Dilemma sieht, wie Sie selbst.

 

"Hurerei" ist es in keinem Fall, wenn Sie mit ihrem Freund Sex haben. Sie möchten doch eine gemeinsame Beziehung, und zu solch einer gehört Sex, wie gesagt, als Zeichen der gegenseitigen Liebe dazu. In Ihrem Fall geht es eher um die Frage, ob Ihr Freund mit Ihnen die Ehe bricht. Kann man aber durch außerehelichen Sex die Ehe brechen, wenn es keinen innerehelichen Sex mehr geben kann?

Sie sehen liebe Monika, dass ich Ihnen nicht eine eindeutige Antwort geben möchte. Das tue ich nicht, weil ich keine Meinung hätte, sondern weil es letztlich darauf hinausläuft, dass Sie selbst entscheiden müssen, wie Sie mit Ihrem Zwiespalt umgehen. Die Ehe Ihres Freundes ist noch da, sie existiert noch, wenn auch anders als man sich das wünscht oder erhofft. Ihr Freund hat sich entschieden, dass er bis zum Schluss für seine Frau da sein will. Nun müssen Sie beide entscheiden, ob eine Beziehung zwischen Ihnen beiden das weiterhin zulässt. Wie gesagt, Sie beginnen, Lücken zu füllen, die die Krankheit in der Ehe Ihres Freunde hinterlässt. Die Lücke des Sexverlustes ist dabei meiner Meinung nach nicht die entscheidende. Aber Sie sprechen von einer festen Beziehung, die Ihr Freund mit Ihnen eingehen will. Sie sollten genau hinschauen, ob eine solche Beziehung dazu führt, dass das, was von seiner Ehe noch übrig ist, bleiben kann. Nehmen Sie seiner dementen Frau etwas weg, was Sie noch bekommen kann? Fragen Sie sich bitte, wie Sie darauf reagieren, wenn Ihr Freund seine Frau weiterhin zärtlich streichelt, wenn er sie besucht. Wie viel Respekt können Sie die Ehe Ihre Freundes aufbringen?

 

Darum soll mein vorletzter Rat an Sie sein, dass Sie mit Ihrem Gewissen in gutem Austausch bleiben. Mein letzter rat lautet, dass Sie sich nicht von Menschen beeindrucken lassen, die Ihnen in Ihrem Dilemma eindeutige Wege vorschreiben. Was immer Sie tun, wird weder absolut richtig noch falsch sein. In einer Situation wie der Ihren braucht es Tapferkeit, Entschlüsse zu fassen. Die wünsche ich Ihnen von Herzen.

 

Mit herzlichem Gruß

Ihr Frank Muchlinsky

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Kommentare

Ich kann ja kaum glauben was ich hier lese.
Hier wird jemand, der biblisch fundierten Rat sucht, indirekt aufgefordert Ehebruch zu begehen. Und ja es ist Ehebruch auch wenn der andere Partner Krank ist. Was ist das denn für eine kranke Welt in der die Geistlichkeit schon zu so etwas aufruft.
An die Fragestellerin: Gott verurteilt Ehebruch sehr wohl, egal in welcher Weise! Lassen Sie sich von Pseudo-Religiösen Menschen wie hier etwas anderes erzählen.

Und Herr Muchlinsky. Ihnen sollte es verboten werden anderen etwas zum Thema Bibel und Glaube zu erzählen!!

Sehen Sie, liebe Monika? Wenn Sie diesen Kommentar eines anonymen Menschen hier lesen, wissen Sie, warum ich Ihnen den letzten ratschlag erteilt habe. Zu viele Menschen benühen sich nicht darum, Probleme zu verstehen, sondern haben allzu schnell eine Lösung parat.
An den anonymen Kommantator: Ich in bereit, am Jüngsten Tag meinem Herren Jesus Christus gegenüber zu treten. Er möge mich richten. Sie haben dazu nicht das Recht.

Im katholischen Kirchenrecht ist eine Scheidung grundsätzlich nicht erlaubt, weil die Ehe ein unauflösbares Sakrament ist. Die Ehe endet erst mit dem Tod eines Ehegatten. Ist der o. g. Ehemann evangelisch, dann ist die Ehe ein weltlich Ding und kann geschieden werden. Aber der o. g. Mann will sich gar nicht scheiden lassen. Pech für Monika! Die Ehe begründet persönliche sowie wirtschaftliche Rechte und Pflichten zwischen den Ehegatten. Monika hat diesem verheirateten Mann gegenüber keinerlei Rechte aber auch keinerlei Pflichten.

Die Ehe sichert zudem eine legitime Erblinie. Aus dieser Erblinie ist Monika ausgeschlossen. Monika wird also so oder so eines Tages "dumm aus der Wäsche gucken". Der verheiratete Mann will ihr zwar an die Wäsche, aber er will keine Verantwortung für Monika übernehmen. Ich wäre mir dafür zu schade!

Trotzdem soll man sich hüten, in einer derartigen Situation jemanden zu verurteilen. Erst recht da bei einer Demenz der Inbegriff einer Ehe und dessen Miteinander selbst im optimalsten Fall früher oder später ins "Vergessen" gerät.

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