Darf ich vermeintlich unreine Tiere halten?

gestellt von Nora am 14. Oktober 2016

Ich frage dies nur, weil ich dazu leider einfach nix finde. Seit Jahren schon pflege ich viele Ratten zuhause, und ich denke, dass diese Geschöpfe auch eine Seele haben. Nur liest man ja öfter von unreinen Tieren, die böse und verdorben sind, und ich kann das alles nicht erkennen an meinen liebgewonnenen Haustierfreunden.

 

Auch weil ich mal ein interessantes Zitat hörte aus der Geschichte der Arche Noah. Dass wohl Noah sagte wohl zu seiner Frau wohl, als diese einfach irgendeine Art Wurm oder Insekt vernichten wollte, mit dem Grund man brauche die ja eh nicht, diese ekligen Viecher. Noah sagte, dass Gott alle Tiere erschaffen habe und jedes einen Sinn erfülle. Und man diese auch nicht ausrotten dürfe, egal um welches Gewürm es sich handle.

 

Deshalb die Frage: Verurteilt mich Gott jetzt, weil ich ein unreines Tier halte oder akzeptiert er es? Zudem könnte ich Gott nicht verstehen, wenn er Tieren - egal welchen - eine Seele absprechen würde.

Vielen Dank, dass ich hier meine Frage stellen konnte.

Liebe Nora,

 

das Wichtigste zuerst: Wenn Sie sich liebevoll um Tiere kümmern, kann ich mir nicht vorstellen, dass Gott Ihnen das übelnehmen sollte. Die Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Tiere, wie sie auch in der Bibel vorkommt, entstammt dem Reinheitsgesetz, das Gott dem Volk Israel durch Mose gibt. Es geht in diesen Reinheitsvorschriften um ganz viele verschiedene Dinge, die den Israeliten verboten sind, weil der Umgang mit ihnen sie unrein macht. Unrein bedeutet nicht schmutzig im hygienischen Sinn, sondern es bedeutet, dass man für den Kult unrein wird, für den Gottesdienst.

 

In diesem Zusammenhang geht es auch darum, welche Tiere unrein sind. Die Liste finden Sie in 3. Mose 11. Es geht in dieser Liste darum, welche Tiere man essen darf und welche nicht. Insekten sind übrigens – weil Sie die ja nennen – nicht grundsätzlich auf dieser Liste der unreinen Tiere. Johannes der Täufer zum Beispiel soll Heuschrecken gegessen haben. (Markus 1,6). Wie gesagt: Es geht bei der Unterscheidung von "reinen" und "unreinen" Tieren nicht darum, ob es bessere oder schlechtere Tiere sind, sondern, ob die Israeliten sie essen durften oder nicht.

 

Weil Sie von der Sintflut-Geschichte erzählen. Da gibt es in der Bibel auch die eindeutige Aussage Gottes, dass Noah auch von den "unreinen Tieren je ein Paar mit auf die Arche nehmen soll. (1. Mose 7,2). Die Unterhaltung zwischen Noah und seiner Frau, von der Sie erzählen, steht nicht in der Bibel, aber ich finde sie trotzdem charmant, weil es noch einmal deutlich macht, dass Gott alles Leben erhalten will.

 

Darum noch einmal: Ich glaube, dass sich Gott darüber freut, wenn Sie sich gut um Ihre Haustiere kümmern, seien es nun Katzen oder Ratten. Katzen sind übrigens nach biblischem Verständnis ebenfalls unrein, man darf sie also nicht essen: ("Und alles, was auf Tatzen geht unter den Tieren, die auf vier Füßen gehen, soll euch unrein sein." 3. Mose 11,27).

 

Ob Tiere eine Seele haben, darüber streiten sich die Christen gerne. Wichtig ist, dass sie alle Geschöpfe Gottes sind – genau wie der Mensch.

Ich grüße Sie herzlich

Frank Muchlinsky

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Kommentare

Ich bin der Meinung, das die unreinen Tiere heute kein Problem sind. Wir haben Kühlschränke, Tiefkühltruhen, die es zur Zeit des Alten Testamentes nicht gab. Tote Tiere verwesen also nicht mehr so schnell.

Ich denke, dass es bei den Reinheitsvorschriften im AT (hier um die Reinheitsvorschriften im Umgang mit Tieren) nicht um verdorbenes Fleisch von Tieren ging, dass man nicht mehr essen konnte, weil man sich sonst den Magen verdorben hätte, sondern um die rituelle Reinheit der Tiere, die man gegessen hat, mit denen man durch anfassen in Berührung kam u.s.w.

Im AT wird ausführlich darüber berichtet. Ein langes Kapitel mit allen "Vorschriften" zu "Reine und unreine Tiere" kann man dort lesen. (3. Mose 11,1-47)

Für uns Christen gelten diese Reinheitsvorschriften heute nicht mehr. Im NT steht ein Geschichte in der Jesus über Reinheit und Unreinheit spricht. (Markus 7,1-23)

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